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Ostkreis Hohes Risiko, geringer Gewinn
Landkreis Ostkreis Hohes Risiko, geringer Gewinn
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21:17 07.11.2010
Ein Mann raucht eine Haschisch-Zigarette. Weil es mit Haschisch gehandelt hatte, stand ein Paar vor Gericht. Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Beide kamen mit Freiheitsstrafen zur Bewährung davon, wobei das Gericht dem angeklagten Mann eine allerletzte Chance einräumte.

Der 34 Jahre alte Schlosser und seine 27 Jahre alte Lebensgefährtin, eine Angestellte, hatten im Jahr 2009 über einen längeren Zeitraum hinweg Haschisch verkauft. Beide räumten schon zu Prozessbeginn die ihnen vorgeworfenen Anklagepunkte ein, sodass der Sachverhalt unstrittig war. Den 34-Jährige plagten im Tatzeitraum große Geldsorgen.

Auf bis zu 10.000 Euro hatten sich seine Schulden angehäuft, als eine Jugendfreundin seiner Lebensgefährtin dem Pärchen anbot, ihnen Haschisch zum Weiterverkauf zu liefern. Die beiden Angeklagten willigten ein und verkauften die Drogen in der Folge im Bekanntenkreis.

Die Lieferantin versorgte die beiden Angeklagten laut Anklage siebenmal mit Haschisch in Mengen zwischen 100 und 200 Gramm. Jede einzelne Tat gilt als Drogenhandel mit nicht geringen Mengen und wird mit Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr bestraft. Den Gewinn nutzten sie größtenteils, um offene Rechnungen zu bezahlen. Noch im Jahr 2009 flog der Drogenhandel des Pärchens auf.

Sowohl die Vorsitzende Richterin Ina-Nadine Bernshausen, als auch Staatsanwalt Kurt Sippel zeigten sich fassungslos, dass die Angeklagten für einen Gesamtgewinn von wenigen hundert Euro Gewinn das Risiko einer mehrjährigen Haftstrafe eingegangen waren.

„Ich war einfach in einer aussichtslosen Situation. Ich musste und muss für meine beiden Kinder Unterhalt zahlen. Die Kosten wuchsen mir über den Kopf. Meine Wohnung sollte wegen Mietschulden geräumt werden, da war ich für jeden Euro dankbar“, versuchte der Angeklagte, seine Zwangslage zu erklären.

Auch seine Freundin zeigte sich reuig: „Es tut mir alles wahnsinnig leid. Wir dachten, dies wäre die einzige Chance, um von den Schulden meines Freundes loszukommen.“
Dass es den beiden Angeklagten zuletzt mit ehrlicher Arbeit möglich war, die Schulden zu verringern, zeigten die Verteidigerinnen des Paares auf. So sei es den Berufstätigen durch Wohnungszusammenlegung und Einschränkungen beim privaten Konsum gelungen, die Schuldenlast um 5.000 Euro zu senken.

Um dem Schlosser die Chance zu geben, seinen nun begonnenen geraden Weg weiter zu gehen, beantragte Staatsanwalt Sippel gegen den 34-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 3.500 Euro bezahlen.

Zu den Bewährungsauflagen gehören eine ambulante Drogentherapie, die der Angeklagte 18 Monate lang durchhalten muss, sowie regelmäßige Drogentests. Für die zuvor unbescholtene Lebensgefährtin forderte der Staatsanwalt neben ­einer Zahlung von 1.800 Euro, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Verteidigung schloss sich dem Strafantrag des Staatsanwalts an, dem schließlich das Gericht mit dem Urteil folgte.

Richterin Ina-Nadine Bernshausen machte dem Schlosser in aller Deutlichkeit klar, wie knapp er vor dem Gang ins Gefängnis gestanden hatte: „Das war eine ganz wackelige Angelegenheit, da die Aktenlage eindeutig gegen sie stand. Nur ihr reuiges Geständnis und ihr neu begonnener Lebenswandel haben sie vor dem Gefängnis gerettet.“

von Marius Mayer

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