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Junger Soldat will „weg vom Schultrip“

Freiwillige Wehrdienstleistende in Stadtallendorf Junger Soldat will „weg vom Schultrip“

Etwa ein Drittel der ersten freiwillig Wehrdienstleistenden in der Herrenwaldkaserne bleibt in Stadtallendorf. Damit ist der Bedarf des Luftlandefernmeldebataillons „Hessischer Löwe“ aber nicht gedeckt.

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Rekruten üben während der Sanitätsausbildung das Schleppen von „verletzten“ Kameraden.

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Leicht schnaufend zieht Rekrut Sandro Geil seinen „verletzten“ Kameraden Zentimeter für Zentimeter über den Rasen. Sie üben Schlepptricks. Glücklicherweise ist es an diesem Tag trocken. Kleinere Schlammschlachten bleiben den jungen Soldaten damit erspart.

Im Gefecht müssten Geil und die übrigen jungen Soldaten auf diese Weise einen Verletzten aus der Gefahrenzone bringen. Schlepp- und Bergetricks gehören zur Sanitätsschulung, ein deutlich erweiterter Erste-Hilfe-Kurs.

Am Ablauf der Grundausbildung hat sich auch nach dem Ende der Wehrpflicht nichts verändert. Während der ersten drei Wochen erleben die Freiwilligen ebenso anstrengende Tage in der Kaserne wie bisher die Wehrdienstleistenden. Doch Hauptmann Tobias Krämer, Chef der 6. Kompanie, hat bereits einen Unterschied bemerkt: „Der Motivationsgrad der Freiwilligen ist deutlich höher.“

 

Krämer macht das am Krankenstand in der Kompanie fest. Der sei so niedrig wie noch nie während der Zeit der Wehrpflicht. Dass die Freiwilligen mit mehr Ernst und Einsatzfreude an ihre Ausbildung herangehen, ist auch den übrigen Vorgesetzten aufgefallen. Warum gehen junge Männer überhaupt freiwillig zum Bund, jetzt, wo die Wehrpflicht kein Thema mehr ist?

„Es gibt mehr Geld und einen sicheren Job“, „Ich muss weg vom Schultrip und lerne dort Disziplin“ oder einfach nur Neugier sind die Gründe, die einige der Stadtallendorfer Rekruten im Gespräch mit dieser Zeitung angeben. Immerhin zahlt die Bundeswehr während der ersten sechs Monate steuerfreie 1.003,50 Euro Wehrsold, mehr als zu Zeiten der Wehrpflicht.

Dennoch, 7 der 57 Männer, die ihren freiwilligen Dienst am 1. Juli in der Herrenwald-Kaserne angetreten haben, haben von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht. Während der ersten sechs Dienstmonate haben die Freiwilligen und die Bundeswehr die Möglichkeit dazu.

von Michael Rinde

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