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Kleine Feier für eine große Leistung

Auszeichnung Kleine Feier für eine große Leistung

Am Wohnhaus "Blaue Pfütze 8" befindet sich inzwischen die wetterfeste Denkmalschutzplakette des Landkreises.

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Bürgermeister Michael Emmerich (von links), Markus Semmler, Vorsitzender des AK „Leerstand“ Dr. Ulli Stein und Helmut Nau stehen vor dem Haus Katten‘s Hoob. Foto: Heinz-Dieter Henkel

Rauschenberg. Die Besitzer des Hauses, Markus Semmler und Helmut Nau, hatten die, lange Zeit als nicht sanierbar geltende Ruine mitten in der Rauschenberger Altstadt, renoviert und in einen bewohnbaren Zustand gebracht (die OP berichtete). Heute erstrahlt Katten‘s Hoob in neuem Glanz. Es war wie häufig im Leben der Zufall, der Helmut Nau und das aus dem 14. Jahrhundert stammende Wohnhaus zusammenführte. Er half einem Freund beim Ausbau, der den Schuppen des Anwesens in der „Pfütze“ als Unterstellplatz nutzte.

Nau war sofort neugierig. Als gelernter Dachdecker und Zimmermann beeindruckte ihn auf den ersten Blick Qualität und Verarbeitung der Materialien. Obwohl einsturzgefährdet, schlich er sich durch die Räume des Wohnhauses mit Vergangenheit und es war Liebe auf den ersten Blick. Er kaufte das Anwesen für den symbolischen einen Euro im Januar 2007 und begann mit der Renovierung. „Es waren harte Zeiten“, erinnert sich Nau nach 10-stündiger Arbeitszeit und 2-stündiger An- und Rückfahrt dann noch am eigenen Haus zu arbeiten. „Die Wochenenden gingen sowieso alle für den Umbau drauf“, berichtet der gebürtige Großseelheimer. Und der vermeidlich billige Ankauf kostete jetzt erst so richtig viel Geld.

15 Zentner Lehm wurden angerührt, 6 Wochen gewässert mit Stroh, Heu und Grassamen versetzt, um den Fachwerkbau wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. „Die Masse hat am Ende richtig nach Verwesung gerochen, ließ sich aber prima verarbeiten“, sammelte Nau neue Erfahrungen. Koch Markus erwies sich mehr und mehr als prima Handwerker, der für die Feinarbeiten zuständig war. Nahezu alles am und im Haus, bis auf Küche, Sanitärbereich und Heizung, wurde so gut wie möglich im Urzustand belassen oder nachempfunden. Bei einem Gang durch das Haus fällt auf, dass es ein jüdisches Haus gewesen sein muss. Zahlreiche sakrale Gegenstände, die Nau gefunden und restauriert hat, stammen noch von den Vorbesitzern Artur und Lina Katten. Diese sind praktisch im letzten Moment in die USA emigriert und mussten ihr Anwesen Hals über Kopf verlassen. „Die dritte Etage war unberührt und sah aus, als wäre sie so 1938 verlassen worden“, erzählt Nau sichtlich angerührt. Neugierig geworden knüpfte Helmut Nau erste Kontakte zu Manfred Steinfeld, dessen Mutter eine geborene Katten war. Heute stehen beide in gelegentlichem Austausch und Steinfeld freut sich riesig, dass sein Elternhaus vor dem Abriss bewahrt werden konnte.

Am 1. Oktober 2009 sind Semmler und Nau nach Rauschenberg gezogen und leben seitdem in ihrem „Wohntraum“. Als nächstes steht der Ausbau der dritten Etage an, berichten beide wohlwissend, dass man mit einem solchen Haus wohl nie richtig fertig wird.

Die Anbringung der Denkmalschutzplakette fand bei einer improvisierten Feierstunde statt. Der MGV Langendorf, in dem Helmut Nau singt, bot den musikalischen Rahmen. Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich lobte die emsigen Bauherrn und überreichte eine Rauschenberger Stadtansicht. Dr. Ulli Stein, der das Projekt für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte, berichtete vom Arbeitskreis „Leerstand“ und schraubte abschließend die Plexiglasscheibe an die Wand.

von Heinz-Dieter Henkel

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