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Ostkreis Hoch am Wind auf´m Baggersee
Landkreis Ostkreis Hoch am Wind auf´m Baggersee
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20:27 22.07.2011
Kapitän Toto und seine Crew: Sind Teich und Boot auch noch so klein, Spaß macht es trotzdem. Die Windsurf- und Segelabteilung des TSV Kirchhain bot auch in diesem Jahr wieder ein Kinder-Segel-Camp auf dem Niederwälder Baggersee an. Quelle: Tobias Hirsch

Niederwald. Wende und Halse in einer ehemaligen Kiesgrube? Was eingefleischte Hochseeskipper mit ihrem nordischen Charme belächeln, ist für fast 500 Vereinsmitglieder des Turn- und Sportvereins (TSV) Kirchhain bitterer Ernst:

Ihr Segel­revier ist ein Baggersee. Und darauf sind sie auch noch stolz: „Wer bei uns das Segeln gelernt hat, kann überall segeln“, sagt Thorsten Löffler. Und irgendwie hat er Recht.

Mehr als 40 Kinder tummeln sich auf 21 kleinen Segelbooten verteilt auf dem Niederwälder Baggersee. Kreuz und quer machen sie Fahrt durch Miniwellen des gut einen Quadratkilometer kleinen Gewässers. Als ob das nicht schon genug Betrieb wäre, kreuzen zwischendrin noch ein Motorboot mit zwei Rettungsschwimmern und ein Kanu mit einem Segellehrer herum.

Und das kuriose daran: Es gibt keine Kollisionen. Die Nachwuchssegler haben ihre Boote im Griff – im wahrsten Sinne des Wortes.

Kim-Leoni beispielsweise steuert die „Zickenkutter“. Mit der einen Hand an der Pinne und der anderen an der Großschot kann die Zwölfjährige jedes Manöver ausführen. Und manövrieren muss sie auf dem Baggersee ständig. Oft kreuzt ein anderer Segler ihren Kurs. Und oft ist auch einfach der See zu Ende.

„Das ist das Geheimnis“, sagt Löffler, der Jugendwart der Windsurf- und Segelabteilung des TSV. Wegen der überschaubaren Größe des Segelreviers ist der Baggersee-Segler gezwungen, viele Manöver zu fahren.  „Das wichtigste beim Segeln ist, den Wind zu verstehen“, ergänzt er. Und den verstehe man eben nur, wenn man mit ihm arbeite.

Neben dem praktischen Wissen vermitteln die erfahrenen Jugendbetreuer der Windsurf- und Segelabteilung den Kindern während des dreitägigen Kinder-Segel-Camps natürlich auch die Theorie. Wetterkunde, Knotenkunde und Sicherheitsregeln stehen auf dem Stundenplan.

„Vor allem die Vorfahrtsregeln sind wichtig“, weiß Löffler, den die Kinder am See nur als Käpt‘n Toto kennen. Ohne diese Regeln, die übrigens weltweit Gültigkeit besitzen, würde es auf dem kleinen Baggersee vermutlich ständig krachen. Aber das ist nicht der Fall. Lediglich einmal hört Käpt‘n Toto es scheppern. Zwei Boote sind aneinander gestoßen. „Die haben uns nur einen Eimer gebracht, weil unser Boot voll Wasser gelaufen ist“, rufen die Kinder ihrem Käpt‘n zu.

von Tobias Hirsch

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