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Ostkreis Jüdisches Leben wird gegenwärtig
Landkreis Ostkreis Jüdisches Leben wird gegenwärtig
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17:38 05.10.2015
Der Künstler Gunter Demnig setzt Stolpersteine auf der Alten Heerstraße, während Pfarrerin Anja Fülling Kerzen entzündet. Fotos: Matthias Mayer
Josbach

Der heutige Rauschenberger Stadtteil war ein Zentrum, des jüdischen Lebens im Raum Rauschenberg. Das wurde gestern früh wieder sehr gegenwärtig, als Gunter Demig mit Unterstützung durch Rauschenbergs Bauhof-Chef Heiko Knöppel Löcher in den äußerst widerstandsfähigen Josbacher Asphalt brach. Das Setzen der Messingsteine mit den Lebensdaten der Opfer übernahm der Meister allein - begleitet von einer geradezu kontemplativen Stille der rund 30 Augenzeugen.

War ein Gedenkfeld fertig, stellte Pfarrerin Anja Fülling Fotos der Opfer auf und entzündete Kerzen. Die Gitarrengruppe Joach spielte und sang christliche und jüdische Friedenslieder, dazu das von Regina Schade eigens geschriebene Stolperstein-Lieder. Und Michael Dorhs gab die Lebens- und Leidengeschichte der Opfer wider.

Meta Kadden lebte in einem Haus, das es nicht mehr gibt. Es befand sich direkt an der heutigen Bushaltestelle Josbach-Mitte. Sie wurde 1941 im Alter von 50 Jahren ins Ghetto Riga deportiert und am 12. Dezember 1944 in Stutthof ermordet. Diesem Schicksals entging ihre Mitbewohnerin Klemmi Edelmuth 1937 durch Flucht in die USA.

Hermann Kadden betrieb mit seiner aus Elmshausen stammenden Frau Bertha einen laden für Manufakturwaren in Josbach. Die Eheleute und deren jüngste Tochter Edith Senta wurden 1941 nach Riga deportiert und ermordet. Ihr ältester Sohn Hermann floh 1939 in die USA. Ihre Tochter Martha wurde 1943 Opfer der Deportation, überlebte sowohl Auschwitz als auch das KZ Ravensbrück, wurde befreit und lebt heute 92-jährig in den USA. In ihren Lebenserinnerungen schreibt sie, wie sehr ihr Vater als Weltkriegsteilnehmer darunter gelitten habe, dass er und seine deutsch lebende und denkenden Familie allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt worden seien.

Die Familie Fain war ebenfalls an der Alten Heerstraße in dem heute nicht mehr existierenden Haus Nummer 59 zuhause. Hans Fain hatte in die Familie Steinfeld eingeheiratet, die dort eine weithin bekannte Matzen-Bäckerei betrieb. Unter Matzen versteht man ungesäuertes Brot, das von Angehörigen jüdischen Glaubens während der Pessach-Woche als einzige Brotsorte verzehrt werden darf. Die Eheleute Hans und Frieda Fain flogen 1939 mit mit ihren Kindern Selma und Alfred nach Argentinien, ihr ältester Sohn Hermann setzte sich nach England an. „Beide Söhne besuchten später noch einmal Josbach“, erinnert sich Zeitzeuge Wilhelm Kuche, der alle Josbach Juden noch persönlich kannte. „Mit Hermann bin ich damals bei seinem Besuch durch die Gegend gefahren. Er lebte damals als Farmer in Argentinien, während sein jüngere Bruder Alfred in Israel eine Eisenwaren-Handlung betrieb“, sagte Wilhelm Kuche gegenüber der OP.

Der letzte Stolperstein wurde ein Ortsausgang an der Lischeider Straße für Elisabeth Vestweber gesetzt. Die Josbacherin wurde als 18-Jährige 1936 von den Nazis zwangssterilisiert. „Das war und ist im ganzen Dorf bekannt. Nur gab es dafür keine verlässliche Quelle. Diese zu finden erwies sich als schwierig“, sagte Pfarrerin Anja Fülling für den Josbacher Arbeitskreis Stolpersteine. Warum dieses Verbrechen an der jungen Frau, die 2002 als Elisabeth Hösel verstab, verübt wurde, bleibt wohl für immer im Dunklen.

Insgesamt sollen in Josbach 29 Stolpersteine an die dunkelste Zeit des Dorfes erinnern. Die noch fehlenden 16 Stolpersteine werden nach Auskunft von Bürgermeister Michael Emmerich Mitte kommenden Jahres gesetzt. Diese hatte eingangs das große Engagement für das Projekt gewürdigt und dabei insbesondere den Arbeitskreis Stolpersteine um Anja Fülling und Michael Dorhs hervorgehoben.

von Matthias Mayer

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