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Klassisches Eigentor sorgt für Wendung

Jungviehweide Klassisches Eigentor sorgt für Wendung

Lange sah es so aus, als würden sich die Mitglieder des Amöneburger Bauausschusses für ein Stück der Jungviehweide als Ausgleichsfläche aussprechen. Doch dann kam eine unerwartete Wende.

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Ralf Schneider erklärte, wie ein Teil der Jungviehweide zur Ausgleichsfläche umfunktioniert werden könnte.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Bürgermeister Michael Plettenberg hat eine Hoffnung: Rund 42.500 Euro will die Stadt Amöneburg dafür kassieren, dass sie einen Teil der „Jungviehweide“ Hessen Mobil als Ausgleichsfläche für ein Straßenbauprojekt zur Verfügung stellt. Geplant ist, ein Stück zu vernässen und quasi eine historische Landschaft zu schaffen. Während der vergangenen Stadtverordnetenversammlung hatten die Bürgervertreter bereits dazu tendiert, das Ansinnen abzulehnen - auf Flehen des Bürgermeisters dann aber doch noch einmal im Bauausschuss thematisiert.

Und da lief aus Sicht des Rathauschefs zunächst alles rund.

Der ehemalige Hessen Mobil-Mitarbeiter und jetzige Rentner Ralf Schneider (Roßdorf) stellte das Projekt, mit dem er sich seit einigen Jahren beschäftigt, vor. Rund 20 Prozent des mit rund 32 Hektar größten Pachtgebietes der Stadt würden für die Ausgleichsmaßnahme für ein Teilstück der B3 benötigt. Geplant sei, ein Niedermoor wiederherzustellen.

Angesichts des angrenzenden Brücker Waldes und einer großen Grünfläche solle das Gebiet zu einem „Dorado“ für Sumpfvögel und andere Tiere wie die Ringelnatter oder verschiedene Froscharten werden. „Vielleicht wäre der Brücker Wald dann sogar wieder interessant für den Schwarzstorch“, betonte Schneider und sprach von einer „kleinen Fläche mit großer Wirkung“.

Landwirte würden beschnitten

Einziges Problem ist, dass die Stadt die Jungviehweide an die Weidegenossenschaft Amöneburg verpachtet hat - die zwar eine Entschädigung bekommen würde, aber eben auch auf Land verzichten müsste. Land, das laut Schneider ohnehin nicht für eine Beweidung nutzbar ist.

Klar ablehnend hatten sich die Pächter bisher nie zu den Plänen der Stadt geäußert. Sie traten jedoch eher zugeknöpft auf. Bis der Bürgermeister einen für das Projekt entscheidenden Fehler machte: Die Mitglieder des Bauausschusses hatten sich nach der Präsentation durch Schneider lediglich daran aufgehängt, dass die Stadt die Fläche verpachten und nicht verkaufen will.

Doch dann sprach Plettenberg die CDU an, die sich während der Stadtverordnetenversammlung negativ geäußert hatte, da die Fraktion eigentlich keine Ausgleichsfläche für ein außerörtliches Projekt stellen möchte.

Die Christdemokraten sollten sich doch nun auch äußern, sagte Plettenberg. Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert entgegnete, der Bürgermeister habe das Thema nun so öffentlichkeitswirksam vorstellen lassen, dass niemand etwas dagegen sagen könne: „Niemand will sich zum Killer des Schwarzstorches erklären lassen“, kommentierte er zynisch und verwies darauf, dass trotz allem die Landwirte beschnitten würden.

Entscheidung müssen Stadtverordnete treffen

Und dann meldete sich Otmar Graf zu Wort, der sich als Magistratsmitglied im Ausschuss eigentlich nicht äußern darf - als Vorsitzender der Weidegenossenschaft aber sozusagen aufgefordert war, Stellung zu beziehen. Was er dann auch tat - allerdings nicht im Sinne des Bürgermeisters. Er erklärte, die Fläche sei schon jetzt sehr artenreich und sehr wohl mit Vieh zu bewirtschaften - was er und seine Mitstreiter auch dreimal pro Jahr täten.

Im Dialog mit Schneider zeigte sich dann auch, dass die beiden Männer komplett unterschiedliche Ansichten haben, woher das Wasser auf der betroffenen Fläche stammt. Graf glaubt sogar, dass die geplante Vernässung auch nach Entfernen alter Drainagen nicht möglich ist. Sefa Elmaci (SPD) fragte sogleich nach, ob die Pächter auf die Fläche verzichten würden, weil die Entschädigung so attraktiv sei - oder ob sie zu ihrer Haltung „hingezwungen“ wurden.

Graf entgegnete, sie würden die Flächen gerne weiter nutzen - seien sich aber bewusst, dass sie keinen Anspruch darauf haben. Im Jahr 2020 laufe der Vertrag mit der Stadt aus, doch bis dahin hätten sie die Thematik nicht aufschieben wollen.

Der Hinweis, dass die Pächter die Flächen nutzen wollen, sorgte dafür, dass die Stimmung kippte. Elmaci forderte zwar noch weitere Hintergrundinfos, doch die Ausschussmitglieder verweigerten eine Empfehlung für den Antrag. Keines der sieben Mitglieder stimmte mit Ja, eines mit Nein, sechs enthielten sich. Die Entscheidung obliegt nun den Stadtverordneten, die am Montag ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Mardorf tagen.

von Florian Lerchbacher

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