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Ostkreis Jäger in der Welt der bunten Bilder
Landkreis Ostkreis Jäger in der Welt der bunten Bilder
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09:33 28.05.2010
Er ist „Einer von hier“: Henk Wyniger ist in Marburg aufgewachsen, hat dort seine Laufbahn als Illustrator begonnen und arbeitet inzwischen sehr erfolgreich in seinem Atelier in Düsseldorf. Quelle: Privatfoto

Marburg. Wenn er einen Supermarkt betritt, lässt er immer etwas mitgehen. Er kann einfach nicht anders. Er sammelt Ideen. Vergleicht, speichert, denkt und mustert. Er sieht die Packungen in den Regalen mit anderen Augen, damit wir mit anderen Augen gezielter ins Regal greifen. Keine Sorge: Henk Wyniger macht keine langen Finger. Zwischen Chips und Zahnpasta zückt er höchstens den Skizzenblock, um einen Geistesblitz festzuhalten. Der Ex-Marburger Wyniger illustriert seit mehr als zehn Jahren erfolgreich Werbung und Werbemittel, er erfindet Charaktere und gestaltet Verpackungen.

Kein Discounter, kein Fachmarkt kommt ohne mindestens ein Produkt aus, das seine Handschrift trägt. Die meisten Geschäfte sind voll mit Verpackungen, die er geschaffen oder entwickelt hat. Rund 60 Tierchen und Figürchen stammen aus seiner Feder, die meisten davon strahlen uns von Schokoladen-Tafeln (Sarotti), Knabbergebäck (Chio Chips, Funny Frisch) oder Kaustreifen (Fritt Kaubonbons) entgegen. Die Namen der tierischen Helden lassen ahnen, dass er als Designer auf den Geschmack der Kinder zielen muss, um die Generation der Eltern zu treffen: Der POM-BÄR, Lilly und Criss-Cross, das Theramed-Krokodil, Mr. Fritt, der Alpia Mountie oder das Goldfischli sind nur einige seiner Geschöpfe, die uns in der Reklame begegnen. Zu den Kunden seines Düsseldorfer Ateliers zählt Henk Wyniger inzwischen etliche große und namhafte Firmen aus der Lebensmittelindustrie.
Am längsten und intensivsten begleitet ihn zweifelsohne ein knuddeliger Kinderchips-Kumpan, aus dem auch dank seiner Arbeit eine international bekannte Marke geworden ist: der POM-BÄR. „Seit zwölf Jahren verfolgt er mich auf Schritt und Tritt. Ich träume ständig von ihm“, räumt Wyniger ein. Gestaltungen für Webseiten, Kampagnen, verschiedenste Werbemittel und Verpackungen – der gelbe Grinsebär allein lastet ihn schon bestens aus.
Doch nicht mit jeder Schönheitskorrektur an seiner Kernfigur ist er einverstanden und andere Macken hätte er bei freier Hand längst bereinigt. „Am POM-BÄR würde ich einige Dinge ändern. Aber das entscheidet nun einmal der Kunde und nicht ich“, sagt der 44-Jährige, der sich seiner Rolle im „hektischen Werbezirkus“ sehr bewusst ist. Sein Geld verdient er damit, Wünsche, Vorgaben und Aufträge seiner Kunden zu erfüllen und nicht damit, seine künstlerischen Freiheiten auszuleben. „Die Werbung ist der einzige Beruf, in dem man sein Geld dafür bekommt, weil man Dinge schlechter macht, als man es eigentlich könnte“, sagt Henk Wyniger mit einer gesunden Portion kritischer Distanz.

Wenn er sich selbst und seine Ideen verwirklichen möchte, findet er in der „Regelmäßigen Flächenaufteilung“ nach M. C. Escher ein kreatives Ventil. „In diesen komplexen Arbeiten finde ich einen guten, fast meditativen Ausgleich und sie bringen mich zeichnerisch weiter“, begründet Wyniger seine Leidenschaft.
Seine Vorliebe für das Zeichnen hat er nach eigenen Worten von seiner Mutter geerbt. „Sie hat schon sehr früh damit angefangen, mit mir zu malen und zu zeichnen und sie hat mich auch zu diversen Volkshochschul-Kursen mitgenommen“, erinnert er sich. Zur Einschulung 1972 war Wyniger mit seiner Familie von Bern über Bochum nach Marburg umgezogen, da sein Vater dort eine Professur als Soziologe antrat. Bis heute leben seine Eltern in der Universitätsstadt. Seine jüngere Schwester arbeitet als freie Journalistin in Köln für den WDR (Hörfunk), sein älterer Bruder lebt in Oberweimar. Als Pilot der Cargo Lux fliegt er heute Frachtgüter um die Welt. Und eröffnete seinem Bruder Henk vor vielen Jahren eine neue Welt: die der bunten Bilder. Mit einer beiseite gelegten Erstausgabe der Abenteuer von „Tim & Struppi“ (in diesem Fall: „König Ottokars Zepter“) entfesselte er bei Henk eine wahre Leidenschaft für den kleinen Reporter und legte unwissentlich auch stilistische Grundlagen: „Ich begann bald damit, diesen Zeichenstil zu kopieren. Der einzigartige Strich von Hergé prägt mich bis heute“, sagt Henk Wyniger.
Auch wenn er es nach eigenen Worten immer wieder einmal bereut hat, Marburg verlassen zu haben, war dieser Schritt aus beruflicher Sicht doch alternativlos: „Ich habe das große Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Doch die großen Kunden und Agenturen sitzen nun einmal nicht in Marburg. Deshalb musste ich dieser schönen Stadt den Rücken kehren“, sagt Wyniger mit etwas Wehmut.
Nach wie vor kehrt er aber gern und regelmäßig zurück, genießt die freie Zeit in der Oberstadt mit ihren vielen Kneipen und kleinen Geschäften. Schließlich gehörte ihm jahrelang eines davon mit: Erst Ende vorigen Jahres stieg er als Co-Betreiber des Ladens „Comics, Kitsch und Kunst“ aus.
Anlässlich des Jubiläums-Hessentages zieht es ihn auch künstlerisch zurück in seine Heimat: Für die Oberhessische Presse entwarf er die beiden oben abgebildeten charmanten Charaktere, die an das echte Hessentags-Paar angelehnt sind und ab heute viele Produkte der OP-Kollektion zieren.
Die Produkte, darunter zum Beispiel Pins, T-Shirts, Tassen, Schürzen oder Postkarten, sind ab sofort in unseren Geschäftsstellen in Marburg und natürlich an den beiden Ständen der OP beim Hessentag in Stadtallendorf erhältlich.

von Christoph Linne

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