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Ostkreis Im Notfall hilft die Fantasie der Kinder
Landkreis Ostkreis Im Notfall hilft die Fantasie der Kinder
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06:16 05.05.2012
Das Stück „Tierhasser“ stammt aus der Feder der Kinder, die von Ellen Staufenberg Mengsberger Platt lernen.Fotos: Kai Erdel
Mengsberg

Zehn Jahre ist es her, dass Ellen Staufenberg die Mundart-AG an der Grundschule in Mengsberg ins Leben rief. Aus diesem Anlass gestalteten die Mitglieder der AG einen kurzweiligen Mundartnachmittag, den die Harmonika-Gruppe Mengsberg mit musikalischen Beiträgen ergänzte.

Vor zehn Jahren seien an der Grundschule Mütter gefragt worden, ob jemand eine Großmutter kenne, die Märchen auf Platt vorlesen könne. „Muss das denn eine Oma sein?“, erinnerte sich Staufenberg an ihre eigene Frage zurück. Dann habe sie sich selbst als Kandidatin angeboten.

Aus dem Vorlesen der Märchen entstand dann schnell die Mundart-AG, deren Leiterin Staufenberg auch blieb, nachdem ihr ältester Sohn die Schule verlassen hatte.

Beim ersten Auftritt hätten einige Mengsberger sich beschwert, die Sprache sei kein Mengsberger Platt gewesen. „Dann muss das jemand aus Mengsberg machen“, hatte die gebürtig aus Schrecksbach stammende Staufenberg geantwortet, die zudem noch Wasenberger Elemente und teilweise Fantasieplatt in der Mundartgruppe ausmacht. „Das ist eben so, als wenn sie ein Stück in Englisch proben und das dann vor lauter Engländern aufführen“, erklärte sie am Sonntag den Besuchern.

„Es gibt meist nur Mundart-Stücke für Erwachsene“, sagt Staufenberg, deren AG aber aus der Not eine Tugend machte und Stücke entwickelte, die in der Lebens- und Erlebniswelt der heutigen Kinder der Klassen drei und vier der Grundschule spielen.

So war der überwiegende Teil des Nachmittags auch mit selbst geschriebenen Stücken ausgefüllt, etwa dem Stück vom „Tierhasser“, der keine Hunde mag und letztendlich erfolgreich von zahlreichen Hundebesitzern und ihren Hunden vertrieben wird.

Das Eröffnungsstück war der „Verrückte Urlaub“, in dem Vater, Mutter, zwei Kinder sowie der Opa mit seiner Liebsten einen verrückten Urlaub erleben und bereits bei der ersten Rast die Bekanntschaft eines vorlauten Imbissbudenbesitzers, eines weichgespülten Rockers und eines Zirkusclowns machen.

Auch die Schule haben die Kinder in ihren Stücken verarbeitet. Dem Publikum wurde ein Montagmorgen in der Schule präsentiert, an dem die Kinder dem Lehrer von ihren Wochenenderlebnissen berichten - natürlich auf Platt, wie auch das Gedicht „Haste was, dann biste was“, das im Dialekt eine ungeheuer schwierige Sprachdynamik hat.

Da die Kinder neben ihren Mundartkenntnissen auch noch eine gehörige Portion humoristischen Talents besitzen, gab es am Sonntagnachmittag bei den vielfältigen Aufführungen zahlreiche Lacher und ein Publikum, das es garantiert nicht bereute, gekommen zu sein.

von Kai Erdel

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