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Ostkreis Kinderpornos:14-Jährige zeigt Vater an
Landkreis Ostkreis Kinderpornos:14-Jährige zeigt Vater an
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00:15 15.12.2013
Auf einer solchen Speicherkarte ihres Vaters fand eine 14-Jährige kinderpornografische Bilddateien. Foto: Matthias Mayer Quelle: Matthias Mayer
Kirchhain

Es war die 14-jährige Tochter des Angeklagten, die im März auf einem Datenträger ihres Vaters kinderpornografische Bilddateien entdeckte. Sie zeigte ihren Vater darauf an.

Staatsanwalt Georg Ungefuk hielt dem Angeklagten vor, 15 Bilddateien besessen zu haben, die Kinder beim Oral- und Vaginalverkehr zeigten. Acht der Bilddateien seien bei der Beschlagnahme durch die Polizei bereits gelöscht gewesen, auf einem USB-Stick aber noch physikalisch vorhanden gewesen.

„Das stimmt, was da steht. Meine Tochter hatte mir eine Speicherkarte gemopst“, bestätigte der ohne Rechtsbeistand erschienene Angeklagte die Anklageschrift. Er sei im Internet gesurft, um sich einen Sexfilm anzusehen. Dabei hätten sich plötzlich mehrere Seiten geöffnet, darunter eine mit kinderpornografischen Inhalten. „Ich war erst richtig erschrocken. Aber dann hat dummerweise die Neugier gesiegt, und ich habe einige Bilder heruntergeladen“, gab der arbeitslose Facharbeiter zu Protokoll.

Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug hielt dem 51-Jährigen zu Gute, „die acht schlimmsten Bilder“ gelöscht zu haben. Zugleich äußerte er Zweifel an der Einlassung des Angeklagten, praktisch nur aus Versehen in den Besitz des kinderpornografischen Materials gekommen zu sein. „Wenn dem so ist, warum haben sie dann eine bestimmte Bilddatei gleich mehrfach auf verschiedenen Datenträgern abgespeichert? Das muss doch einen Grund haben“, fragte der Vorsitzende Richter.

Angeklagter hältsich nicht für pädophil

„Da kann ich Ihnen keinen Grund für angeben, keine Ahnung“, antwortete der Vater von drei Kindern schmallippig. Eine Nachfrage des Gerichts, ob er pädophile Neigungen habe, verneinte er.

Auch Staatsanwalt Georg Ungefuk wollte nicht an einen unbeabsichtigten Zufallsfund im Internet glauben. Auf „normalen Sexseiten“ im Internet öffneten sich keine kinderpornografischen Seiten, sagte der Staatsanwalt an die Adresse des Angeklagten, der gleich sieben Vorstrafen mit in die Verhandlung gebracht hatte. Zwischen 1986 und 2011 war er unter anderem wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls, Unterschlagung, Körperverletzung und Beleidigung verurteilt worden.

Die Anklage wertete das Geständnis und die relativ geringe Anzahl kinderpornografischer Dateien als strafmildernd zu Gunsten des Angeklagten. Gleichwohl stehe hinter jedem kinderpornografischen Foto ein Kindesmissbrauch, stellte Ungefuk fest. Gegen den Angeklagten sprächen die Vorstrafen, auch wenn diese nicht einschlägig seien. Der Staatsanwalt beantragte eine Verurteilung wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 13 Euro. Zugleich beantragte er, den PC, das Smartphone und einen USB-Stick des Angeklagten einzuziehen. Auf diesen „Tatwerkzeugen“ waren die Dateien gefunden worden.

Urteil erlangt sofort Rechtskraft

„Ich hab‘ das einmal gemacht und werd‘ das nie wieder tun. Das war blöde Neugier von mir“, versicherte der Angeklagte in seinem Schlusswort.

Edgar Krug folgte im Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. „Die Menge der Dateien ist nicht so sehr erheblich“, sagte der Richter, der zugleich andeutete, dass vermutlich deutlich mehr kritische Bilder gefunden worden seien. „Das Alter ist den Kindern nicht ins Gesicht geschrieben. Zu Ihren Gunsten wurden nur die Bilddateien für die Anklage berücksichtigt, die zweifelsfrei von Kindern stammten“, erklärte der Richter. Mit Blick auf die Vorstrafen warnte Edgar Krug den 51-Jährigen: „Sie haben eine Vielzahl unterschiedlicher Straftaten angesammelt; sie steuern auf eine Vorstrafe zu.“

Da sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Rechtsmittelverzicht erklärten, erlangte das Urteil sofort Rechtskraft.