Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Jede Menge Unrat unter Wasser
Landkreis Ostkreis Jede Menge Unrat unter Wasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 18.04.2018
Ein verrosteter Tretroller wurde bereits aus dem Morast des Marli-Teichs gefischt – darin befindet sich aber noch viel mehr Unrat.  Quelle: Florian Lerchbacher
Stadtallendorf

Die Anwohner des Marli-Teichs sind schon ganz ungeduldig. „Wann geht‘s denn endlich los?“, fragt ein Nachbar, als er sieht, dass Fotos gemacht werden. Die Antwort: „Da ich nicht von der Stadt bin, kann ich Ihnen das zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht sagen“, stimmt ihn weniger glücklich.

Mit einem Schulterzucken zieht der Mann von dannen und ärgert sich noch über den ganzen Müll, der am Wochenende beim Abpumpen des Wassers zum Vorschein kam. „Wer macht so etwas?“, murmelt er noch eine rhetorische Frage zum Abschluss des Kurzgesprächs.

Mitglieder des Baubetriebshofs der Stadt und des Angelvereins haben am Wochenende das Wasser abgelassen. Am Wochenende, weil da die ehrenamtlichen Helfer Zeit hatten, erläutert Fachbereichsleiter Klaus Hütten die eher ungewöhnliche Zeit für ein solches Projekt.

Goldfische sollen gerettet werden

Zum Vorschein kam ein trauriges Bild: Im Laufe der Jahre hatten Unbekannte diverse Autoreifen, ein Fahrrad, eine Sporttasche (mit unbekanntem Inhalt), einen Tretroller, eine Tastatur, ein Waschbecken, Schuhe, jede Menge Leergut und anderen Müll im Teich entsorgt. „Leider kennen wir es, dass die Menschen überall im Stadtgebiet allerlei Unrat hinterlassen“, bedauert Hütten und ergänzt: „Die Kollegen vom Baubetriebshof räumen das dann weg – aber es ist natürlich an solch einer Stelle schwierig: Was man nicht sieht, kann man nicht wegmachen.“

Fische im Marli-Teich. Foto: Lerchbacher

Entsprechend liegt noch einiger Müll im Matsch und den Resten des Wassers, durch das auch noch zahlreiche Goldfische schwimmen. Dabei haben die zehn Helfer­ des Angelvereins schon zahlreiche Fische aus dem Teich geholt, erklärt Hütten und betont: „Wir haben eine ökologische Baubegleitung. Schon im Gutachten steht, dass richtig viel Fische im Marli-Teich leben.“ Wahrscheinlich haben ihn Bürger dazu genutzt, ihre Aquarien zu entvölkern.

Die Diskussionen um den Teich im Iglauer Weg dauern bereits zahlreiche Monate. Selten diskutierten die Stadtverordneten ein Thema derart intensiv und kontrovers. 

Anfang des Monats fällte der Bauhof bereits einige beschädigte Bäume. Nun ging die Stadt Schritt zwei in Richtung der Sanierung. Ende des Monats prüft sie die eingereichten Angebote von Baufirmen, von denen eine­ den Zuschlag erhält.

Hütten: "Wir sind nicht schockiert"

Geplant ist, den Teich zu sanieren und ­seine Umgebung einschließlich der Uferwege wieder in einen zeitgemäßen, optisch ansprechenden Zustand zu versetzen. Vorgesehen ist, die vorhandenen Wege zu asphaltieren beziehungsweise zu pflastern. Außerdem sind eine Neubepflanzung und eine entsprechende Wegbeleuchtung geplant. Auch der Teich erhält dabei neue Wasserpflanzen.

Wichtig beim Ablassen des Wassers war, zu sehen, wie es um die Ufermauer bestellt ist. „Wir sind nicht schockiert“, sagt Hütten und stellt heraus: „Vom Grundsatz her ist das Bild so, wie erwartet. Und wir wussten ja bereits, dass die Stützmauern problematisch sein könnten: „Aber auch der Pumpendom sieht nicht gut aus.“

Die Stadt will als Nächstes die Teichanlage absperren, so dass niemand auf die Idee kommt, in den Matsch zu steigen und etwas aus dem Teich herauszufischen. „In den nächsten Tagen“ will der Planer die Lage genauer begutachten. „Und dann müssen wir zusehen, ein leistungsfähiges Unternehmen zu finden“, schließt Hütten. Wie hoch die Kosten sind, steht noch nicht fest.

von Florian Lerchbacher