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Ostkreis Kaum Chancen für einen Friedwald
Landkreis Ostkreis Kaum Chancen für einen Friedwald
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19:43 08.12.2010
Beerdigungen unter Bäumen im Wald wird es in Rauschenberg vorerst wohl nicht geben. Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Sind in Rauschenberg Naturbestattungen in einem sogenannten Friedwald möglich? Diese Frage möchte die SPD-Fraktion des Stadtparlaments mit einem Prüfantrag an den Magistrat geklärt wissen. Ausschuss-Vorsitzender Thorsten Thamke (SPD) begründete den Antrag, zu dessen Erörterung der Ausschuss auch Kirchenvertreter eingeladen hatte, mit der steigenden Nachfrage nach dieser Bestattungsform. Kommunalpolitiker müssten sich deshalb diesem emotional besetzten Thema stellen. Klaus-Dieter Mattheis (SPD) ergänzte, dass in Niederweimar eine solche Bestattungsmöglichkeit bereits geschaffen worden sei.

Die Aussprache ergab, dass es offenbar in der Stadt kaum Neigung gibt, ein solches Bestattungsangebot zu schaffen. Bürgermeister Manfred Barth (SPD) erklärte, dass grundsätzlich im Rauschenberger Stadtwald ein solcher Friedwald geschaffen werden könnte. Dies sei jedoch ohne erhebliche Investitionen nicht möglich. Der Bürgermeister verwies auf die aufwändige Umzäunung, den Bau von Zufahrtswegen und die Schaffung einer Infrastruktur.

Man könne sich der öffentlichen Diskussion um dieses Thema derzeit kaum entziehen. Gleichwohl liege ihm nur eine konkrete Anfrage für eine Bestattung im Wald vor, sagte der Bürgermeister, der in einer persönlichen Erklärung seine Vorbehalte gegenüber dieser Bestattungsform äußerte. „Ich persönlich habe Schwierigkeiten damit, Menschen im Wald zu begraben. Die Möglichkeit des Trauerns und des Gedenkens wird uns genommen“, sagte Barth und schob zwei Fragen nach: „Was ist mit denen, die zurückbleiben, die trauern wollen? Welches Zeichen für unsere Bestattungskultur setzt eine Kommune, die dies anbietet?“

Anja Fülling, Pfarrerin im Kirchspiel Josbach, hatte zuvor von ihren Erfahrungen mit dem Friedwald im Reinhardswald berichtet, dessen Einzugsgebiet von Hessen nach Niedersachsen und bis ins Ruhrgebiet reiche. Dieser sei als Begräbnisstätte nicht zu erkennen und berücksichtige nicht die Anliegen der Angehörigen. Die Grabstätten seien nur beschwerlich über Trampelpfade zu erreichen. An den durch Nummern, Namen oder überhaupt nicht gekennzeichneten Bäumen dürften weder Blumen noch ein Engelchen niedergelegt werden. Sie selbst tue sich schwer mit namenlosen Gräbern, habe aber kein Problem damit, einen Verstorbenen auf dem Josbacher Friedhof unter einem Baum zu bestatten.

„Für mein Empfinden brauchen wir keine Bestattungsmöglichkeiten im Wald“, sagte der Schwabendorfer Pfarrer Dierk Brüning, der auf die enormen Kosten einer solchen Beerdigung verwies. Es gebe allerdings den Wunsch, nach pflegeleichten, zum Teil auch anonymen Grabstellen, wie es sie in der Kernstadt schon gebe.

Aus dem Ausschuss gab es für den Prüfantrag keine zustimmenden Meinungsäußerungen. Die SPD ließ offen, ob sie den Antrag zurückziehen wird.

Die Baugenehmigung für den Ausbau der Kratzschen Scheune soll nach Vorstellung des Magistrats schon zum Ende des kommenden Jahres vorliegen, auch wenn die Stadt erst 2013 das Projekt abgerechnet haben muss, wie der Bürgermeister mitteilte. Laut Diplom-Geograph Michael Nass, der im Auftrag des Magistrats an der Neufassung des Bebauungsplans arbeitet, lässt sich dieser Zeitplan wohl einhalten. Die Umweltprüfung und die frühzeitige Behördenprüfung entfielen. Dagegen sei die artenschutzrechtliche Prüfung für die Bebauungsplanänderung unverzichtbar.

von Matthias Mayer

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