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Ostkreis Kornblumenhonig macht das Rennen
Landkreis Ostkreis Kornblumenhonig macht das Rennen
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17:16 01.05.2017
Grau ist alle Theorie: Imkermeister Uwe Hubbe zeigte die Arbeit der Bienen an lebenden Objekten aus einem geöffneten Bienenstock. Mutige durften den Honig direkt aus der Wabe schlecken. Fotos: Karin Waldhüter
Kirchhain

Dass Bienen Haarspray oder schlechte Gerüche gar nicht mögen, Imker sein ein echter Knochenjob ist, eine Bienenkönigin fliegen, aber nicht stechen kann, die heutigen Bienen viel weniger angriffslustig als noch vor 30 Jahren sind und es landwirtschaftliche Geräte gibt, die Pflanzenschutzmittel unterhalb der Blüte ausbringen, um so Bienenvölker zu schützen, all das und noch viel, viel mehr konnte man beim Besuchertag erfahren.

Das Bieneninstitut hat eine lange Tradition und wurde bereits 1928 durch den preußischen Wirtschaftsminister als Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht bei dem Zoologischen Institut der Universität Marburg gegründet. Seit 1966 gibt es das Bieneninstitut am heutigen Standort in Kirchhain in der Trägerschaft des Landes Hessen.

Mit rund tausend Besuchern rechnet das Institut an diesem Tag, und bereits kurz nach Mittag herrscht Hochbetrieb auf dem Gelände; die verschiedenen Vorträge im Obergeschoss sind sehr gut besucht.

Varroamilbe bleibt eine große Gefahr

Wie haben Hessens Bienenvölker den Winter überstanden? „Regional sehr unterschiedlich“, so die Antwort der stellvertretenden Institutsleiterin, Dr. Marina Meixner. Insgesamt bewertet sie die Verluste in diesem Jahr etwas höher als im vergangenen Jahr, bezeichnet sie aber als nicht dramatisch. Im vergangenen Jahr hatten rund 10 bis 12 Prozent der Bienenvölker die kalte Jahreszeit nicht überlebt.

Schuld an den Verlusten ist die für die Insekten schädliche Varroamilbe, ein weltweit gefährlicher Parasit, wie Institutsleiter Dr. Ralph Büchler verdeutlicht. In Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen stellt die Forschung zur Varroa-Bekämpfung einen wichtigen Aufgabenbereich dar. Weiter widmen sich die Institutsmitarbeiter der Erforschung von Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Bienenvölker.

Ein dritter Forschungsbereich befasst sich mit einem Thema, das sowohl für die Landwirtschaft als auch für Bienen wichtig ist. „Landwirte bauen oft Pflanzen zur Energiegewinnung an, die nicht besonders interessant für Bienen sind“, erklärt Büchler. Gemeinsam mit der Universität Gießen gelte es, Hirsearten zu entwickeln, die sowohl für die Landwirtschaft als auch für Bienen interessant seien. Nach Jahren des Rückgangs steigt seit einiger Zeit die Zahl der hessischen Bienenvölker und Imker wieder. „Hessenweit gibt es fast 10000 Imker mit knapp 60000 Bienenvölkern“, beziffert Büchler. Wie wirken sich der viel zu warme März und die frostreichen April-Nächte auf die Blüte und die Bienenvölker aus? „Die Temperaturen sind ein Rückschlag, aber nicht gleich eine Katastrophe“, so Büchler. Während des extrem warmen März hätten die Bienen fleißig begonnen, Pollen und Nektar zu sammeln. Bei Temperaturen unter zehn Grad haben die Bienen den Flugbetrieb eingestellt. Da die gesamte Fläche im Bienenstock durch die Insekten bei über 35 Grad gehalten werden müsse, benötigten die Bienen viel Energie aus dem bereits Gesammelten. Sobald es wieder wärmer werde, könnten die Bienen ihre Vorräte ergänzen.

Anders sehe es bei den erfrorenen Blüten aus. „Die sind nicht zu reparieren“, bedauert Büchler.

Neben einem breiten Analyseangebot bietet das Institut für Imkerberater, Bienensachverständige, Veterinärämter, Vereinsvorsitzende und verschiedene Gruppen Fortbildungsseminare. Im Jahr nutzen rund 600 bis 700 Kursteilnehmer die verschiedenen Kursangebote.

Zum Besuchertag gab es Fachvorträge zu den Themen „Imker und Landwirte in Partnerschaft“ (Dr. Stefan Brand), „Schutz und Erhalt der Honigbienenvielfalt in Europa“ (Dr. Marina Meixner), „Naturnahe Verroabehandlung“ (Christian Dreher), „Neue Trachtmöglichkeiten aus nachwachsenden Rohstoffen“ (Dr. Reinhold Siede), „Was tun im Fall von Spritzmittelschäden“ (Dr. Annely Brandt).

Die Öffnung eines Bienenstocks durch Imkermeister Uwe Hubbe war für die Besucher sicherlich ein weiterer Höhepunkt. An einer langen Tafel waren 13 Honigsorten zum Probieren aufgestellt. Dabei entpuppte sich der Kornblumenhonig als Lieblingssorte der Besucher, wie Mitarbeiterin Karin Petzold-Treibert verriet.

Eine besondere Auszeichnung wurde Dr. Ralph Büchler durch Werner Gemmecker, Vorsitzender des Imkervereins Kirchhain, zuteil. Im Namen des Deutschen Imkerbundes überreichte er dem langjährigen Vereinsmitglied die silberne Ehrennadel.

von Karin Waldhüter