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Ostkreis Krippen-Liebhaber seit der Kindheit
Landkreis Ostkreis Krippen-Liebhaber seit der Kindheit
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00:15 26.12.2013
Stolz präsentiert Harald Weitzel seine Lieblingskrippe, die ein Waisenkind aus West-Uganda gebasteltet hat. Quelle: Florian Lerchbacher
Stadtallendorf

Es gibt eigentlich keine Krippenausstellung, an der sich Harald Weitzel nicht beteiligt. Das liegt zum einen daran, dass der Stadtallendorfer schlicht tolle Exponate zu bieten hat, und zum anderen daran, dass er ein freigiebiger Mann ist, der seinen Mitmenschen gerne eine Freude macht und sie teilhaben lässt. Vor seinem Haus gestaltet er beispielsweise zu bestimmten Anlässen eine kleine Grünfläche mit selbst gebauten Holzfiguren - an Weihnachten mit einer Krippe oder an Ostern mit einem beleuchteten, überdimensionalen Ei.

Seine Mitmenschen freuen sich über Weitzels Engagement. Zahlreiche Dankesbriefe von Kindern hat der 59-Jährige gesammelt: „Wenn es die Leute nicht gut fänden, dann würde ich das auch nicht machen.“ Die eigene Krippenausstellung im Jugendheim hat er zum Beispiel aufgegeben - weil die Mitglieder eines Vereines seine Exponate ohne Rücksprache zu halten wegräumten. Dies sei respektlos gewesen, daher habe er seine Initiative eingestellt, erklärt er.

Dafür unterstützt er inzwischen Ausstellungen im ganzen Ostkreis mit einer Auswahl seiner fast 60 Krippen - und das sogar mit seinem Lieblingsstück: Michael Müglich brachte ihm vor drei Jahren am Ende eines sozialen Jahres in Afrika eine Krippe mit, die ein junges Mädchen aus Schilf und Draht gebaut hatte. „Ihre Eltern sind tot. Um etwas Geld zu verdienen, baut sie Krippen“, berichtet Weitzel, dem die Geschichte auch heute noch zu Herzen geht.

Die Krippe aus Uganda steht auf einer Holzscheibe aus dem Stadtallendorfer Wald - was typisch für Weitzels Sammlung ist. Nahezu jedem Stück verpasst er eine persönliche Note: Die von einem Kriegskollegen seines Schwiegervaters gestalteten Figuren stehen beispielsweise um einen Stall herum, der aus einem Stück Wurzel besteht. Ein anderes Mal haben die Figuren in einem alten Bienennest Unterschlupf gefunden. Eine aus Peru stammende Jesus-Familie samt Ochs und Esel stehen wiederum in einem zerschlagenen Topf: „Die Figuren sind aus Ton - da passte kein Holz“, erklärt Weitzel und freut sich über eine Globus-Krippe, die zeigen solle, dass Bethlehem überall sei. Eine Besonderheit ist die wahrscheinlich kleinste Krippe der Welt, die mit Laser in einen Kirschkern gebrannt wurde und nur durch eine Lupe zu erkennen ist.

Schon als Messdiener habe er viel Freude gehabt, wenn er in der Kirche St. Katharina die Krippe aufstellte. Und dieses freudige Gefühl komme auch heute immer auf - stets in der Vorweihnachtszeit, denn den Rest des Jahres über liegen die Krippen sorgfältig verpackt in Kartons: „Das ganze Jahr über will ich sie nämlich nicht sehen.“

von Florian Lerchbacher

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