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Investor stellt sich der Diskussion

Tankstelle Investor stellt sich der Diskussion

Für Karsamstag hatten die Tankstellen-Gegner zu einem "Spaziergang" zum potenziellen Tankstellen-Standort eingeladen. Bei nasskaltem Wetter blieb die Teilnehmerzahl überschaubar.

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Investor Richard Lagotka (Mitte) diskutierte mit den Tankstellen-Gegnern seine Pläne.

Quelle: Karin Waldhüter

Amöneburg. Knapp 30 Menschen waren der Einladung der Bürgerinitiative gefolgt und zum Treffpunkt an die Lindaukapelle gekommen. Nach der Infoveranstaltung im Februar hatte die Initiative erneut eingeladen, um direkt vor Ort die Gründe, die aus ihrer Sicht gegen eine Tankstelle sprechen, vorzustellen und mit den Gästen zu diskutieren. Investor Richard Lagotka nahm an dem Treffen teil und stellte sich den Diskussionen.

Die Initiative habe das Gefühl, nicht über alles informiert zu sein und wolle darauf hinwirken, dass Vor- und Nachteile auf den Tisch kämen, so Winfried Nau im Gespräch mit der Oberhessischen Presse vor Beginn der Veranstaltung. „Wir wollen zeigen, dass nicht alle Bürger einverstanden sind und werden von vielen ermuntert“, unterstrich Nau. 150 Unterschriften hat die Initiative bisher gesammelt. „Deshalb bleiben wir dran“, bekräftigt Andreas Möller-Forst.

Es gebe einen neuen Aspekt, der eine nähere Betrachtung notwendig mache, meinte Nau. Der Investor sei Mitglied bei der auf Lastwagen-Logistik spezialisierten Plattform „Tankpool24“. Dabei sei der Betrieb von 22 bis 6 Uhr als Automatentankstelle vorgesehen. Deshalb befürchte die Initiative eine Mehrbelastung durch Lastwagen und überregionalen Verkehr. Mit den geplanten Tankmöglichkeiten für Autos, Lastwagen und Landmaschinen sei es nicht möglich, dass die Tankstelle „klein“ ausfalle, lautet ein weiteres Argument der Gegner. Mit 3700 Quadratmetern sei das Gelände doppelt so groß wie das bereits 1999 gerichtlich abgelehnte Gelände in der Nähe.

Kritisch gesehen wird von der Initiative auch die mit dem Bau verbundene Entwertung des landschaftlichen Erscheinungsbildes, die Versiegelung der Fläche und der im Projektantrag erwähnte Bezug zum Projekt „ATMEN“. Zudem befürchten die Gegner, dass weitere Gewerbeansiedlungen folgen werden.

Nau betonte zu Beginn, dass es sich bei der Veranstaltung nicht um eine Demonstration, sondern um einen „Spaziergang“ handele. Diskutiert wurden im Verlauf Vor- und Nachteile des Baus am Amöneburger Kreisel. Die Verlegung des Radwegs und die Möglichkeit, auf kurzem Weg zu tanken, führte Investor Lagotka als Gewinn für die Radfahrer und als Argumente an, die für eine Tankstelle sprechen. Nach der Verlegung wird der Radweg aufgrund neuer Richtlinien doppelt so breit sein.

Haupteinnahmequelle soll das Tagesgeschäft werden

Die Notwendigkeit einer Tankstelle zweifelte Dr. Frieder Schwarzinger an. Er verglich die Tankstellendichte mit der in Kassel und kritisierte die von Seiten des Investors mitgebrachten Pläne als nicht maßstabsgerecht.

„Ein Hauptproblem sehe ich darin, wie bisher informiert wurde“, erklärte Reinhard Forst. Die Befürchtung stehe im Raum, so Forst, dass es um die Versorgung von Lastwagen gehe, die in der Nacht tankten. Lagotka bekräftigte, dass die Tankstelle nicht auf den Verkehr von der Bundesstraße 62 abziele und erläuterte, dass man, anders als in Kirchhain, die Tanksäulen nicht mehr hintereinander anbringe, sondern heute in die Breite baue. Mit dem Plan einer Spur für Lastwagen- und Landmaschinen habe er auf eine Anfrage des Wasser- und Bodenverbands, der auf seinem Gelände eine eigene Tankstelle für Landmaschinen betreibe, reagiert, so der Investor.

Es werde keine Stellplätze für Lastwagen geben, sicherte Lagotka mit einem Verweis auf den vorhabenbezogenen Bauplan zu. Stellplätze zum Übernachten würden nicht gebaut. Derzeit betreibe er sechs Tankstellen, fünf davon liefen rund um die Uhr - und die Haupteinnahmequellen lägen nicht in der Nacht, sondern beim Tagesgeschäft.

„Amöneburg braucht Tourismus und keine Tankstelle. Eine Tankstelle passt nicht hierher, egal wie groß sie wird“, ereiferte sich eine Besucherin aus Marburg. Befürchtungen, dass der Bau der Tankstelle nur der Anfang sei und Amöneburg seine Einzigartigkeit verliere, gab Dr. Annette Schick zu bedenken.

Je mehr dagegen geredet werde, umso sicherer werde er die Tankstelle bauen, erklärte Lagotka. Er betonte Amöneburg auch toll zu finden, immer mit offenen Karten gespielt zu haben und naturkonform bauen zu wollen.

„Für mich ist das die Verletzung eines Kleinods, wir haben hier die Störche, die bejubelt werden. Warum ausgerechnet hier, warum diese Begehrlichkeit und warum nicht ein paar Meter weiter?“, lautete eine Frage von Gabriele Clement - die nun auf einen Beschluss von Amöneburgs Gremien hofft und „auf deren Weitsicht“.

Jetzt gelte es abzuwarten wie das Landschaftsgutachten ausfalle, erläuterte Nau die weitere Vorgehensweise der Initiative. Weiter Kontakt werde mit dem BUND, Nabu, der HGON, der Unteren Naturschutzbehörde und all denen gehalten, denen die Natur wertvoll sei. Weiter ging die Veranstaltung mit Informationen rund um die nahegelegene Waschbach und die Lindaukapelle durch Reinhard Forst.

von Karin Waldhüter

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