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Ostkreis Heißt zwar nicht so, wird aber ein Radweg
Landkreis Ostkreis Heißt zwar nicht so, wird aber ein Radweg
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13:13 14.05.2015
An dieser Stelle besteht der Weg aus Asphalt. Das freut (von rechts) unter anderem Michael Richter-Plettenberg, Brun-hilde Gontrum und Gerhard Lips.Foto: Lerchbacher
Roßdorf

Eigentlich sind es nur 600 Meter, doch die haben es in sich – sowohl aus infrastruktureller als auch politischer Sicht. Seit rund 20 Jahren ist die Strecke im Feld zwischen Kleinseelheim und Roßdorf, die auf Seiten der beiden Orte zwar lange Zeit asphaltiert, in der Mitte aber aus holprigem Lehm besteht, ein Streitthema. Zunächst bemühten sich die Kirchhainer um den Lückenschluss, später waren es die Amöneburger, erinnerte sich Kurt Moog vom Amt für Bodenmanagement Marburg. Doch immer wieder gab es unüberwindbare Hindernisse.

„Wir wollen heute keine Kritik üben“, sagte Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg am Mittwoch, tat dies aber im Laufe des Vormittags doch – dazu später mehr. Zunächst die gute Nachricht: Der Lückenschluss hat tatsächlich begonnen. Auftraggeber für den Ausbau des rund 600 Meter langen Teilstücks der Verbindung zwischen den beiden Orten ist die Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens „Ebsdorfergrund L 3048“. Die Fahrbahn wird mehr als vier Meter breit und bekommt als Deckschicht ein Splitt-Sandgemisch – das für Radfahrer sehr gut geeignet sei, wie der Rathauschef einwarf. Wobei es sich bei der Strecke nicht um einen Radweg, sondern einen „kombinierten Rad-Wirtschaftsweg“ handele, wie Moog betonte. Dennoch ist ziemlich sicher, dass vornehmlich Radfahrer die Verbindung nutzen werden, da Landwirte von ihren Feldern meist in die Heimat zurückkehren und nicht ins Nachbardorf fahren.

„Es war ein langer, steiniger Weg – aber es wird kein steiniger Weg mehr sein“, gab sich Richter-Plettenberg derweil philosophisch und erinnerte an die Geschichte des Projektes. Im Jahr 2005 habe es Fördermittel für den Radweg „Lange Hessen“ gegeben, zu dem das Teilstück zwar nicht gehört – es sei aber „sozusagen als Abfallprodukt“ in das Vorhaben integriert worden.

Problem war jedoch, dass es kein Baurecht gab, da Naturschützer interveniert hätten. „Der Weg liegt zwar nicht im Vogelschutzgebiet, aber ganz in der Nähe“, berichtete Richter-Plettenberg und betonte, dass das Gebiet zwar sicherlich ornithologisch wertvoll sei, Radfahrer aber eigentlich nicht störten und die Natur auch in Zukunft respektieren würden: „Die Forderungen des Naturschutzes waren etwas fragwürdig.“

Die Naturschützer konnten sich am Mittwoch während des Termins nicht verteidigen, wohl aber Rudi Rhiel, Mitglied der Teilnehmergemeinschaft und Landwirt aus Roßdorf, der mit seiner Zunft ebenfalls einen Seitenhieb kassiert hatte. Die Landwirte hätten auch kein Interesse an dem Teilstück gehabt und opponiert, da es zwischen den Ortschaften keine wirtschaftliche Verzahnung gebe, hatte der Bürgermeister gesagt. „Das stimmt nicht. Wir waren grundsätzlich interessiert. Was uns ärgerte, war jedoch Ihr Alleingang“, entgegnete Rhiel in dessen Richtung und erinnerte an dessen Plan, an den jeweiligen Weg-Enden Betonpoller aufzustellen, die eine Nutzung der Strecke als „Promilleweg“ verhindern sollten – und entsprechend auch Landwirten den Weg zu ihren Feldern versperrt hätten. Die Landwirte hätten das Teilstück aber auch nicht in ihren Wege- und Gewässerplan aufgenommen, setzte Richter-Plettenberg zum Konter an –brach diesen aber ab und betonte: „Inzwischen sind wir uns ja einig geworden.“

Nichtsdestotrotz verfiel der einst vom Land gewährte Zuschuss, da der Ausbau zum Radweg mit einer Asphaltschicht vom Tisch war.

Dann nahm sich die Roßdorferin Brunhilde Gontrum des Themas an – und trat im Kampf für den Ausbau in die Fußstapfen des 2012 verstorbenen, ehemaligen Ortsvorstehers Manfred Stumpf. Sie war während eines Ausfluges mit ihren Enkeln in die Eisdiele nach Kirchhain auf dem Teilstück gestürzt und hatte die Nase voll von der Rumpelpiste. Also sammelte sie Unterschriften und fand problemlos 226 Unterstützer.

Kurz nach ihrer Initiative erteilte der Landkreis das kaum noch für möglich gehaltene Baurecht – „mit hohen Auflagen“, wie Richter-Plettenberg sagte. Ebenso wie später die Straßenbauverwaltung muss sich die Stadt an der Vernässung einer derzeit noch als Acker genutzten Fläche beteiligen, um einen Rastplatz für Vögel zu schaffen.

Der Lückenschluss erfolgt über einen „Asphaltspurweg“. Das heißt, es gibt theoretisch zwei Bauabschnitte. Nummer eins endet mit der erwähnten Splitt-Sandgemisch-Schicht. Sollte diese sich nicht bewähren, könnten in einem zweiten Abschnitt noch Asphaltspuren aufgetragen werden, so Richter-Plettenberg. „Wir werden es erproben und schauen, wie es sich bewährt. Aber ich glaube, das wird reichen“, fasste er zusammen.

Gerhard Lips, der Leiter des Amtes für Bodenmanagement sprach von einem mit einer Fläche von 1300 Hektar und 700 Teilnehmern „großen Flurbereinigungsverfahren“. Die Kosten für den Ausbau beliefen sich auf 78000 Euro. 66 Prozent werden durch EU-, Bundes- und Landesmittel gefördert, den Rest trägt die Stadt – die zusätzlich noch Boden für die Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung stellen muss.

von Florian Lerchbacher

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