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In der Stille des Mardorfer Waldes

Windenergie In der Stille des Mardorfer Waldes

Als Sven Kunze gestern im Mardorfer Wald das Modell eines Windrades aufbaute, brach dieses gleich wieder zusammen. Die echten Windräder sind stabiler, versprach der Vertreter der Firma Juwi.

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Michael Richter-Plettenberg (oben, von links) und Sven Kunze sprachen mit Kindern und Eltern über ihre Pläne.Fotos: Lerchbacher

Mardorf. In drei Wochen will die Firma Juwi die Bauanträge für die Windräder im Roßdorfer Wald stellen. Heute spricht der Bürgermeister mit den Fraktionsvorsitzenden darüber, wie sich die Stadt an dem geplanten Windpark beteiligen soll, um möglichst viel daran zu verdienen. Gestern war das Projekt auch schon Thema - allerdings in ganz anderer Runde: Michael Richter-Plettenberg und Sven Kunze (Juwi) besuchten die Kinder und Eltern auf der Mardorfer Kuppe, die an der Waldwoche des Vereins „Junge Familien Mardorf“ teilnahmen, um mit ihnen über Windenergie zu sprechen.

„So welche wollen wir aber nicht“, lautete die Reaktion von Peter Lemmer auf das erste Windrad im Mardorfer Wald. Kunze hatte ein Modell aufgebaut, das direkt zusammenbrach - und darauf bezog sich der Kommentar des Vaters, der ein Befürworter des Energieprojektes ist: „Wenn man die Energiewende will, muss man damit klar kommen, dass Windräder in der Umgebung stehen.“

Eltern und Kinder zeigten sich sehr aufgeschlossen für die Pläne von Stadt und Unternehmen, für 80 Millionen Euro 16 Räder auf Windwurfflächen auf der Mardorfer Kuppe aufzustellen. Doch sie stellten auch kritische Fragen: Reicht der Wind überhaupt, fragte Birgit Lemmer und verwies auf die herrschende Windstille. Weit über den Wipfeln der Bäume wehe ein anderes Lüftchen, betonte Kunze, sprach von einer Windgeschwindigkeit von 6,1 Metern pro Sekunde und widmete sich der Technik der insgesamt 200 Meter hohen Anlagen. Das weckte das Interesse von Eric Lemmer, der sich über die Funktionsweise erkundigte. „Der Wind zieht an den eingedrehten Flügeln entlang. Hinter ihnen entsteht ein Unterdruck, der die Räder antreibt“, erklärte Kunze.

Ebenso groß war das Interesse an Bauweise und Aufbau. Die Waldwege müssten auf etwa vier Meter verbreitert und geschottert werden, erläuterte der Juwi-Vertreter und betonte, dies sei gut für die Bewirtschafter des Waldes. Sorgen seien unbegründet: Die Sattelschlepper hätten zwölf Achsen, auf die sich die Last verteile. Die Belastung sei also nicht höher als bei Holztransportern, fügte der Bürgermeister an und versprach, auch die Lebensdauer einer frisch sanierten Waldstraße werde durch den Verkehr nicht beeinträchtigt. Der „Lärm“ war natürlich ein Thema. In 200 Metern Entfernung liege die „Belastung“ bei etwa 50 Dezibel, sagte Kunze und erläuterte, dies entspreche der Lautstärke eines normalen Gespräches. „Und wenn der Wind weht, macht der Wald ja auch Geräusche, die jene der Windräder überdecken“, ergänzte Richter-Plettenberg.

Zwei Stunden hielten er und Kunze sich bei den Kindern im Wald auf, gaben bereitwillig und offen Auskunft und nahmen mit Sicherheit auch Ängste. Sorgen, dass er den Wald künftig nicht mehr genießen könne, mache er sich keine, resümierte zum Beispiel Hendrik Gockel: „Es ist eben erstmal ungewohnt.“

von Florian Lerchbacher

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