Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Heizen - fast so wie zu Bonifatius‘ Zeiten

Energiewende Heizen - fast so wie zu Bonifatius‘ Zeiten

58 von 115 Energiegenossen sind bereits an das neue Nahwärmenetz angeschlossen - der Rest folgt in den kommenden zwei Monaten. Die Erfurtshäuser feierten aber schon einmal Einweihung.

Voriger Artikel
Sternsinger segnen Rathaus
Nächster Artikel
Spielplatz bleibt Traum, Fußweg kommt

Bernd Riehl (kleines Bild, links) unterstützte Pfarrer a.D. Wilhelm Gerlach bei der Segnung der Nahwärmezentrale. Dr. Volker Seumer (rechts) erläuterte die Funktionsweise der Anlagen – hier eines Holzhackschnitzelkessels.Fotos: Florian Lerchbacher

Erfurtshausen. „Der liebe Gott weiß bestimmt, was eine Heizzentrale ist“, sagte Wilhelm Gerlach, als er am Freitag die in einer Maschinenhalle untergebrachte Anlage weihte - unter tätiger Mithilfe von Bernd Riehl, dem Vorstandsvorsitzenden der Bioenergiegenossen, der als „Aushilfsmessdiener“ dem Pfarrer a.D. die Fachbegriffe soufflierte.

Wie sich an dieser Anekdote erkennen lässt: Es herrscht gute Laune im neuesten Bioenergiedorf des Landkreises. Entsprechend viel wurde gelacht - nicht nur, als Riehl von Aufsichtsratsvorsitzendem Erhard Müller den Schlüssel zur Anlage wieder entgegennahm, den er ihm kurz zuvor mit den Worten „Auftrag ausgeführt“ überreicht hatte. „Der Aufsichtsrat führt nur Aufsicht. Arbeiten muss der Vorstand“, sagte Riehl mit einem schelmischen Grinsen, das morgens noch nicht sichtbar gewesen wäre: Er hatte sich einen Bart stehen lassen, den er erst abnehmen wollte, wenn das Nahwärmenetz fertig ist. Entsprechend gut rasiert zelebrierte der Vorstandsvorsitzende die Einweihung.

Müller sprach dem Vorstand, der sich um die Umsetzung des Projektes gekümmert hatte (und auch für die weitere Begleitung zuständig ist) und den weiteren Triebfedern großes Lob aus. Riehl habe immer wieder Wege an Fördertöpfe aufgezeigt und die Bürger mitgerissen, Dr. Markus Rhiel für die Struktur gesorgt und Karlheinz Lohmer den Praktiker gegeben. Zudem stellte er Heinrich Keßler und Ivonne Linne heraus. Ersterer sei derjenige gewesen, der „rumlatschen musste und alles erledigte“ - entsprechend überreichte er ihm ein paar Wanderschuhe. Die Architektin erntete großen Applaus für ihre Planungsleistungen.

Müller freute sich, dass die Bioenergiegenossen die Attraktivität Erfurtshausens steigerten: Zum einen aufgrund der Möglichkeit, beim Heizen bares Geld zu sparen. Zum anderen, weil sie mit der Verlegung von Leerrohren die Voraussetzungen für eine Versorgung mit schnellem Internet durch Glasfaser schufen - im Frühjahr soll in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Breitband zur Verfügung stehen.

„Vergangenheit und hochtechnisierte Gegenwart bilden in Erfurtshausen eine Einheit“, hatte Gerlach zuvor gesagt und auf 4000 Jahre alte Funde verwiesen, die er in der Nähe der neuen Anlage gemacht habe. Auch Müller warf einen Blick zurück - allerdings nur um 1300 Jahre. Er erinnerte an Bonifatius, den Stadtheiligen Amöneburgs, und das Fällen einer Eiche. Mit Blick auf die für Spitzenlastzeiten zur Sicherung der Versorgung mit Wärme eingebaute Holzhackschnitzelheizung sagte er: „Die Energiequelle ist die gleiche wie damals: Holz.“

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg freute sich über eine „unglaubliche Investition in die Zukunft“ und lobte Vorstand und Aufsichtsrat für Idealismus, Mut, Ausdauer und viel investierte Zeit. Linne hielt noch einige Daten und Fakten zum Einbau der Nahwärmezentrale in die ehemalige Maschinenhalle bereit, während Müller hervorhob, dass die Genossen bis jetzt mit rund 40 Firmen kooperierten. Dr. Volker Seumer, Schriftführer des Aufsichtsrates, erläuterte den Gästen zum Abschluss der Veranstaltung die Anlage, die maßgeblich dazu beiträgt, dass 114 Erfurtshäuser Haushalte in den kommenden Jahren jeweils rund 300000 bis 350000 Liter Heizöl einsparen.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr