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Laut lachen, weil jetzt Ostern ist

vergessene Tradition Laut lachen, weil jetzt Ostern ist

Was wird an Ostern überhaupt gefeiert und warum ist es das wichtigste Fest der Christen? Prädikant Thomas Wöhl erklärt das Osterfest – und warum die Kirchenbesucher am Ostersonntag auch mal laut lachen sollten.

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Der kann lachen! Prädikant Thomas Wöhl verbreitet ansteckende Fröhlichkeit, gerade in diesen Tagen: „Ostern bedeutet Erlösung – und Lachen befreit“, sagt er.

Quelle: Tobias Hirsch

Hertingshausen. Es darf gelacht werden. Auch, oder sogar vor allem in der Kirche.

Der Ostersonntag ist gekommen und mit ihm beginnt die österliche Freudenzeit, die fünfzig Tage bis einschließlich Pfingsten dauert.

An diesem christlichen Fest wird die Botschaft übermittelt, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, den Tod besiegt hat, nachdem er am Karfreitag, dem höchsten christlichen Feiertag, ans Kreuz genagelt wurde und starb.

Der biblischen Geschichte zufolge zog Jesus fünf Tage vorher in Jerusalem ein und feierte am Gründonnerstag mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. Am dritten Tag nach seiner Kreuzigung, am Ostersonntag, so heißt es in der Bibel, stand er von den Toten wieder auf. Mit seinem ansteckenden Humor erklärt Prädikant Thomas Wöhl, warum Jesus nach seiner Wiederauferstehung zuerst einer Frau erschienen sei: „Er wollte, dass die Botschaft schneller verbreitet wird.“
Seit vier Jahren vertritt der ehemalige Lehrer ehrenamtlich in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg evangelische Pfarrer, predigt und unterrichtet Konfirmanden. Biblische Geschichten erzählt er dabei öfters auf humorvolle Art. Das kommt bei den Gottesdienstbesuchern unterschiedlich an. „Jugendliche sind dafür generell offener, es hängt aber auch von den unterschiedlichen Gemeinden ab“, berichtet der 54-Jährige von seinen Erfahrungen. „Einmal hat nicht einer gelacht, ich war sehr frustriert“, erinnert sich Wöhl.

Doch der gutgelaunte Prädikant lässt sich seinen Humor nicht nehmen, denn häufig genug kommen seine Anekdoten gut an, wie etwa während eines Tischgebets, das er in einem Kloster sprach: Ein Missionar war in der Wüste unterwegs und wurde von Löwen verfolgt. Weil er sich nirgendshin retten konnte, sank er auf die Knie und betete: „Herr, mach, dass aus den Löwen gute Christen werden.“ Als er die Augen öffnete, hatten sich die Löwen um ihn versammelt, falteten die Tatzen und beteten: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast...“
Die Gemeinde zum Lachen zu bringen, hatte vor allem an Ostern bis in das 19. Jahrhundert hinein Tradition. Schon in den Kirchen des Mittelalters breitete sich eine ansteckende Fröhlichkeit aus, wenn die Prediger auf der Kanzel lustige Geschichten erzählten. „Es soll brüllendes Gelächter gegeben haben“, berichtet Wöhl, der zu dem Thema einige Bücher gelesen hat.

Heute ist dieser alte Brauch fast vergessen, was Wöhl bedauert, denn: „Ostern bedeutet Erlösung – und Lachen befreit.“ Außerdem sei die Überwindung des Todes doch eine positive Nachricht, über die sich die Christen freuen könnten, vor allem „weil eigentlich jeder Angst vor dem Tod hat“. Der Prädikant versteht Lachen als ein Mittel, um die Angst vor dem Unabwendbaren und Bedrohlichen zu überwinden. Persönlich möchte er an Ostern Mut machen, „dass alles ganz anders werden kann“. Er weiß aus Erfahrung, dass die Menschen in den Gottesdienst häufig das mitbringen, was sie belastet. „An Ostern ist der Fokus darauf gerichtet, dass all dies Belastende nicht so bleiben muss.“

Das erste Mal, dass ein Pfarrer die Gemeinde zum Lachen brachte, erlebte Wöhl als 20-jähriger Student während eines Ostergottesdienstes in Hamburg. „Das war absolut befreiend, Kirche hat ja oft etwas Stickiges an sich.“ Doch Wöhl weiß, dass die meisten Christen Kirche mit Ernsthaftigkeit verbinden. Martin Luther lehnte diesen Brauch als närrisch lächerliches Geschwätz ab und der Basler Pfarrer und Reformator Johannes Ökolampad kritisierte die Oster-Prediger. Doch Wöhl ist davon überzeugt, dass Lachen hilft, den Glauben ernster zu nehmen: „Ein Glaube, der keinen Humor kennt, führt dazu, dass wir zu den elendsten aller Menschen werden, die nicht begreifen, wie das geht, richtig zu glauben.“

Auch für diese Einstellung hat Wöhl einen passenden Witz parat: Ein Ehemann, der gerade das Grab seiner verstorbenen Frau pflegt, sagt vor sich hin: „Es wäre so schön, wenn du auch hier wärst.“ In diesem Moment schiebt ein Maulwurf Erde nach oben. Der Mann stellt schnell den Fuß darauf und sagt: „Man wird doch nochmal einen Scherz machen dürfen!“

von Simone Schwalm

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