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Kultmusical hinterlässt tiefe Eindrücke

325 Jahre Schwabendorf Kultmusical hinterlässt tiefe Eindrücke

Rund 600 Besucher erlebten in Schwabendorf mit dem Musical „Der Graf und die Hugenotten“ einen perfekten Sommerabend mit ernsten Untertönen.

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Die Neuankömmlinge und die „Welschen“ treffen aufeinander. Kleine Bilder: Feuertänzer sorgten für spektakuläre Effekte, die rund 600 Zuschauer miterlebten.Fotos: Martina Koelschtzky

Schwabendorf. Das in der Region mittlerweile zur Kult-Veranstaltung aufgestiegene Musical, das auf historischen Quellen aus dem Raum Greifenstein aus dem 17. Jahrhundert beruht, konnte der Schwabendorfer Festausschuss über eine Mitwirkende aus dem Nachbardorf gewinnen. Christiane Franz aus Albshausen und ihre Tochter, die auf der Bühne mitwirken, hätten das Ensemble überzeugt, eine „kleine“ Version für Schwabendorf einzustudieren, berichtete Helga Pfanzler vom Festausschuss. „Die ganz große Show mit Pferden und Kutschen auf der Bühne hätten wir hier nicht unterbringen können“, bedauerte die Schwabendorferin, die wie viele Aktive aus dem Ort in Hugenotten-Tracht für das besondere Ambiente des Abends sorgte.

Aber auch die „kleine“ Version mit 50 Schauspielern, Feuertänzern und viel Technik, begeisterte das Publikum restlos. Minutenlange stehende Ovationen leiteten nachts gegen 23 Uhr zum gemeinsamen Ausklang mit Akteuren und Einwohnern über.

Auch das Wetter war in Feststimmung und erfreute die Besucher im romantischen Umfeld zwischen Kirche und Alter Schule mit einer lauen Sommernacht, die der Posaunenchor Schwabendorf einleitete.

Das Musical von Hanno Herzler (Text), Siegfried Fietz (Musik) und Ernst Engelbert (Regie) stellt die Ankunft der in Frankreich von Ludwig dem Vierzehnten wegen ihres reformierten Glaubens massiv verfolgten Hugenotten in Mittelhessen dar. Wie viele Adlige hatte Graf Wilhelm Moritz von Greifenstein, späterer Herr des Schlosses Braunfels, die Hugenotten zur Umsiedlung nach Hessen eingeladen, um seine durch den Dreißigjährigen Krieg ausgedünnte Bauern- und Handwerkerschaft aufzufüllen.

Die Integration der durch den Krieg nicht gerade beliebten „Welschen“ wird zunächst durch die Trennungspolitik des Adels erschwert, Umsiedlungen der Einheimischen und Konkurrenz um Land und Saatgut führen zu Konflikten.

Im Mittelpunkt der wahren Geschichte steht die Liebe der Daubhäuser Gastwirtstochter Marie zum französischen Lehrer Jean - die Ehe ist im Daubhäuser Kirchbuch nur ein Jahr nach Ankunft der Hugenotten belegt. Überzeugend in der Darstellung und mit spektakulären Einlagen von Feuertänzern, Stelzenläufern oder gekonnten Tanzszenen bringt das Ensemble die Geschichte einer gelungenen Integration auf die Bühne. Die Verweise auf das aktuelle Integrationsgeschehen in Deutschland sind unübersehbar, im Text wie in szenischen Verfremdungen, wo ein Dorftanz unversehens zur Techno-Disco mutiert oder politische Interessen als Hindernis der menschlichen Gemeinsamkeit angeprangert werden.

Doch am Ende wird alles gut, Marie darf ihren Jean heiraten, und Schwabendorf sich über einen überaus gelungenen Auftakt zu seiner 325-Jahr-Feier freuen. Dazu hat nicht zuletzt die Feuerwehr beigetragen, die nicht nur für den reibungslosen Ablauf sorgte, sondern auch den Gästen fürsorglich auf den Parkplatz und zurück zur Bundesstraße heimleuchtete.

Damit ist der Auftakt zur 325-Jahr-Feier in Schwabendorf voll und ganz gelungen. Am Mittwoch beginnt die eigentliche Festwoche.

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