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„Kreativität, Engagement und Liebe zur Heimat“

Michael Vaupel (Grüne) im OP-Interview „Kreativität, Engagement und Liebe zur Heimat“

OP: Wegen der schwierigen finanziellen Situation hat der Bürgermeister in Rauschenberg nur einen begrenzten Gestaltungsspielraum. Was reizt Sie an dem Amt?

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Quelle: Thorsten Richter

Rauschenberg. Michael Vaupel: Genau das. Es ist relativ einfach, Politik mit vollen Kassen zu machen. Politik mit leeren Kassen zu gestalten ist schwieriger: Da gehören Kreativität, Engagement und Liebe zu seiner Heimatstadt dazu. Das ist genau, was ich habe. Ich habe genug Ideen und Kreativität, um in Rauschenberg Dinge umzusetzen, die nicht viel Geld kosten und von denen ich mir zwei Dinge erhoffe: Dass mittelfristig wieder Geld in die Stadtkasse kommt und dass unsere Bürger wieder von Rauschenberg sagen: Hier lebe ich gern.

OP: Gibt es noch Geld für Investitionen? Wenn ja, wofür würden sie es am ehesten ausgeben? Vaupel: Geld für Investitionen wird es immer geben müssen, weil die Stadt auch künftig Pflichtaufgaben zu erfüllen hat. Bei den freiwilligen Leistungen sieht es schwieriger aus; da hat uns die Kommunalaufsicht die Daumenschrauben bereits angelegt. Aber auch hier müssen Investitionen möglich sein, aber nur dann, wenn aus diesen zumindest mittelfristig Einsparungen oder sogar Einnahmen für die Stadt erwachsen.

„Ich kann umsichtig politisch agieren“

OP: Was haben Sie als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker für Rauschenberg erreicht? Vaupel: In der Kommunalpolitik sollte sich niemand damit schmücken, alleine für etwas verantwortlich gewesen zu sein! Ich habe an vielen Beschlüssen mitgewirkt, aber es sind immer Mehrheitsentscheidungen im Magistrat oder im Stadtparlament.

Es gibt eine ganze Reihe von positiven Entwicklungen in der Stadt, die nicht unbedingt mir allein zu verdanken sind, sondern von ehrenamtlichen Kommunalpolitikern, die wie ich ein grünes Parteibuch haben, angestoßen wurden. Ich denke an die hauptamtliche Stadtjugendpflege, die Seniorenarbeit mit einer Sozialstation in Rauschenberg, die wir schon früh gefordert haben, weil der demografische Wandel für uns schon früh erkennbar war und an den Ausbau der regenerativen Energien, für die wir schon vor 30 Jahren geworben haben. Heute verdienen diejenigen ihr Geld damit, die uns damals als große Spinner bezeichnet haben.

Tourismus ist für mich in Rauschenberg schon immer ein Thema gewesen. Das ist in den vergangenen Jahren etwas stiefmütterlich behandelt worden. Ich bin aber sicher, dass sich der Tourismus positiv entwickeln lässt.

OP: Welches Ziel möchten Sie als hauptamtlicher Bürgermeister unbedingt verwirklichen? Vaupel: Die Rauschenberger sollen wieder sagen können: Ich wohne gerne in Rauschenberg, weil Rauschenberg eine lebens- und liebenswerte Stadt ist. Das hat für mich oberste Priorität. Das setzt zwei Dinge voraus: Zum einem muss das Image der Stadt deutlich verbessert werden, zum anderen muss die Politik die finanzielle Situation der Stadt in den Griff bekommen, indem wir neue Einnahmen generieren - das kann über den Tourismus genauso geschehen, wie über regenerative Energien.

OP: Was wird mit Ihnen definitiv nicht zu machen sein? Vaupel: Die Schließung des Schwimmbades und die Aufgabe der hauptamtlichen Jugendarbeit. Das Schwimmbad und die offene Jugendarbeit der Stadt sind wichtige Bausteine, die die Attraktivität Rauschenbergs ausmachen. Davon werden wir uns mit meiner Zustimmung nicht trennen.

OP: Als erklärter Gegner der Kratz‘schen Scheune haben Sie schon im ersten Wahlgang in der Kernstadt eine klare absolute Mehrheit erreicht. Haben die Wähler diesem Gemeinschaftshaus-Projekt für die Kernstadt die Rote Karte gezeigt? Vaupel: Gemeinschaftshäuser sind sicherlich wünschenswert. Sie sind aber in der jetzigen finanziellen Situation für Rauschenberg nicht zu schultern. Diejenigen, die sich intensiv damit beschäftigt haben - ich vermute, es sind hauptsächlich die Kernstädter - werden dies erkannt haben. Deshalb sind viele Rauschenberger der Meinung: Michael Vaupel ja, Kratz‘sche Scheune nein. Aber auch ein Bürgermeister Michael Vaupel wird mit aller Kraft dafür Sorge zu tragen haben, dass der sehr enge Zeitplan zur Fertigstellung eingehalten werden kann.

OP: Aus Ihrer Sicht: Was qualifiziert Sie besonders für das Bürgermeisteramt? Vaupel: Ich habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass ich umsichtig politisch agieren und gut auf den so genannten politischen Gegner zugehen kann - auch weil ich kein Parteipolitiker im eigentlichen Sinne bin. Ich glaube, dass ich eine Persönlichkeit bin, mit der man sehr gut auskommen kann. Das ist eine Qualifikation, die man als Bürgermeister braucht.

Gleichzeitig habe ich als Schulleiter gezeigt, dass ich auch Führungsqualitäten besitze. Das haben die Menschen zumindest in der Kernstadt gesehen und im ersten Wahlgang auch honoriert. Schaut man nur auf das Wahlergebnis, bin ich in den Stadtteilen mit meiner Persönlichkeit noch nicht so durchgedrungen. Aber da arbeite ich dran.

OP: Was haben Sie Ihrem Mitbewerber Michael Emmerich voraus? Vaupel: Das ist schwer zu beschreiben, und so will ich mich auf zwei Punkte beschränken. Als Rauschenberger, der seit 27 Jahren hier Kommunalpolitik macht, kenne ich das Geschehen in der Stadt und den Stadtteilen sehr genau. Was ich Michael Emmerich zudem voraus habe ist die Tatsache, dass ich eben nicht der Verwaltungsfachmann bin, wie er es zweifelsfrei ist, aber trotzdem als Schulleiter genug mit Verwaltung zu tun habe, um auch in der Kommunalverwaltung bestehen zu können.

Warum ist das ein Vorteil? Ich glaube, dass es der Stadt gut tut, auch einmal aus einer anderen Sicht Kommunalpolitik verantwortlich zu gestalten, als aus der eines Verwaltungsfachmanns. Das kann ich als Schulleiter, der es täglich mit vielen sehr verschiedenen Menschen und Problemen zu tun hat, besser als Michael Emmerich.

OP: Wenn Sie drei Wünsche für sich und die Stadt Rauschenberg frei hätten, dann wären dies. . . Vaupel: . . . dass ich die Chance bekomme, mich mit meinen Ideen und meiner Arbeitskraft auch hauptamtlich

für Rauschenberg einsetzen zu dürfen, dass ich gemeinsam mit den Rauschenberge rinnen und Rauschenbergern unsere Stadt wieder interessant und anziehend machen kann.dass ich dafür eine bessere finanzielle Situation der Stadt vorfinden würde - aber dieser Wunsch bleibt wohl unerfüllt…

von Matthias Mayer

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