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21:00 12.04.2013
Rüdiger Edinger leidet unter Leukämie, was er seit Ostern weiß. Für ihn haben Daniella Csertöi (links) und Ruth Ebert eine Typisierungsaktion organisiert, um mögliche Stammzellenspender zu finden. Fotos: Privat/Michael Rinde
Stadtallendorf

Sein Zimmer darf Rüdiger Edinger nicht verlassen, der Besuch ist auf seine Familie beschränkt. Er hat gerade seine erste Chemotherapie erhalten, fühlt sich „müde, schlapp, kaputt“, wie er der OP am Telefon erzählt. Der 62 Jahre alte Neustädter leidet an Leukämie. Das erfuhr er vier Tage vor Ostern. Er liegt in der Marburger Universitätsklinik.

Daniella Csertöi, eine Arbeitskollegin von Rüdiger und seine Tochter Ruth Ebert haben seit etwas mehr als zwei Wochen alle freie Zeit und alle Kräfte darauf konzentriert, eine Typisierungsaktion für den Erkrankten auf die Beine zu stellen. Sie sind inzwischen „auf der Zielgeraden“. Am 20. April läuft diese Typisierung, verbunden mit der großen Hoffnung, einen Stammzellenspender für Rüdiger zu finden - oder für einen anderen schwer erkrankten Menschen.

Csertöi und Ebert berichten der OP, was sie in den zurückliegenden Tagen alles in ganz enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) organisiert haben. Sie haben in der Praxis Küllmer in Kirchhain die nötige ärztliche Unterstützung für die Aktion, Unternehmen spenden Geld, Bäckereien die Brötchen, Metzger die Wurst dazu. 40 freiwillige Helfer werden am 20. April in der Mehrzweckhalle bei der Blutabnahme bei potenziellen Stammzellenspendern im Einsatz sein.

Rüdiger Edinger sei in Neustadt und weit darüber hinaus „bekannt wie ein bunter Hund“, sagt seine Tochter. Er war Spieß bei der Bundeswehr, engagiert sich in neuapostolischen Kirchengemeinden, im Fischereiverein. „Mein Vater war immer hilfsbereit. Er gäbe sein letztes Hemd, wenn er einem anderen damit helfen könnte“, sagt seine Tochter. Dass ihr Vater jetzt selbst auf Hilfe angewiesen ist, war für ihn zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Er selbst formuliert es so: „Damit habe ich nie gerechnet. Selbst, wenn für mich nichts dabei herauskäme, wird mit dieser Aktion sicher Menschen geholfen“.

40 freiwillige Helfer, Plakate und Tombolapreise

Auf den Internetseiten der Städte Stadtallendorf und Neustadt stehen Hinweise auf die Typisierungsaktion, mehr und mehr Plakate hängen in der gesamten Region. Eine Druckerei hat gerade 2500 Flugblätter geliefert, kostenfrei im Dienste der guten Sache.

Wer sich am 20. April in der Mehrzweckhalle typisieren lässt, soll sich dabei auch wohlfühlen, deshalb gibt es Verpflegung, Unterhaltung für Kinder und eine große Tombola. Jedes Los soll dabei gewinnen, alle Einnahmen kommen der DKMS zugute. Alle Preise, die am Samstag in einer Woche unter die Menschen gebracht werden sollen, sind ebenfalls Spenden.

Am 16. März gab es bereits eine große Typisierungsaktion in Wasenberg, an der sich rund 700 Menschen beteiligten. „Wir wollen mindestens ebenso viele zusammenbringen“, sagt Daniella Csertöi. Ruth Ebert freut sich im Moment vor allem über die tolle Unterstützung, die sie schon bekommen hat und verbreitet Zuversicht: „Wir bekommen das alles hin. Und wir helfen meinem Vater oder jemand anderem damit.“

Wer sich typisieren lässt, geht damit für sich keinerlei gesundheitliches Risiko ein, muss sich aber natürlich im Klaren darüber sein, irgendwann von der DKMS Post zu bekommen. Dieses „irgendwann“ kann auch noch Jahre dauern. Dann wird derjenige gefragt, ob er zu einer Stammzellenspende bereit ist. Ob Rüdiger Edinger am Ende wirklich selbst eine Stammzellenspende brauchen wird, ist noch nicht endgültig klar. Seine Gewebemerkmale wurden aber bereits an die DKMS übermittelt.

Zunächst wartet er auf die Resultate der Chemotherapie. Bis zu sechs Wochen wird er im Krankenhaus bleiben müssen. Wer sich typisieren lassen möchte, sollte sich am Samstag, 20. April, zwischen 10 und 16 Uhr in der Mehrzweckhalle in Stadtallendorf einfinden.

Weitere Informationen zur DKMS und den Möglichkeiten, sie zu unterstützen, gibt es auch im Internet unter der Adresse www. dkms.de.

von Michael Rinde

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