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„Ich habe zwei Jahre weggeschmissen“

Projektowche zur Gewaltprävention „Ich habe zwei Jahre weggeschmissen“

Welche Folgen hat eine Gewalttat? Bei einer Projektwoche beschäftigten sich die Schüler der Klassen R9b und R9c der Georg-Büchner Schule mit dem Thema „Gewalt und Gewaltprävention“. 

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Wolfgang Rother von der Justizvollzugsanstalt Rockenberg berichtete Stadtallendorfer Schülern über den Gewaltkreislauf und den Gefängnisalltag.

Quelle: Karin Waldhüter

 Stadtallendorf. Auf diese Fragen bekamen die Schüler der Georg-Büchner-Schule Antworten aus erster Hand: Was bedeutet es, zwei Jahre seines Lebens im Gefängnis zu verbringen? Was passiert emotional mit dem Täter während der Tat? Welche Arten von Gewalt gibt es und wie kann der Gewaltkreislauf durchbrochen werden?

Wolfgang Rother und Petra Maciosek, zwei Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Rockenberg und zwei jugendliche Inhaftierte, denen eine Lockerungsberechtigung erteilt worden war standen 40 Schülern Rede und Antwort.

Oberstes Ziel der Projektwoche war die Vorbeugung, das machte Klassenlehrerin Michaela Tepe deutlich. „Den Schülern soll deutlich gemacht werden, wohin Gewalt führen kann wenn ich sie ausübe und wie ich Gewalt im Vorfeld entgegenwirken kann“, betonte sie.

Gemeinsam mit den Lehrerinnen Ute Schmidt, Barbara Kasper und Referendarin Carmen Greßnich hatten die Schüler im Vorfeld Fragen erarbeitet, die sie direkt an die Inhaftierten richten konnten. „Weshalb sind sie im Knast?“ will Sven von dem 18-jährigen Inhaftieren wissen, der wegen Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren verurteilt wurde und bereits zwei Jahre seiner Strafe verbüßt hat. „Was haben sie aus ihrer Tat gelernt?“, fragte Büsra. „Ich habe zwei Jahre meines Lebens weggeschmissen. Es lohnt sich nicht seine Freiheit wegzuschmeißen“, antwortet der junge Straftäter reumütig. Wie denn der erste Gefängnistag gewesen sei, interessiert eine andere Schülerin.

„Sehr, sehr, sehr schlimm, man hat ja nichts, außer lesen kann man nichts machen“, erklärt er und ringt nach Worten, um seine Gefühle besser auszudrücken. Zuvor hatte der Justizbedienstete Wolfgang Rother anhand einer Computerpräsentation die Justizvollzugsanstalt Rockenberg, zwischen Butzbach und Bad Nauheim gelegen, den Schülern näher gebracht. Er stellte die einzelnen Gebäude, die Unterbringung der Jugendlichen in Rockenberg, die Bildungs- und Arbeitsangebote der Justizvollzugsanstalt vor und erläuterte die örtliche Zuständigkeit.

Kurze Filmbeiträge zeigten anschließend verschiedene Formen der Gewalt auf. Ein Film, der das Leben der Häftlinge in einer menschenunwürdigen Massenzelle in Moskau aufzeigte, machte die Schüler sprachlos. „Welche Arten von Gewalt kennt ihr?“, fragte Rother die Schüler und beschrieb die physische, emotionale, psychische, sexuelle und die soziale Gewalt. Anhand eines „Gewaltkreislaufs“ zeigt Rother auf, was mit dem Täter emotional während der Tat geschieht.

„Nach einem Gewaltschlag ist der Druck erst einmal weg“, erklärte er den Schülern. Nachdem der Täter im ersten Moment nach der Tat erschreckt, folge ein Gefühl der Scham. Der Täter versuche sich zu rechtfertigen und die Schuld auf andere zu übertragen. Nach einer Phase des Schweigens wächst die Belastung des Täters erneut und es kommt zu einer neuen Tat.

Beeindruckt zeigten sich die Schüler über die Zahlen, die Rother darlegte. Im Jahr 2010 seien 18.000 Kinder unter 14 Jahren und 38.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren Tatverdächtige eines Gewaltverbrechens gewesen.

Die Gesamtzahl der jugendlichen inhaftierten Täter im Jahr 2010 bezifferte er auf 9.200. Wie man den Gewaltkreislauf durchbrechen kann, darüber berichtete Petra Maciosek. Sie stellte verschiedene Vorgehensweisen zur Gewaltvorbeugung in der Justizvollzugsanstalt vor.

von Karin Waldhüter

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