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Junges Leben am Scheideweg

Sinnlose Straftaen bringen 18 Monate Haft Junges Leben am Scheideweg

Sein übermäßiger Alkoholkonsum und seine Vorliebe für das Kurzschließen von Motorrollern wurde einem jungem Mann aus dem Ostkreis vor dem Marburger Amtsgericht zum Verhängnis.

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Ostkreis. Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Rohner hatte sich mit einer Fülle an Anklagepunkten gegen den 18-Jährigen auseinanderzusetzen: Versuchte räuberische Erpressung, Diebstähle von Motorrollern, Versicherungskennzeichen und Verkehrsschildern, Fahren ohne Führerschein, Fahren unter Alkoholeinfluss und Beförderungserschleichung. So dauerte allein die Verlesung der Anklage rund eine Viertelstunde. Die Tatorte lagen überwiegend im Ostkreis.

Im Laufe der Verhandlung ließen sich nicht alle Vorwürfe aufklären. Da der Angeklagte während der richterlichen Vernehmung alle Taten eingeräumt hatte, verzichtete das Gericht auf die Ladung von Zeugen. Vor Gericht bestritt der berufslose Arbeitslose ohne Schulabschluss dagegen einige Tatvorwürfe. Der junge Mann räumte „nur“ fünf vollendete und drei versuchte Rollerdiebstähle, sowie das Fahren unter Alkoholeinfluss, das Fahren ohne Führerschein, die Beförderungserschleichung in fünf Fällen und den Diebstahl der Verkehrsschilder und des Versicherungskennzeichens ein. Angesichts der Fülle der zugegebenen Delikte stellte das Jugendschöffengericht die Verfahren zu den nicht zweifelsfrei erwiesenen Anklagepunkten vorläufig ein.

Die erwiesenen Straftaten reichten dem Gericht aus, um den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung zu verurteilen. Das Gericht blieb damit zwei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, folgte zugleich nicht dem Antrag eines der beiden Verteidiger, der eine Freiheitsstrafe zur Bewährung gefordert hatte.

Eine vernichtendeSozialprognose

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Jugendschöffengerichts war neben der Vielzahl der Straftaten vor allem die vernichtende Sozialprognose des Angeklagten. Der Heranwachsende war im Alter von sechs Jahren mit seiner Mutter und seinen Geschwistern von Kasachstan nach Deutschland gezogen und hatte von Beginn an schulische und familiäre Probleme. Einen Schulabschluss hat der 18-Jährige bis heute nicht. Mit 16 Jahren begann der Angeklagte exzessiv zu trinken und beging unter Alkoholeinfluss immer wieder Straftaten, die ihn schon einmal für ein Jahr hinter Gitter brachten. Eine ambulante Entzugstherapie brach er nach wenigen Terminen ab. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe hatte nichts Gutes über den Angeklagten zu berichten. Der habe sich jeder Kooperation wie auch allen Hilfsangeboten verweigert.

Sein Alkoholproblem räumte der junge Mann auf Nachfrage von Richter Rohner zunächst auch ein: „Wenn ich trinke, mache ich Sachen, die ich sonst nie machen würde. Dann bin ich sehr leicht zu beeinflussen.“ Die Beteuerung des Angeklagten, dass er seinen Alkoholkonsum heute im Griff habe und wenn er wolle, jederzeit eine Therapie durchziehen könne, nahm ihm das Gericht nicht ab. „Es gibt für uns keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sie derzeit ihr Alkoholproblem im Griff haben und in Freiheit keine Straftaten mehr anstellen würden“, erklärte der Vorsitzende des dem Angeklagten die Entscheidung des Gerichts gegen eine Bewährung. Der Richter erklärte, dass die Haft für den Wiederholungstäter auch eine Chance sein könne. „Sie stehen nun am Scheideweg und müssen sich endgültig überlegen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Wenn sie im Gefängnis den Hauptschulabschluss nachholen, haben sie später auch eine Chance auf einen Job.“

von Marius Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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