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Katzen sind nicht auf sich allein gestellt

Tierschutz Katzen sind nicht auf sich allein gestellt

Etwa 20 Futterstationen unterhält der Tierschutzverein für wild lebende Katzen im Kreisgebiet. Da sie nicht bei jedem Nachbarn auf Gegenliebe stoßen, hält der Verein die Standorte geheim.

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Eine wild lebende Katze hat sich nahe der Kirchhainer Futterstation des Tierschutzvereins niedergelassen. Foto: Michael Rinde

Kirchhain. Die Futterstation in Kirchhain liegt wie auch alle übrigen des Tierschutzvereins Marburg und Umgebung am Rande der Stadt. Den genauen Standort will der Verein nicht veröffentlicht wissen, denn nicht jeder Zeitgenosse akzeptiere eine solche Station in seiner Nachbarschaft. Vor einer Woche wurde das Häuschen, das zur Futterstation gehört aufgebrochen. 60 Dosen Katzenfutter und 2 Säcke Trockenfutter wurden gestohlen. Mittlerweile ist das Futter wieder bei der ehrenamtlichen Betreuerin der Kirchhainer Station. Ein 56-Jähriger gelte als Tatverdächtiger, erklärte Polizeisprecher Jürgen Schlick.

Für wild lebende Katzenpopulationen seien solche Futterstellen sehr wichtig, unterstreicht Siegrid Schmeer, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Viele wildlebende Katzen seien nicht mehr in der Lage dazu, sich allein in der Natur zu ernähren, etwa durch die Mäusejagd. Gefüttert werden die Tiere einmal am Tag für eine halbe Stunde. Eine ehrenamtliche Betreuerin oder ein Betreuer überwacht die Fütterung. Es ist also nicht so, dass ständig Futter an den jeweiligen Stationsstandorten bereitsteht. Das könnte dann auch andere, nicht erbetene vierbeinige Gäste anlocken, zum Beispiel Ratten. An die festen Fütterungszeiten haben sich die wild lebenden Katzen offenbar gewöhnt. Die Fütterungstermine erfüllen aber noch einen ganz anderen, mindestens genauso wichtigen Zweck aus Sicht der Tierschützer: Sämtliche Katzen sind damit unter ständiger Beobachtung. „Wir können sehen, wie sich die Populationen entwickeln“, sagt Schmeer. Neu hinzu kommende Kater etwa lässt der Verein auf eigene Kosten kastrieren, um die Vermehrhung der wilden Katzen zu verhindern. „Außerdem fangen wir offensichtlich kranke Tiere heraus“, erläutert Schmeer.

Auch von Städten und Gemeinden, die Probleme mit wild lebenden Katzen und Katern haben, ist der Tierschutzverein Marburg und Umgebung in der Vergangenheit immer wieder um Hilfe gebeten worden.

In Kirchhain ist die Katzenpopulation von ihrer Größe her problemlos. Etwa 20 Tiere beobachtet die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Vereins am Tage, einige von ihnen sind zutraulich, die Mehrzahl lässt sich bei der Fütterung nur aus der Ferne beobachten. In Stadtallendorf ist die Futterstation deutlich frequentierter. Dort kommen rund 40 Tiere am Tag an ihre Futterstelle. In Stadtallendorf existiert außerdem das preisgekrönte „Katzenhotel“ auf dem Gelände der Eisengießerei Fritz Winter.

Die Veterinärbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf begrüßt die Arbeit von ehrenamtlichen Tierschützern ausdrücklich. Zwar sei die Futtersituation um diese Jahreszeit nicht das Hauptproblem, erläutert Stephan Schienbein, Sprecher der Kreisverwaltung. Während der harten Wintermonate sei das anders.

„Aber die Kastrationen freilebender Katzen oder die ständige Beobachtung sind aus unserer Sicht das ganze Jahr sinnvoll und wichtig für den Tierschutz“, sagt Schienbein. Die Unterhaltung der Futter- und Pflegestationen hat allerdings ihren Preis. Alles wird dabie aus Mitgliedsbeiträgen und vor allem Spenden finanziert. Für Futter und Pflege brachte der Verein im vergangenen Jahr zum Beispiel knapp 5000 Euro auf. Für Kastrationen zahlte er insgesamt 11900 Euro.

„Wir sind auf Spenden angewiesen, das können aber auch Futterspenden sein, die wir auf Wunsch auch abholen“, sagt Schmeer. Ein Anruf genüge.

Das Tierschutztelefon ist unter der Rufnummer 06421/971237 erreichbar.

von Michael Rinde

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