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Ostkreis Kirchhain sagt Plastik den Kampf an
Landkreis Ostkreis Kirchhain sagt Plastik den Kampf an
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00:17 28.07.2018
Reichlich Plastik findet sich unter dem Müll in der Umladestation in Marburg-Wehrda.  Quelle: Tobias Hirsch
Kirchhain

Der gemeinsame Antrag von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke ist mit der Überschrift „Global denken. Lokal handeln – Plastikarm in Kirchhain“ überschrieben. Dahinter steht ein Beschluss, dem Plastikmüll den Kampf vor Ort anzusagen.

Welche Folgen Plastikmüll hat, dürfte angesichts der jüngsten Bilder von Plastikresten an Stränden der Dominikanischen Republik deutlich erkennbar sein. Was Mikroplastik im Müll für Folgen hat, hatte die OP in der vergangenen Woche unter dem Titel „Wie das Plastik in die Erde kommt“ detailliert berichtet.

In der kurzen Debatte im Parlament hatten alle Fraktionen untermauert, wie ernst es ihnen mit dem Thema Plastikvermeidung ist. Rainer Waldhardt (SPD) hatte an den Werdegang des Antrages, den seine Partei angestoßen hatte, erinnert. Waldhardt erwähnte die „globale Herausforderung“, die es beim Thema Plastik gibt. Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen) sprach an, dass Plastikvermeidung in Kirchhain auch beim Bauen in Zukunft ein Thema sein müsse und werde.

Kirchhain hat bereits Vorreiterrolle übernommen

Jetzt ist es am Magistrat und der Stadtverwaltung – zumindest organisatorisch – diesen Beschluss umzusetzen. Wie das im einzelnen geschehen soll erläuterte Bürgermeister Olaf Hausmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Hausmann erinnert daran, dass Kirchhain schon auf verschiedenen Ebenen Vorreiterrollen beim Umweltschutz übernommen habe. Er nennt das Programm „Kirchhain blüht“ als ein Beispiel, das Schule gemacht hat. Städtische Grünflächen werden Jahr für Jahr zu Blumenwiesen. Aktuell blüht ein kleines Sonnenblumenfeld auf einem Fahrbahnteiler am Viadukt in Fahrtrichtung Anzefahr.

Hausmann will vor allem auf Information bei diesem komplexen Thema setzen und auf Gespräche, etwa mit dem Verkehrsverein als Plattform der Einzelhändler. In einigen Geschäften in der Kirchhainer Fußgängerzone ist Plastik dabei schon ein Thema. So sind Plastiktüten längst nicht überall kostenfrei. Kunden sollen animiert werden, auf eine Tüte zu verzichten und eher auf Korb oder Stofftasche zu setzen. 

Der Beschluss in Auszügen

Im vom Kirchhainer Stadtparlament einstimmig gefassten Beschluss heißt es auszugsweise:

„1. Im Zuge einer Nachhaltigkeitsstrategie, auch unter Berücksichtigung der Kostenfrage, wird die Stadt Kirchhain mit all ihren Liegenschaften in den kommenden drei Jahren a) auf vermeidbare Kunststoffprodukte nach Möglichkeit verzichten und durch plastikfreie Alternativen (so weit vorhanden) ersetzen; b) Bei Neuanschaffungen möglichst die plastikfreie Alternative (sofern vorhanden) erwerben; c) Auf Kunststoffprodukte, die für den einmaligen Gebrauch bestimmt sind, nach Möglichkeit verzichten und d) bei stadteigenen Veranstaltungen auf einen möglichen Verzicht von Plastikprodukten, insbesondere Einwegprodukten, achten.

2. Die Stadt Kirchhain entwickelt möglichst in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren Strategien zur Vermeidung und Minimierung von Plastik im Stadtgebiet und informiert Gewerbebetriebe, Vereine, ­Privathaushalte ... über die schädlichen Folgen von Plastikmüll.

3. Die Stadt Kirchhain unterstützt Bestrebungen der EU-Kommission, der Bundes- und Landesregierung sowie des Landkreises zur Vermeidung von Plastikmüll ...“

Am vermeintlich einfachsten dürfte es werden, bei eigenen Veranstaltungen auf Plastikgeschirr und Becher zu verzichten. Wie das bei privat organisierten Veranstaltungen, etwa der Vereine, geregelt werden soll, muss in der Verwaltung erst noch durchdacht werden.

Ganz viel Wert will die Stadt auf die Vermittlung von Informationen legen, beispielsweise in Kindergärten. Wobei das Thema Müll dort längst eine Rolle spielt.

Bauen mit weniger Plastik wird Herausforderung

„Vielleicht erstellen wir auch einen Wegweiser“, nennt Hausmann ein weiteres Beispiel. In einem Punkt sieht der Bürgermeister die Stadt weiterhin auf gutem Wege: In der Vergangenheit glänzte Kirchhain bei der Mülltrennung. Die Müllsorten werden in aller Regel ordentlich voneinander separiert. Dabei liege die Stadt kreisweit weiterhin im oberen Drittel.

Eine weit größere Herausforderung sieht der Bürgermeister in der Plastikvermeidung beim künftigen Bauen. Wobei laut dem Beschluss des Stadtparlaments die Kostenfrage immer eine Rolle zu spielen hat. „Wir sind froh, dass wir für diese Fragen noch etwas Zeit haben werden“, sagt Hausmann.

Generell will er an der „Politik der kleinen Schritte“ in der lokalen Umweltpolitik festhalten. Ein Beitrag sei beispielsweise auch der Direktvermarkter-Markt, den die Stadt im Herbst wiederholen will.

von Michael Rinde