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Kirchhain steckt in der Navi-Falle

LKW-Maut auf der B 3 Kirchhain steckt in der Navi-Falle

Ab dem 1. August gilt auf der vierspurig ausgebauten Bundesstraße 3 zwischen Gießen und dem Ausbau-Ende bei Bürgeln Mautpflicht für Lkw. Für die Kirchhainer Innenstadt kann das erhebliche Folgen haben.

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Über die Ausfahrt Niederwald der Kirchhainer Südumgehung führt für den Schwerverkehr aus Richtung Ebsdorfer Grund der richtige Weg Richtung Kassel. Weder Navis noch Schilder zeigen diesen an.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Der Grund: Disponenten von Speditionen weisen Lkw-Fahrer zunehmend an, mautpflichtige Strecken möglichst zu meiden. Und da der kürzeste Weg vom Gießener Nordkreuz in Richtung Kassel ohnehin durch den Ebsdorfer Grund führt, wird der Verkehr auf der dortigen Landesstraße 3048 deutlich zunehmen.

Für Kirchhain beginnt das Problem – darauf hat OP-Leser Hans Rutz aus Kirchhain die Redaktion aufmerksam gemacht – am Amöneburger Kreisel. Wer von dort auf dem kürzesten Weg die Bundesstraße 3 am Kreisverkehr Petersburg bei Wohratal-Halsdorf erreichen will, wird vom Navigationsgerät nicht auf die seit 20 Jahren bestehende Kirchhainer Südumgehung, sondern direkt Richtung Kirchhainer Innenstadt gelotst.

Selbst die Navis der neuesten Generation weisen den Weg über die sanierungsbedürftige Ohmbrücke (Tempo 50) und die längst zu innerörtlichen Straßen abgestufte Straßen Amöneburger Tor, Untergasse, Borngasse, Brießelstraße und Steinweg zur Kasseler Straße, die aus der Stadt raus ins Wohratal führt.

Ein Test der OP-Redaktion bestätigte Rutz‘ Erfahrung: Für die Strecke Roßdorf–Rauschenberg zeigt das Navi die Brießelstraße als Landesstraße und Hauptverkehrsstraße an, obwohl die längst zur Tempo-20-Zone zurückgebaute Straße durch das Herz der Altstadt seit Jahren der Stadt gehört.

„Hans Rutz hat völlig recht, das ist ein Problem für Kirchhain“, stellte Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) gegenüber dieser Zeitung fest. Allerdings habe die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht, sagte der Bürgermeister unter Hinweis auf die Durchfahrt-Verbote für Lkw  in der Ost-West- und West-Ost-Richtung.

Diese gelten zwischen der Kreuzung Frankfurter Straße/ Kasseler und der Einmündung des Feldweges in die Niederrheinische Straße sowie zwischen der Borngasse und dem Steinweg. Die Durchfahrt-Verbote besäßen Rechtskraft, und die Stadt werde diese auch  mit Kontrollen und Bußgeldern durchsetzen, erklärte Kirchner.

Der einzige legale Weg für den Schwerverkehr vom Amöneburger Kreisel durch das Wohratal auf die B 3 führt über die Südumgehung (B 62) bis zur Ausfahrt Niederwald und von dort über die Frankfurter Straße in die Stadt hinein auf die Kasseler Straße. „Schön ist das nicht, das bringt keine Freude in die Stadt, aber diese Route können wir nicht verhindern, denn sie führt über Bundes- und Landesstraßen, auf deren Gebote und Verbote wir als Stadt keine Einflussmöglichkeiten haben“, erläuterte Kirchner.

Ein weiteres Problem ist die Beschilderung am Amöneburger Kreisel: Dort gibt es weder einen Hinweis auf die Lkw-Durchfahrtverbote in Kirchhain noch einen Hinweis darauf, dass die Fahrspur Richtung  Süden über Niederwald auch nach Kassel führt.
„Ohne eine passende überörtliche Ausschilderung hat beispielsweise ein litauischer Lkw-Fahrer keine Chance, den richtigen Weg zu finden“, sieht Hans Rutz die Straßenverkehrsbehörden vor dem 1. August in der Plicht.

Zu welchen Auswüchsen fehlende überörtliche Beschilderungen im Zusammenspiel mit Navis führen können, lässt sich täglich auf den Nebensträßchen zwischen Stadtallendorf und Rauschenberg beobachten: Da quälen sich 40-Tonner aus dem Wohratal die schmalen Serpentinen nach Burgholz hoch, und massige Sattelzüge provozieren bei Emsdorf gefährliche Begegnungen auf der in völliger Auflösung befindlichen Kreisstraße 12.

von Matthias Mayer

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