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Keine Planung für die Mülltonne

Bürgerhaus Großseelheim Keine Planung für die Mülltonne

Knapp drei Stunden debattierte am Montagabend der Kirchhainer Bau- und Planungsausschuss. Allein eineinhalb Stunden entfielen auf die Zukunft des Großseelheimer Bürgerhauses.

Großseelheim. Der komplette Ortsbeirat sowie einige Großseelheimer Bürger waren zu diesem Tagesordnungspunkt erschienen, den Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) mit der Vorstellung der Ideenskizze eröffnete, die die Stadtverwaltung im Auftrag des Magistrats für die zukünftige Nutzung des hochdefizitären Bürgerhauses erarbeitet hatte.

Im Kern zielt diese Ideenskizze (die OP berichtete) auf die Vermietung des kompletten Obergeschosses mit dem großem Saal an einen Supermarktbetreiber ab, der die 508 Quadratmeter große Fläche nach den Vorstellungen der Stadt zu einer Jahreskaltmiete in Höhe von 28500 Euro anmieten könnte. Im Gegenzug will die Stadt die rund 370 Quadratmeter großen Räume im Erdgeschoss für die Dorfgemeinschaft ertüchtigen. Der kleine Saal lasse sich durch Zuschaltung der Nachbarräume so erweitern, dass dieser mit Ausnahme der Kirmes für alle Veranstaltungen ausreichend sei. Für Lieder-, Theater- und Tanzabende, die auf eine Bühne angewiesen seien, stehe in Absprache mit dem Landkreis die Turnhalle der Grundschule zur Verfügung.

Interessanterweise bezogen sich sowohl Jochen Kirchner bei seinem Eintreten für den Supermarkt im Bürgerhaus, als auch Großseelheims Ortsvorsteher Helmut Hofmann bei seiner gegenteiligen Position argumentativ auf die Bestimmungen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“, an dem Großseelheim 2011 mit Erfolg teilgenommen hatte. Zentrales Ziel des Wettbewerbs sei die Verbesserung der Infrastruktur und der Nahversorgung der Bürger in den Ortskernen. Diesem Ziel werde ein Nahkauf-Markt im Bürgerhaus gerecht. Ein größerer Markt im fußläufigen Bereich werde von vielen Großseelheimern gewünscht. Entstehe dieser auf der „grünen Wiese“, würden dies Bäckerei und Metzgerei in der Ortsmitte kaum überleben“, erklärte Kirchner, der dieses Modell auch als Chance sieht, die überfällige energetische Sanierung des Bürgerhauses (Kostenschätzung: 600000 Euro) zu realisieren.

Hofmann: Kein Bedarf für weiteren Supermarkt

Helmut Hofmann hielt dagegen, dass Großseelheim gerade wegen seiner sehr guten Infrastruktur bei dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Kreisebene den dritten Platz erreicht habe. Die Dorfgemeinschaft sehe keinen Bedarf für einen zweiten Supermarkt neben dem bestehenden Edeka-Markt im Ortszentrum. Hofmann stellte die vom Ortsbeirat artikulierten Einwände gegen die Ideenskizze vor (die OP berichtete) und bekräftigte die Absicht des Ortes, das Obergeschoss des Bürgerhauses mit dem großen Saal zu behalten und im Gegenzug die Räume im Untergeschoss zu vermarkten. Der Ortsbeirat stehe hinter der Absicht des Magistrats, das jährliche Defizit des Großseelheimer Bürgerhauses von aktuell gut 32000 Euro pro Jahr zu reduzieren. Es habe sich ein Arbeitskreis zur Vermarktung der Erdgeschoss-Räume gebildet, der ein Nutzungskonzept erarbeiten werde, kündigte Hofmann an.

An dieser Stelle hätte die Diskussion eigentlich bis zur Vorlage des Alternativ-Konzepts beendet werden können, wie Sprecher aller Fraktionen übereinstimmend erklärten. Es ging aber munter weiter. CDU-Fraktionschef Uwe Pöppler erklärte, dass seine Fraktion sowohl Verständnis gegenüber der Kostenfrage, als auch gegenüber den Einwänden des Ortsbeirats (Parkplatzproblem, Bedeutung des großen Bürgerhaus-Saals) habe. „Aber wie steht Ihr zu einem Supermarkt auf der grünen Wiese?, wollte er wissen. Wenn einer solcher Markt die Versorgungseinrichtung in der Ortsmitte gefährde, sei dieser mit dem Ortsbeirat nicht zu machen, antwortete Hofmann.

Kritik am Vorgehen den Magistrats, noch keine Kostenberechnung für den erforderlichen Umbau des Gebäudes vorgelegt zu haben, kam von Großseelheimer Bürgern und dem Großseelheimer Stadtverordneten Reinhard Heck (Die Linke). Die könne es ohne einen verbindlichen Planungsauftrag des Parlaments nicht geben, erklärte Kirchner dazu. Noch rede man ergebnisoffen über eine Ideenskizze, die, falls nicht gewünscht, verworfen werde. Planungen für die Mülltonne könne sich Kirchhain nicht leisten.

von Matthias Mayer

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