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Ostkreis Kommission rät zur Beteiligung
Landkreis Ostkreis Kommission rät zur Beteiligung
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19:16 29.10.2010
Geht es nach dem Vorschlag der Stromkommission, betreibt die Stadt ab 2012 mit den Stadtwerken das Stromnetz. Quelle: OP

Amöneburg. Das Geld in den Kassen ist knapp, dennoch hat Amöneburgs Stromnetzkommission, bestehend aus Mitgliedern des Magistrats, der Fraktionen und fachkundigen Bürgern, mit deutlicher Mehrheit ein klares Urteil gefällt: Die Stadt soll sich nach dem Auslaufen des Konzessionsvertrages am 31. Dezember 2011 am Stromnetzbetrieb beteiligen und mit den Stadtwerken Marburg zusammenarbeiten.

„Langfristige Erlöse und Ausschüttungen“ bei überschaubarem Risiko, verspricht sich die Kommission von diesem Schritt: Die Konzessionsabgabe von rund 135.000 Euro wäre weiterhin als dauerhafte Einnahme sicher, erklärt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg. Hinzu kämen in der ersten Dekade – bei Fremdfinanzierung des Stromnetzkaufs von e.on – eine Ausschüttung an den Haushalt in Höhe von 44.000 Euro.

Auf zunächst 3,6 Millionen Euro und später gar auf 3,95 Millionen Euro hatte e.on den Wert des Amöneburger Stromnetzes geschätzt. Ein Wirtschaftsprüfer sei indes nur „auf einen Bruchteil“ dessen gekommen, betont Richter-Plettenberg. Nach 20 Jahren Konzessionsvertrag mit e.on rät die Kommission nun also zum Wechsel zu den Stadtwerken.

Der Konzern habe „faktisch kein Angebot über eine kommunale Beteiligung am Stromnetzbetrieb gemacht“, heißt es im Bericht. Das Angebot der OVAG aus Friedberg sei „eher vage“ gewesen, was den Schluss nahe gelegt habe, dass der Konzern kein ernsthaftes Interesse am Stromnetzbetrieb in Amöneburg habe.

Das Angebot der Marburger Stadtwerke in Verbindung mit der neu gegründeten Energie-Marburg-Biedenkopf GmbH indes sei klar und konkret gewesen und vor allem kommunalfreundlich. Zudem zeige es deutliche Vorteile bei der Regelung der Folgekosten und der Laufzeit.

Noch dazu sei die Preisstruktur besser als von e.on gewesen. „Aber auch energiepolitische Fragen haben eine entscheidende Rolle gespielt“, gibt Richter-Plettenberg mit Verweis auf die Stromgewinnung der Stadtwerke aus erneuerbaren Ressourcen zu. Die Stadtverordneten müssen nun entscheiden, ob sie den vorgeschlagenen Weg beschreiten wollen.

Dann stehen die Verhandlungen über den Kauf des Stromnetzes an. Und erst danach entscheiden die Vertreter der Bürger, in welchem Umfang die Stadt das Netz erwerben soll beziehungsweise inwieweit sie dem zukünftigen Netzbetreiber den Ankauf überlässt.

„Erst wenn uns das Angebot gefällt, schlagen wir zu“, sagt Richter-Plettenberg und ergänzt, das Risiko liege also beim neuen Netzbetreiber. Bis zu diesem Beschluss behalten sich die Stadtverordneten noch dazu ein Widerrufsrecht für den Fall vor, dass sich ein für die Stadt Amöneburg noch besseres Beteiligungsmodell in Kooperation mit anderen Kommunen ergibt.

„Wir haben ergebnisoffen diskutiert“, betont der Bürgermeister, spricht den Kommissionsmitgliedern ein Lob für ihr großes Engagement aus und hofft nun, dass die Stadtverordneten dem Vorschlag folgen – für „Feinjustierungen“ sei der Magistrat offen. Die nächste Sitzung findet am 9. November statt.

von Florian Lerchbacher