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Ostkreis Polizei fasst mehr "berauschte Fahrer"
Landkreis Ostkreis Polizei fasst mehr "berauschte Fahrer"
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19:00 08.12.2018
Wer sich im Auto einen Joint anzündet, wie auf diesem gestellten Symbolbild, und dann losfährt, muss mit scharfen Konsequenzen rechnen. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Mal erwischte die Polizei einen E-Bike-Fahrer, der den Drogenkonsum gleich vor Ort zugab. Mal war es ein Autofahrer, der der Polizei innerhalb weniger Monate zum wiederholten Male „ins Netz ging“. Gefühlt war die Polizei im Ostkreis in diesem Jahr besonders erfolgreich im Kampf gegen das Fahren unter Drogeneinfluss. Polizeisprecher Martin Ahlich schrieb in einer Meldung in diesem Herbst schon mal den Satz „Und täglich grüßt das Murmeltier“, als er wieder einmal einen Kontrollerfolg vermeldete.

Amtliche Zahlen für das laufende Jahr gibt es noch nicht. Die OP veröffentlichte allein für Stadtallendorf Polizeiberichte über 30 aus dem Verkehr gezogene Autofahrer. Bei ihnen fiel der Drogenvortest positiv aus.

Polizeisprecher bestätigt "signifikante Steigerung"

Jüngster Fall: Am vergangenen Dienstag erwischte es einen 29-Jährigen. Bei einer Kontrolle entdeckten die Beamten „diverse Auffälligkeiten“, wie Ahlich mitteilt. Der Vortest fiel positiv aus. Dieser Vortest, der beispielsweise eine Speichel- oder eine Urinprobe sein kann, ist vor Gericht aber nicht beweiskräftig. Was zählt, sind die Ergebnisse einer Blutuntersuchung, die unweigerlich bei einem positiven Vortest folgt.

In Kirchhain waren es in den zurückliegenden 11 Monaten 7 Autofahrer, in Wohratal und Neustadt je einer. Im gesamten Landkreis gab es im vergangenen Jahr laut Polizeisprecher Jürgen Schlick 84 Fälle von „folgenlosen Fahrten unter Drogeneinfluss“.

Schlick spricht für das laufende Jahr von einer „signifikanten Steigerung“ im Ostkreis. Dass die Zunahmen in Stadtallendorf dabei besonders deutlich ausfallen, will die Polizei derzeit so nicht bestätigen. „Die festgestellten Zuwiderhandlungen im Ostkreis liegen nur marginal über dem Wert der Verstöße, beispielsweise im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Marburg“, so Sprecher Schlick.

Nicht selten riecht es nach Marihuana

Doch wie kommt es zu der Zunahme? Wie diese Zeitung im Sommer berichtete, wurden die Kontrollen offenbar intensiviert. Es gebe bei der Polizei speziell geschulte Beamte, die bei Kontrollen noch genauer hinsähen, erklärt Schlick dazu.

Woran Polizeibeamte sehr schnell erkennen, ob ein Autofahrer unter dem Einfluss von Drogen oder anderen berauschenden Mitteln steht, will Schlick nicht verraten. Allein schon aus „ermittlungstaktischen Gründen“, sprich, „um kein Handbuch dafür zu liefern, wie sich Drogenfahrer verstellen könnten“. Aber: „Nicht selten kommt es vor, dass den Beamten beim Öffnen der Fahrertür bereits der bekannte Duft von Marihuana entgegenweht“, sagt Schlick.

Die Polizei belässt es nicht bei Kontrollen und Anzeige: Bei den Workshops, die die Polizei unter anderem an Schulen immer wieder anbietet, spiele neben dem Thema Alkohol am Steuer auch das Fahren unter Drogeneinfluss eine Rolle, erläutert Jürgen Schlick.

Die rechtlichen Folgen

Wer unter Drogeneinfluss oder unter dem „Einfluss berauschender Mittel“ mit dem Auto unterwegs ist, begeht entweder eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat. Das hängt auch entscheidend davon ab, ob der erwischte Autofahrer Unsicherheiten beim Fahren gezeigt oder gar einen Unfall verursacht hat. Das erläutert Staatsanwalt Nicolai Wolf. Er ist Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg.

Während es beim Fahren unter Alkohol fixe Grenzwerte beim Blutalkoholgehalt gibt, gibt es das beim Drogenkonsum jedoch nicht. Wird das Fahren unter Drogeneinfluss als Ordnungswidrigkeit gesehen, so ist die Bußgeldstelle zuständig. Es drohen ein Bußgeld von 500 Euro und ein Fahrverbot von mindestens einem Monat, wie Polizeisprecher Jürgen Schlick und Staatsanwalt Wolf erklären. Hat die Fahrt unter Drogen Folgen, gelten die Paragraphen 315c oder 316 des Strafgesetzbuches. Paragraph 315c greift bei einem Unfall mit Folgen. 

Das gilt auch, wenn der berauschte Autofahrer einen Fahrfehler begeht oder gar andere Verkehrsteilnehmer durch sein Verhalten gefährdet. „Das ist dann eine andere Liga, dort sprechen wir dann klar von einer Straftat mit allen Konsequenzen“, sagt Wolf. In Betracht kommen dann Geld- wie ebenso Haftstrafen. Das hängt auch davon ab, ob der Straftäter erstmals auffällig geworden ist. Wiederholungstäter können im Extremfall neben einer Haftstrafe auch ein Leben lang ihre Fahrerlaubnis verlieren.

Das Minimum beim Entzug der Fahrerlaubnis beträgt sechs Monate, wie Wolf gegenüber der OP erklärt. Das gilt übrigens ebenfalls bei Ersttätern, wie Staatsanwalt Nicolai Wolf erläutert.