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Kirchhain hat einen Ehrenbürger mehr

Forschung: Kirchhain hat einen Ehrenbürger mehr

Recherchen über die Geschichte des Anna-Parks brachten Dieter Peldaletztlich mehr zufällig auf die Spur von Kirchhains Ehrenbürger Dr. Wilhelm Josef Rehm.

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Einige wenige Grabsteine stehen noch im Anna-Park, wo einst auch Wilhelm-Josef Rehm seine letzte Ruhe fand. Foto: Rinde

Kirchhain. Es sind nicht sieben, sondern acht Männer, denen die Stadt Kirchhain in den vergangenen Jahrhunderten die Ehrenbürgerschaft verlieh. Bis dato fehlte Wilhelm Josef Rehm in dieser Liste, auf der Altbürgermeister Heinrich Röder der jüngste Vertreter ist. Er erhielt 1992 die Ehrenbürgerschaft. Dr. Wilhelm Rehm ist auf der Liste der älteste. Er erhielt sie nach den Forschungen von Diplom-Archivar Dieter Pelda am 18. März 1864.

Pelda ist der Verfasser der zweiten Kirchhainer Chronik, die sich mit dem Zeitraum von 1945 bis 2001 befasst. Darin hat er auch die Biographien der bisher bekannten Ehrenbürger der Stadt aufgearbeitet. Zwei Namen von Ehrenbürgern fehlen im übrigen ohnehin: der von Adolf Hitler und der des früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Hitler hatte die Stadt bereits im Juli 1945 die Ehrenbürgerschaft nach einer entsprechenden Weisung des damaligen Landrats entzogen.

Dass Pelda nun auf Rehm stieß hing mit Recherchen zur Geschichte des Kirchhainer Anna-Parks zusammen, bei denen ihn Stadtverordneten-Vorsteher Willibald Preis seinerzeit um Unterstützung gebeten hatte. Dabei stieß der Archivar auf einen Briefwechsel des Neffen von Wilhelm Josef Rehm aus dem Jahr 1926/1927. Der hatte Post seitens der Stadt Kirchhain erhalten, dass Rehms Grab auf dem damaligen Friedhof eingeebnet werden sollte.

Neffe Heinrich Daniel wandte sich an die Stadt und verwies dort auf die Ehrenbürgerschaft. Doch bei der Stadt war schon damals zunächst nichts von der Ehrenbürgerschaft Rehms bekannt. Im Friedhofsverzeichnis fand sich kein Hinweis auf ein Ehrengrab.

Erst auf einen zweiten Brief Daniels hin wurde die Stadtverwaltung schließlich doch im Beschlussbuch fündig. Wie Pelda, Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein, in den Akten recherchierte, war Dr. Wilhelm Josef Rehm 37 Jahre Kreisphysikus, sprich Arzt in Kirchhain. Pelda zitiert aus dem Beschlussbuch des Stadtrates: „In Betracht, dass der Herr Kreisphysikus Dr. Rehm seit 37 Jahren dahier als Arzt wirkt und sich in seinem Berufe viel Verdienst um die Stadt erworben hat, dass der selbe den Befreiungskrieg zur Unterdrückung der Fremdherrschaft, wird hiermit dem Kreisphyisikus Dr. Wilhelm Rehm das Ehrenbürgerrecht in hiesiger Stadt ertheilt.“ Pelda selbst hat sich geärgert, dass er nicht bei seinen damaligen Forschungen bereits auf den Namen von Rehm gestoßen ist. Er hatte sich mit den drei einschlägigen Archivakten zu früheren Ehrenbürgern der Stadt befasst. Dass die Stadt Kirchhain weitere Ehrenbürger haben könnte, hatte Pelda seinerzeit nicht erwartet.

„Aber das gibt es in der historischen Forschung immer wieder, wichtig ist, dass man ein solches Ergebnis dann auch mitteilt“, sagt Pelda im Gespräch mit der OP. Für Kerstin Ebert, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, sind die Ergebnisse von Peldas Forschung ein weiterer Beitrag zur Erforschung der Kirchhainer Stadtgeschichte.

Einen freuen die Ergebnisse Peldas ganz besonders: „Das ist eine schöne Nachricht“, kommentiert Willibald Preis. Er beschäftigt sich seit Jahren mit verdienten Kirchhainern.

Einige Fragen rund um Dr. Wilhelm Josef Rehm sind noch unbeantwortet. So gibt es kein Bild von Kirchhains ältestem Ehrenbürger, was genau mit seiner Grabstätte geschehen ist, weiß auch Pelda nicht. Sollte es jemals eine Zweitauflage seiner Kirchhainer Chronik geben, so wird das Kapitel „Biographien“ um einen Namen reicher sein. Und offen ist sicherlich auch, wie die Stadt Kirchhain die Erinnerung an ihren Ehrenbürger pflegen wird.

Dr. Wilhelm Josef Rehm:

Nach Recherchen von Dieter Pelda wurde Wilhelm-Josef Rehm am 26. September 1796 in Waldkappel geboren. Er war Wundarzt im Landdragoner Regiment Rotenburg, später Kreisphysikus im Kreis Hünfeld, 1826 wurde er Kreisphysikus des Kreises Kirchhain und Amtsphysikus für Kirchhain und Amöneburg. Er wohnte unter anderem in der „Brießelsgasse 221“ und der Niederrheinischen Landstraße“. Er erhielt die Kriegsmedaille für den Frankreichfeldzug 1814/15.

Kirchhains Ehrenbürger:

Dr. Wilhelm Josef Rehm (1796 -1877), Ehrenbürger ab 1864;

Daniel Heßler, (1807-1886), Ehrenbürger ab 1880;

Adrian Julius Bertram Schaefer (1879-1966), Ehrenbürger ab 1954;

Heinrich Weber, (1916 -1990), Ehrenbürger ab 1978;

Heinrich Röder, (geboren 1927), Ehrenbürger seit 1992.

Hinzu kommen wie erwähnt Adolf Hitler und Paul von Hindenburg, denen Ehrenbürgerschaften „von Staats wegen“ angetragen worden waren.

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