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Hochwasserschutz steht auf der Kippe

Vorsichtsmaßnahmen Hochwasserschutz steht auf der Kippe

1,1 Millionen Euro hat die Stadt Kirchhain für den Hochwasserschutz in Großseelheim in den Haushalt eingestellt. Ob das Dauerproblem jetzt endlich gelöst wird, ist dennoch zweifelhaft.

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Nach der Trockenperiode der vergangenen Wochen präsentiert sich der Bauerbach in Großseelheim derzeit nur als Rinnsal. Bei Starkregen tritt der Bach regelmäßig über die Ufer. Foto: Matthias Mayer

Großseelheim. Das Problem brennt den Großseelheimern seit Jahrzehnten auf den Nägeln: Nach Starkregen-Ereignissen tritt der Bauerbach regelmäßig über die Ufer und überschwemmt den Marburger Ring, die Hauptstraße des größten Kirchhainer Stadtteils. Jetzt steht die Planung, die Finanzierung ist klar, die Gewährung von 70 Prozent Fördermitteln gilt als wahrscheinlich und trotzdem droht das Projekt zu scheitern. Das teilte Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) am Dienstagabend vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr mit.

Kirchner skizzierte dem Ausschuss die komplexe Problemlage, die sich im Kern auf vier Punkte beschränken lässt:

n Der Bau von Staustufen und Rückhaltebecken zum Hochwasserschutz ist nicht mehr genehmigungsfähig. Damit sind Überlegungen, das Problem durch ein Stauwerk oberhalb der Ortslage zu lösen, hinfällig. n Zur Lösung des Problems bleibt nur eine durchgehende Renaturierung des Bauerbachs nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Verminderung der Fließgeschwindigkeit. n Anlieger dürfen durch Renaturierungsvorhaben nicht schlechter gestellt werden. Das fordert das Gesetz. n Während die Stadt auf eine 70-prozentige Bezuschussung der Renaturierungskosten hoffen darf, gibt es für die Anlieger keine Fördermöglichkeit. Sie müssen die vollen Anliegerbeiträge bezahlen, die bis deutlich in den fünfstelligen Bereich gehen. 21 von 48 betroffenen Anliegern haben laut Kirchner bei einer Informationsveranstaltung der Stadt eine Renaturierung des Bauerbachs in der Ortslage abgelehnt. Nach ihrer Ansicht tauge eine Aufweitung des Gewässers nicht zum Hochwasserschutz. Statt dessen forderten sie den Bau einer nicht mehr genehmigungsfähigen Staustufe oberhalb des Ortes und einen besseren Ablauf des Bauerbachs im Oberlauf. Letzteres falle aber in den Hoheitsbereich des Wasserverbandes Lahn-Ohm, der dazu keine Veranlassung sehe, erläuterte Kirchner. Hohe Kosten, weniger Gartenland Verständnis für die ablehnende Haltung der 21 Anlieger äußerte Erhard Mörschel (CDU). Die Anwohner müssten für die Renaturierung nicht nur viel Geld bezahlen, sondern zum Teil auch erhebliche Flächen ihrer Gärten abgeben.Bürgermeister Jochen Kirchner schlug vor, zunächst die Renaturierung des Bauerbach-Oberlaufs mit einem Kostenaufwand von 400000 Euro auf den Weg zu bringen und gleichzeitig vorsorglich die Baugenehmigung für die Renaturierungsarbeiten in der Ortslage zu beantragen. Dann könne die Stadt gegebenenfalls noch reagieren, sollten die 21 Anlieger ihre ablehnende Haltung noch aufgeben. Die Renaturierung oberhalb der Ortslage würde an dem engem Durchlass auf Höhe der Firma Fus enden. Das beauftragte Planungsbüro könne nicht garantieren, dass die alleinige Renaturierung des Bauerbach-Oberlaufs das Hochwasser-Problem lösen werde. Der Bürgermeister verwies auf die beiden engen Durchlässe des Baches am oberen Ortseingang, die bei Starkregen wie Stauwerke wirkten.

von Matthias Mayer

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