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Lehrer wollen „Kultur des Hinsehens“

Missbrauch Lehrer wollen „Kultur des Hinsehens“

Nach dem angekündigten Schreiben des Bistums Fulda haben Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen zu den 34 Jahre zurückliegenden Missbrauchsfällen am früheren Heim der Stiftsschule aufgenommen.

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Das Rabanushaus wird derzeit umgebaut. Bis Ende der 70er Jahre war das Haus ein Teil des Schülerheims.

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Die Nachricht von zwei Fällen von sexuellem Missbrauch 1976 im damaligen Schülerheim erreichten die Amöneburger Stiftsschule gleich zu Beginn ihres Jubiläumsjahres. Die Schule feiert ihr 125-Jähriges. Eine Absage der Feier ist für Schulleiter Hans-Georg Lang keine Option. „Wir werden feiern, allerdings in dem Bewusstsein, dass es auch in unserer Geschichte dunkle Flecken gibt“, sagt Lang. Mit dunklen Flecken meint er nicht nur die aktuell bekanntgewordenen Missbrauchsfälle. Er hat auch die noch sehr viel weiter zurückliegenden Fälle von Gewalt von Lehrern gegenüber Schülern im Blick.

Nach intensiver Diskussion innerhalb der Lehrerschaft will die Schule eigene Ansätze verfolgen, um Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Für die Stiftsschule St. Johann scheint die Vergangenheitsbewältigung ohnehin ein besonders schwieriger Akt. Die Missbrauchsfälle liegen mehr als 34 Jahre zurück. Der Schulalltag ist heute ein ganz anderer, einen Internatsbetrieb gibt es seit 30 Jahren nicht mehr in Amöneburg. Deswegen will die aktuelle Lehrerschaft aber keineswegs die Augen verschließen, so der erklärte Wille. Gleich nach Bekanntwerden der Fälle hatte Lang als Schulleiter die völlige Aufklärung eingefordert.

Zunächst plant die Schule in der nächsten Woche Versammlungen für die drei Jahrgangsstufen der Oberstufe. Dort wollen Lehrer wie Schulleitung über das wenige, was sie bisher über die früheren Missbrauchsfälle wissen, mit den Schülern ins Gespräch kommen. „In der Oberstufe scheint der Gesprächsbedarf besonders groß zu sein“, erläutert Lang. Wichtig ist Lang und seinen Kollegen aber vor allem die Frage nach Konsequenzen für die Gegenwart. Sie wollen die jetzige Diskussion dazu nutzen, eine „Kultur des Hinsehens“ in der Schule weiter zu fördern und für das Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen noch stärker sensibilisieren.

Unterdessen hat das Bistum Fulda sämtliche Informationen über die beiden Missbrauchsfälle wie angekündigt an die Marburger Staatsanwaltschaft übermittelt. Arndt Peter Koeppen, der Leiter der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Donnerstag den Erhalt eines entsprechenden Schreibens der Bistumsverwaltung. „Wir haben Ermittlungen aufgenommen und auch die Polizei mit eingebunden“, sagt Koeppen. Eine zentrale Frage wird zunächst sein, ob die Vorwürfe gegen den damaligen Erzieher nicht seit langem verjährt sind.

von Michael Rinde

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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Die Missbrauchsbeauftragte des Bistums Fulda hat mit dem Erzieher, der 1976 im früheren Internat der Stiftsschule zwei Schüler missbraucht haben soll, inzwischen Kontakt.

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