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Latein in allen Lebenslagen

Lateinwoche in Amöneburg Latein in allen Lebenslagen

Das altehrwürdige Johanneshaus, malerisch gelegen in Amöneburg, bietet die perfekte Umgebung für die Liebhaber der lateinischen Sprache. Hier treffen sie sich einmal im Jahr, um ihrer Leidenschaft nachzugehen.

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Talita Höhl spielt zusammen mit ihrer kleinen Schwester Selina das römische Spiel „Ludus duodecim scriptorum“, die Urform des heutigen Backgammon.

Quelle: Dennis Siepmann

Amöneburg. Amöneburg. „Latein ist nicht tot“ - laut und fast anklagend klingt die Stimme von Selina Höhl. In den vergangenen Tagen hat die Elfjährige viel über die Sprache der großen römischen Feldherren gelernt. Sie kann Zahlen, Farben und verschieden Kleidungstücke problemlos beim Namen nennen. Selina hat sichtlich Spaß, wenn sie über die vielen spielerischen Angebote während der Amöneburger Lateinwoche spricht.

Ihre Freude ist gleichfalls ein Erfolg für den Organisator des jährlichen Treffens, Thomas Gölzhäuser. der sagt: „Ich liebe die Schönheit dieser Sprache, die sich in so vielen Werken widerspiegelt“.

Faszinierender Einblick in die antike Welt der Römer

Außerdem vermittle Latein einen faszinierenden Einblick in die Welt der römischen und griechischen Antike. so Gölzhäuser und weiter: „Die Sprache ist uns da eben immer noch näher, als sich irgendwelche alten Steine anzuschauen“.

Der Lateinlehrer findet es schade, dass viele seiner Fachkollegen Sprache nicht als das verwenden, was sie ist: ein Ausdrucksmittel, um sich mit anderen Menschen zu unterhalten. „Aus diesem Grund legen wir großen Wert auf das gesprochene Wort“, sagt Gölzhäuser.

So schallen dieser Tage zumeist lateinische Vokabeln durch das Johanneshaus in Amöneburg. Bei fast allen Freizeitaktivitäten und auch beim Essen sprechen die knapp 50 Teilnehmer in lateinischer Sprache miteinander. „Unsere Gäste kommen von überall her. In diesem Jahr haben wir sogar einen Besucher aus Jerusalem“, sagt Gölzhäuser, der als Lehrer an der St.-Lioba-Schule in Bad Nauheim tätig ist. Bleibt die Frage, wie die Sprachliebhaber ihre Unterhaltung auch über aktuelle Themen führen können? Zur Weiterentwicklung der lateinischen Sprache gibt es genaue wissenschaftliche Standards, sagt Gölzhäuser. So könnten moderne Ausdrücke wie Mobiltelefon oder Computer in speziellen Wörterbüchern nachgelesen werden. „Natürlich ist auch immer ein wenig Kreativität bei den Umschreibungen gefragt“, ergänzt Gölzhäuser. „Ich verstehe alles - zumindest alles was ich brauche“, sagt Selina Höhl selbstbewusst. Mit ihrem Vater Norbert und ihren beiden älteren Schwestern Ronja und Talita genießt sie an diesem Tag die Sonne auf dem Vorplatz des Johanneshauses. Auf dem Programm stehen heute „römische Spiele“.

Ausflug nach Waldgirmes war Höhepunkt der Woche

Die Erkläuterung der Spielregeln erfolgt dazu - wie sollte es anders sein - auf Lateinisch. Aufmerksam hört nicht nur die Familie Höhl zu, sondern auch die übrigen Teilnehmer: ein bunter Mix aus Studenten, Professoren, Lehrern, Schülern und Interessierten. Sie alle verbindet die Liebe zur lateinischen Sprache. Ein bemerkenswerter Höhepunkt während dieser Woche war der Ausflug nach Waldgirmes. Dort besichtigten die Teilnehmer eine bisher einzigartigen Entdeckung: eine römische Stadt auf germanischem Gebiet um Christi Geburt. Vor Ort erklärten Archäologen den Interessierten ihr Vorgehen bei den Ausgrabungsarbeiten und die historischen Hintergründe zu den einzelnen Fundstücken.

„Nächstes Jahr will ich auf jeden Fall wieder kommen“, sagt Selina. Vater Norbert nickt und sagt mit einem Lächeln: „Ich habe Selina und ihren Schwestern die Wahl gelassen - alle sind aber freiwillig mitgekommen. Jetzt müssen wir nur noch meine Frau für das nächste Jahr gewinnen.“

von Dennis Siepmann

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