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Klares Votum für das Neubaugebiet

Antrag fällt durch Klares Votum für das Neubaugebiet

Die geplante Entwicklung des Stadtallendorfer Neubaugebiets „Hinter St. Michael“ hat eine neue Hürde genommen. Die Stadtverordnetenversammlung lehnte einen Verzicht auf das Gebiet ab.

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An dieser Stelle könnte das nächste Stadtallendorfer Neubaugebiet entstehen. Allerdings ist der Grundstückserwerb durch die Stadt noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Quelle: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte mittels eines Antrags versucht, das Baugebiet zu stoppen. Der Magistrat solle durch die Stadtverordnetenversammlung beauftragt werden, alle Vorbereitungen und Planungen für das Baugebiet einzustellen und von dem Ankauf der Flächen zu verzichten.

Bernt Klapper begründete den Antrag mit finanziellen und grundsätzlichen Erwägungen. Die sich abzeichnende schwierige Haushaltssituation 2017 zwinge zum Sparen. Das besagte Neubaugebiet beinhalte ein erhebliches Kostenrisiko. Es gehe nicht allein um die Aufwendungen für den Kauf der Flächen. Baugebiete in Ortsrand­lagen erforderten stets eine neue Infrastruktur, die wiederum für die Unterhaltung Folgekosten produziere. Bei innerstädtischen Bauplätzen bestehe dieses Kostenrisiko von der vorhandenen Infrastruktur nicht.

Zugleich erinnerte Bernt Klapper an den mit der für die Ausweisung von Bauland geltenden Grundsatz, dass Innenentwicklung vor Außenentwicklung gehe. Und er verwies auf dem am 14.Juli 2016 gefassten Beschluss für die Erstellung eines Konzepts zur Schaffung von mehr innerstädtischem Wohnraum. Es gebe genügend Baugebiete in Ortsrandlagen. Deshalb sei es an der Zeit, neuen Wohnraum in der Stadtmitte zu schaffen.

Mit dieser Forderung standen die Bündnisgrünen allerdings allein auf weiter Flur. Jürgen Behler lehnte den Antrag für die SPD-Fraktion ab. Mangels Masse lasse sich der Baulandbedarf in der Innenstadt keineswegs befriedigen. „Südlich der Bahnlinie gibt es höchstens einzelne Baulücken“, stellte er fest. Stadtallendorf befinde sich auf dem Weg zu einem echten Mittelzentrum.

"Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit"

Ein Mittelzentrum benötige dringend Entwicklungsmöglichkeiten. Dazu gehöre auch die Schaffung von preisgünstigem städtischen Bauland für junge Familien. „Die vorhandenen und in Planung befindlichen Baugebiete decken den Bedarf nicht ab“, unterstrich der Sozialdemokrat aus seiner Sicht die Notwendigkeit für das strittige Projekt. Das Baugebiet „Hinter St. Michael“ klassifizierte Behler zudem als Abrundung vorhandener bebauter Gebiete und nicht als Bauland im ­Außenbereich.

Ähnlich äußerte sich Winand Koch, Fraktionsvorsitzender FDP. Er kenne die lange Historie des Baugebiets. „Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit und das sollten wir nutzen. Junge Menschen können sich dort auf günstigem Bauland Eigentum schaffen“, begründete Winand Koch die Ablehnung des Antrags durch seine Fraktion.

Die von Koch angesprochene „Historie“ hat mit den Verkaufsgesprächen zu tun. Grundeigentümerinnen sind die Barmherzigen Schwestern. Der Orden zeigte sich zunächst verkaufsbereit, forderte aber später einen deutlich höheren Verkaufspreis. Wie Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) mitteilte, haben sich inzwischen beide Seiten in dieser Frage angenähert.

Stadtallendorf müsse beide Ziele bedienen: Die Siedlungsverdichtung in der Innenstadt und die Schaffung von Neubaugebieten an den Stadträndern, sagte Jürgen Berkei für die CDU. Auch aus seiner Sicht handelt es sich bei dem Baugebiet „Hinter St. Michael“ nicht um eine Ortsrandbebauung, sondern um die kompakte Abrundung vorhandener Siedlungen.

Auch für Manfred Thierau (BUS) kann Stadtallendorf seinen Zuwachs nicht ohne Baugebiete an den Stadträndern stemmen. Selbst im jüngsten Baugebiet Kronenäcker seien alle Bauplätze schon vergeben. Das Baugebiet „Hinter St. Michael“ müsse entwickelt werden, um künftige Bedarfe abzudecken.

Die unter Vorsitz von Ilona Schaub tagende Stadtverordnetenversammlung lehnte den Antrag mit 34 Neinstimmen ab. Lediglich die beiden Grünen-Stadtverordneten votierten für ihren Antrag.

Zumindest ein Wohnblockwird 2017 gebaut

Unterdessen gibt es in Sachen Konzept für mehr innerstädtischen Wohnraum einen ersten Zwischenstand, wie Bürgermeister Christian Somogyi auf Anfrage der Grünen-Fraktion berichtete. Eine Erfassung des Bedarfs an fehlenden Wohnungen allgemein und von behindertengerechten Wohnungen sei inzwischen erfolgt. ­Zudem habe es Gespräche ­zwischen der Stadt, den örtlichen Wohnungsbaugenossenschaften, einem privaten Investor und dessen Planer sowie dem städtischen Schwerbehindertenbeauftragten gegeben.

Diese führten bereits zu einem konkreten Ergebnis. Die Herrenwald-Wohnbau errichtet in diesem Jahr auf dem Grundstück Gießener Straße 11 ein Haus mit elf Wohneinheiten. Zwei der Wohnungen werden unter der Mitwirkung des Vereins Fib behindertengerecht erstellt, berichtete der Bürgermeister.

Das ist nur der Anfang. Wie Christian Somogyi weiter ausführte, werden die Wohnungsbaugenossenschaften und der Investor Anfang des Jahres vorstellen, wie viele Wohnungen sie kurz- und mittelfristig an welchen Standorten in Stadtallendorf bauen werden.

Der hohe Bedarf an Mietwohnungen in Stadtallendorf war zuletzt sowohl in der Politik als auch unter den Bürgern ein hoch angesiedeltes Thema.

von Matthias Mayer

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