Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 13 ° heiter

Navigation:
„Ich knall‘ mir jetzt die Birne zu“

Alkohol „Ich knall‘ mir jetzt die Birne zu“

Kann sich ein 95 Kilo schwerer Mann innerhalb von 20 bis 30 Minuten einen Promillewert zwischen 3,6 und 4,04 antrinken? Das Kirchhainer Amtsgericht beantwortete diese Frage am Dienstag, gestützt auf einen Gutachter, mit einem Nein.

Voriger Artikel
Plötzliches Parkverbot ärgert Anwohner
Nächster Artikel
Autofahrer schläft Rausch vor Polizei aus

Ein Mann trinkt auf diesem gestellten Foto aus einer Schnapsflasche. In zwei Zügen will der Angeklagte nach einem Verkehrsunfall eine solche Flasche geleert haben.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug verurteilte einen 42-jährigen Rauschenberger wegen fahrlässiger Verkehrsgefährdung und vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit Unfallflucht zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro – 60 Tagessätzen à 50 Euro.

Seinen Führerschein kann der Mann in acht Monaten neu beantragen. Krug folgte damit dem Strafantrag des Staatsanwalts. Der Verteidiger des Angeklagten hatte Freispruch gefordert. Ursprünglich musste sich der Mann nach einem glimpflich verlaufenen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, der sich am 29. Dezember 2009 zwischen Wolferode und Rauschenberg-Ernsthausen ereignet hatte, wegen einer Rauschtat in einem Zustand der Schuldunfähigkeit verantworten.

Denn bei einer gut zwei Stunden nach dem Unfall erfolgten Blutentnahme war bei dem Mann ein extrem hoher Promillewert von 3,41 festgestellt worden. Hochgerechnet lag der Promillewert zum Unfallzeitpunkt bei 4,04. Der Angeklagte gab jedoch an, in den drei Tagen vor dem Unfall keinen Tropfen Alkohol getrunken zu haben.

Aus Frust über das Unfallereignis und die Weigerung des Unfallgegners, sich ohne Polizei zu einigen, will er nach dem Bagatelleunfall mit einer Schadenshöhe von 1.060 Euro innerhalb von 20 bis 30 Minuten eine 0,7-Liter-Flasche Wodka in zwei Zügen sowie zwei Flaschen Bier getrunken haben.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war der Angeklagte am 29. Dezember 2009 gegen 16.50 Uhr mit seinem Pkw auf der verschneiten Landesstraße zwischen Wolferode und Ernsthausen unterwegs. Etwa 700 Meter vor dem Ortseingang von Ernsthausen geriet er in einer Rechtskurve mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn und touchierte dort ein entgegenkommendes Fahrzeug.

Dessen Fahrer war im Angesicht der Gefahr noch auf den rechten Randstreifen ausgewichen, wie er vor Gericht aussagte. An beiden Autos wurden die Außenspiegel abgerissen. Der Unfallverursacher will den Knall als runterfallenden Eisblock gedeutet haben und fuhr weiter.

Der geschädigte Autofahrer wendete, verfolgte den Unfallflüchtling und stellte ihn vor dessen Haus zur Rede. Die Unfallbeteiligten diskutierte vor dem Haus, ein Nachbar kam hinzu. Der Geschädigte, der bei seinem Unfallgegner Alkoholgeruch und unsichere Bewegungsabläufe wahrnahm, bestand darauf, die Polizei hinzu zu ziehen.

von Matthias Mayer

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr