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Ostkreis Kommen, gucken, staunen, ärgern
Landkreis Ostkreis Kommen, gucken, staunen, ärgern
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18:52 26.04.2017
Feuerwehr und Jugendfeuerwehr aus Sindersfeld bewirteten die Besucher am Windrad eins. Dort gab es auch umfangreiche Infor­mationen rund um das Thema Windkraft. Fotos (3): Klaus Böttcher
Rauschenberg

„Mit so einem Andrang haben wir nicht gerechnet“, sagte Hans-Hermann Zacharias, Bereichsleiter Erneuerbare Energien beim Bauherren Krug Energie. Das zeigte sich schon am Sportplatz in Sindersfeld, von wo aus ein Bus losfuhr. Die Parkplätze reichten bei weitem nicht aus und auch auf der Straße war viel zu wenig Platz für die vielen Pkw. Eine große Menschenmenge wartete auf den Bus, der alle 20 bis 25 Minuten zum Sportplatz kam.

Besucher ärgerten sich über das Verhalten des Busfahrers, der die Leute einstiegen ließ, bis auch kein Stehplatz mehr frei war, um dann mitzuteilen, dass er stehende Personen nicht transportieren dürfe. Die stehenden Fahrgäste mussten alle wieder aussteigen. Einige warteten geduldig auf die nächste Tour, andere nahmen den Fußweg in den Windpark in Kauf und einige Besucher brachen gar den ganzen Besuch ab.

Das Warten oder der Fußmarsch sollten sich lohnen, denn die Menschen konnten fertige Windkraftanlagen und solche im Bau aus nächster Nähe bestaunen. Wer wollte, warf einen Blick in das Innere des Windrades eins. In dem riesigen Betonrund war sehr viel Technik zu bewundern, die von Fachleuten erklärt wurde.

„Man sollte die Anlagen woanders aufbauen“

Erklärungen gab es auch an Schautafeln zu den Windkraftanlagen, deren Funktion, zum Bau oder auch zu Umweltfragen. „Wir wollen der Bevölkerung die Anlagen absichtlich während der Bauphase zeigen, denn wir haben nichts zu verstecken“, sagte Hans-Hermann Zacharias im Gespräch mit der OP. Er zeigte sich erfreut über das große Interesse und lobte die positive Resonanz vonseiten der Bevölkerung, würdigte aber auch die Rückendeckung durch die Stadt Rauschenberg.

Es gab aber auch negative Stimmen von den aus Michelbach angereisten Windkraftgegnern. In der Nähe des Marburger Stadtteils beabsichtigt Krug Energie auf einem Höhenzug den Bau von Windrädern. ­Krimhilde Stippich aus Michelbach: „Man baut die Anlagen auf die Berge, weil die Landwirte nicht mehr bereit sind, Äcker zur Verfügung zu stellen.“ Tatsächlich ist der Stadtwald der einzige genehmigungsfähige Standort in der Gemarkung Rauschenberg, der die vorgeschriebene Mindestwindgeschwindigkeit für Windkraftanlagen aufweist. Krimhilde Stippich wetterte gegen die schwarz-grüne Landesregierung, die damit ihr Konzept verlassen würde. Sie sah die Sonnenenergie als einzige brauchbare Erneuerbare Energie für die Region an.

Ihr Begleiter Baldur Heit meinte: „Mir tut die Natur leid in unserem Naherholungsgebiet, die zerstört wird.“ Das gelte auch für Marburg. „Man sollte die ­Anlagen woanders aufbauen.“

„Ich finde Erneuerbare Energien sehr gut“

Ganz anderer Meinung war ein junges Paar aus Marburg. Sascha Schmidt erklärte: „Ich habe generelles Interesse für die große Technik und für Erneuerbaren Energien.“ Das sah seine Begleiterin Ina Stuhlmann ähnlich: „Ich finde Erneuerbare Energien sehr gut, und dass hier in der Gegend gebaut wird.“ Zu den Beton-Fundamenten für die Windkraftanlagen im Wald sagte Schmidt: „Das ist eine Kleinigkeit, woanders wurden und werden ganze Landstriche weggebaggert für den Braunkohleabbau.“

Bei den Anlagen drei und vier gab es am Sonntag nichts zu sehen. An der Anlage zwei ­dagegen lagen die großen ­Komponenten, die jetzt oben aufgebaut werden. Bei der Anlage fünf hatte man extra für die ­Besucher noch den großen Kran stehen­gelassen, und bei der Anlage eins gab es Informationen und Bewirtung. Bei ­letzterem war wieder einmal die Feuerwehr aktiv. Die Sindersfelder ­Einsatzabteilung wurde nicht müde, Würstchen zu grillen und die Jugendfeuerwehr des Kirchhainer Stadtteils bewirtete die Gäste mit Getränken.

Für die Sicherheit der vielen Besucher sorgte unter anderem Alfons Alkar, der Sicherheits- und Gesundheitsschutz­koordinator, der im Hintergrund arbeitet. Im Notfall wäre er es gewesen, der die Rettungskräfte koordiniert hätte. Sein umfangreiches Arbeitsfeld liegt allerdings hauptsächlich in der Zeit vor dem Baubeginn. So holt er behördliche Genehmigungen ein, nimmt die Verbindung zur Rettungsleitstelle auf, erstellt Rettungspläne, weist alle neuen Arbeitskräfte ein und vieles mehr.

von Klaus Böttcher