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Ostkreis Ein Leben wie in einer Großfamilie
Landkreis Ostkreis Ein Leben wie in einer Großfamilie
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16:26 11.03.2018
Junge Flüchtlinge spielten 2016 Kicker in der früheren Gaststätte. In den Räumen soll nun eine Jugendgruppe entstehen. Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch
Halsdorf

Wie angekündigt kam Ben Schwieder, Geschäftsführer von Social Services Schwieder, am Donnerstagabend zur Sitzung des Ortsbeirates Halsdorf. Schwieder stellte die Absichten und Pläne für die neue „Jugendgruppe Halsdorf“ vor (die OP berichtete). Das Interesse in der Öffentlichkeit am Thema war gering. Nur vier Zuhörer waren gekommen.

Als Schwieder vor inzwischen rund drei Jahren über die Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge informiert hatte, waren alle Besucherplätze belegt. Die Clearingstelle war – wie künftig nun die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche – in der ehemaligen Halsdorfer Gaststätte „Zur goldenen Aue“ untergebracht. Das Gebäude gehört Social Services Schwieder. Das Unternehmen betreibt Wohngruppen im Kreis Waldeck-Frankenberg wie auch im heimischen Landkreis.

Jungen Menschen soll die Rückkehr in ihre Familien ermöglicht werden

Die „Clearingstelle“ hatte junge Flüchtlinge ohne Begleitung während ihrer ersten Wochen in Deutschland begleitet. In der neuen Wohngruppe sollen neun bis maximal zehn Kinder und Jugendliche ein Heim finden. Es geht um junge Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren Familien leben können.

Ein Ziel der Betreuung soll es sein, ihnen eine Rückkehr in ihre Familien zu ermöglichen. So erklärte es Schwieder am Donnerstagabend. Doch der erfahrene Gruppenbetreiber weiß auch, dass es Schicksale gibt, bei denen eine Rückkehr zur Familie nicht mehr möglich ist. Auch Kinder und Jugendliche, die zu ihrem Wohl aus ihren Familien genommen werden mussten, können in der Halsdorfer Gruppe leben.

Intensive Begleitung rund um die Uhr, sieben Tage die Woche

Wie bei der Clearingstelle wird es eine intensive Begleitung rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche geben. Die Erzieher übernehmen die Betreuung, eine „Mama des Hauses“ das Tagesgeschehen wie zum Beispiel das Kochen. Schwieder wünscht sich, dass die jungen Menschen sich zumindest wie in einer Familie fühlen können. Alle Bewohner der Gruppe werden in umliegenden Schulen unterrichtet werden. Eine pädagogische Betreuung einschließlich einer Hausaufgabenhilfe ist Bestandteil des Wohngruppenkonzeptes.

Geplant ist die Jugendgruppe für Jungen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren. Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit, Mädchen in Zimmern auf einer eigenen Etage unterzubringen und eine gemischte Gruppe zu schaffen. „Ob es dazu kommt, hängt vom Bedarf und der Nachfrage ab“, sagte Schwieder.

Lob für intensive Hilfe

In der Regel verbringen die Jugendlichen drei bis sechs Monate in derartigen Jugendgruppen. „Es ist aber auch denkbar, dass sie bis zum 18. Lebensjahr dort bleiben“, erläuterte Schwieder in der Ortsbeiratssitzung.

Auch die Aufnahme von Vollwaisen wäre möglich. Ben Schwieder  würdigte am Donnerstagabend die breite ehrenamtliche Hilfe seinerzeit für die jungen, unbegleiteten Flüchtlinge. Für die Unterstützung der Clearingstelle hatte sich eigens ein Arbeitskreis gebildet. „Das war einfach toll“, lobte er. Hilfe können auch die deutschen Jugendlichen brauchen, die nun in der Wohngruppe leben werden. Schwieder hofft auf Angebote der Vereine in Wohratal, insbesondere in Halsdorf.

Eröffnung ab dem 1. April geplant

Wann genau die Gruppe in Halsdorf startet, ist noch nicht klar. Für einen Beginn sind laut Schwieder sieben Bewohner nötig. Er möchte gerne ab dem 1. April mit der Arbeit in der früheren Gaststätte beginnen. Ortsvorsteher Willi Schollmeier wollte wissen, was passiert, wenn die Zahl der Bewohner für einen Gruppenbetrieb nicht ausreicht. Er fragte Schwieder nach einem „Plan B“ für das Gebäude für diesen Fall. „Das ist bereits unser Plan B“, erläuterte der Geschäftsführer von „Social Services“.

Für den Fall, dass es nicht genügend Anmeldungen für die Wohngruppe gibt, will er nach einer anderen Verwendung für das Gebäude suchen. Ausdrücklich betonte Schwieder, dass das Personal in der Gruppe, wie auch er selbst, immer ansprechbar für alle Fragen und Anregungen von Nachbarn und Anliegern seien.

Außerdem legte der Halsdorfer Ortsbeirat einen Termin für den nächsten Aktionstag fest. Er soll am 16. Juni stattfinden. Die ehrenamtlichen Helfer auf dem Friedhof wollen ihre Arbeiten unabhängig davon in den nächsten Wochen fortsetzen.

von Michael Rinde