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Bündnis sichert Finanzierung erneut

Italienischunterricht Bündnis sichert Finanzierung erneut

Die Elterninitiative „Herkunftssprachlicher Unterricht Italienisch“ schafft es seit drei Jahren immer wieder, Finanzierung und Organisation des Italienischunterrichts zu 
sichern.

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Das Archivfoto zeigt einen Unterrichtskurs mit einem Teil der Unterstützer des herkunftssprachlichen Italienischunterrichts in 
Stadtallendorf und Kirchhain.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es war eine hochkarätig besetzte Runde, die sich am Dienstag im Stadtallendorfer Rathaus zusammengefunden hatte, von Bürgermeister Christian Somogyi bis hin zur aus Rom telefonisch zugeschalteten italienischen Abgeordneten Laura Garavini. Im Mittelpunkt standen die Mitglieder der „Elterninitiative Herkunftssprachlicher Unterricht Italienisch“.

Seit 2015 stellen sie im Verbund mit vielen Partnern, zum Beispiel dem Förderverein der Georg-Büchner-Schule (GBS), herkunftssprachlichen Unterricht in italienischer Sprache sicher. Möglich ist das wiederum nur dank der Finanzhilfe von Sponsoren, darunter die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, der Landkreis oder organisatorisch die Stadt und weitere Spender.

Ganz aktuell besuchen 37 Kinder die Angebote in Stadtallendorf an der GBS und der Grundschule in Kirchhain. Vier Kurse mit insgesamt 27 Kindern gibt es an der GBS, zwei Kurse mit 10 Kindern in Kirchhain. Sie alle werden von examinierten Pädagogen unterrichtet, die wiederum aus Elternbeiträgen und den erwähnten Sponsorengeldern und Spendern bezahlt werden.

Dank Zusagen ist Geld vorhanden

Barbara Voeth, stellvertretende Leiterin der GBS und zugleich Vorsitzende des Fördervereins der Schule, gab einen Überblick über die Situation. Vor Beginn der Zusammenkunft am Dienstag fehlten dem Förderverein, der die Pädagogen aus formalen Gründen finanziert, noch exakt 9486 Euro, um ein weiteres Schuljahr Unterricht zu sichern. Die gute Nachricht: Aufgrund der Zusagen während der Runde, unter anderem von Sparkasse, Kreis und Stadt, ist das Geld vorhanden. Kinder und Eltern dürfen sich weiterhin auf ein gesichertes Unterrichtsangebot mit 8 bis 11 Wochenstunden einstellen.

Doch die Elterninitiative hat vom Start weg betont, dass sie das Land Hessen als Zahler in der Pflicht sieht. Seit 1999 ist das in Hessen aber anders. Im Zuge der seinerzeitigen „Operation sichere Zukunft“ der von Roland Koch (CDU) geführten Landesregierung sieht das Land die Herkunftsländer in der Pflicht. Lehrer, die den Unterricht nach wie vor erteilen, werden seitdem nicht mehr ersetzt. So erläuterte Barbara Voeth die Situation mitsamt Vorgeschichte. Herkunftssprachlicher Unterricht wird in Hessen auch nicht mehr benotet, was Voeth bedauert. „Für manche Schüler war die dort geschaffte Note ein Ausgleich.“

Zertifikate belegen Unterrichtsqualität

Bisher hat es vom Land keine eindeutige Reaktion auf die Forderungen der Elterninitiative gegeben. Dr. Salvatore Venneri als ein Mitbegründer machte am Dienstag aber sehr deutlich, dass man das Land nicht davonkommen lassen wolle. Er verweist auf eine Ausnahmeregelung, die für polnische herkunftssprachlich unterrichtete Schüler getroffen wurde. Wie qualitativ gut im Übrigen der Unterricht ist, zeigen die von Schülern geschafften, national wie international anerkannten Zertifikate (die OP berichtete). Mittlerweile haben rund 2000 Bürger eine Petition an das Land unterschrieben. Sie wird demnächst in Wiesbaden überreicht. Am Dienstag wurde eine weitere Petition formuliert und von Anwesenden unterzeichnet.

Auch den Draht nach Italien will man nicht aufgeben. Im Telefonat am Dienstag bot Laura Garavini als Abgeordnete ihre Unterstützung an. Für das italienische Konsulat scheiterte bisher eine finanzielle Unterstützung an den eigenen Möglichkeiten. Garavini verwies am Dienstag auf Gesetzesänderungen in Italien, die mehr Mittel für herkunftssprachlichen Unterricht freigäben. Sie selbst besitzt die italienische wie die deutsche Staatsangehörigkeit und bot einen Besuch in Stadtallendorf an.

Sponsoring erreicht Grenzen

Gemeinsame Post wird das Land beziehungsweise das Kultusministerium unter Führung von Professor Alexander Lorz (CDU) auch vom Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) und der Landtagsabgeordneten Handan Özgüven (SPD) erhalten.

Dass Sponsoring auch Grenzen erreichen könnte, wurde am Dienstag auch klar. Sparkassen-Vorstand Harald Schick versicherte die weitere finanzielle Unterstützung seines Hauses. Er erinnerte aber auch an eine vergleichbare Runde aus dem vergangenen Jahr. Was das Land angehe, habe es leider keine Fortschritte gegeben. An Aufgeben denkt niemand aus dem breiten Unterstützerkreis. „Den Beweis, dass das keine Eintagsfliege ist, haben wir angetreten“, betonte Bürgermeister Somogyi.

Angesichts der steigenden Zahl italienischer Familien in Stadtallendorf unterstrich auch Friedhelm Lierse, der Betriebsratsvorsitzende von Ferrero Stadtallendorf, die Bedeutung des Angebots. „Es geht darum, dass Teile der italienischen Kultur nicht verlorengehen“.

von Michael Rinde

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