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Gutmann-Opfer finden Gehör

Aussprache Gutmann-Opfer finden Gehör

Zehn Ehemalige bekamen am Buß- und Bettag ein Forum, um vor Stiftsschülern über ihre Erlebnisse mit dem früheren Schulleiter und Priester Dr. Josef Gutmann zu berichten.

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Oberstufenschüler und Lehrer hörten in der Aula dem Generalvikar der Diözese Professor Gerhard Stanke zu.

Quelle: Michael Rinde

Amöneburg. Kopfschütteln, betroffenes Schweigen aber auch viele Fragen der Oberstufenschüler folgten auf das, was die zehn Betroffenen am Mittwochnachmittag erzählten. Die zehn Männer waren Schüler von Dr. Josef Gutmann, Priester und Schul- und Internatsleiter. Sie alle haben unter den brutalen Prügelattacken oder den unmenschlichen Strafarbeiten jenes Mannes in den 50er- und 60er-Jahren gelitten.

Eine Stunde lang besuchte jeweils ein Gutmann-Opfer einen Oberstufenkurs, erzählte und diskutierte. Die Schüler hörten von den Exzessen in der Stiftskirche oder von den selbst für die Maßstäbe jener Jahrzehnte unmenschlichen Strafaktionen. Solche Berichte, die diese Zeitung im vergangenen April veröffentlichte, hatten die Diskussion über die Person Gutmanns in Gang gesetzt. Dr. Bernd Greiten erzählte Schülern zum Beispiel von der Szene, als Gutmann einen jungen Schüler so hart ins Gesicht schlug, dass das Kind vor die Wand flog. Unter den körperlichen Folgen, einem Hörschaden, leidet der Betroffene bis heute. Ein anderes Beispiel: Ein Kind mit massiven Sehbehinderungen musste den „Götz von Berlichingen“ aus einer Reclamausgabe mit kleiner Schrift abschreiben, für das Kind eine Qual, vor allem, weil es nicht bei einmal Abschreiben blieb. Gutmann verlangte, so schilderte es der Betroffene selbst, ohne Grund eine Wiederholung.

Auf die Schüler wirkten die Berichte der Betroffenen. „Ich habe vorher viel über Rabanus gehört, aber nichts über Josef Gutmann gewusst“, bedauerte eine Schülerin, als sie die Aula betrat. Das habe sich jetzt geändert. Generalvikar Professor Gerhard Stanke hielt ebenso wie Schulleiter Hans-Georg Lang eine Rede. Er erneuerte die Position des Bistums, distanzierte sich mit aller Deutlichkeit von den Taten Gutmanns, verurteilte sie. Von dem Menschen wollte er sich aber nicht distanzieren. „Das können wir auch nicht“, sagte Stanke im Anschluss gegenüber der OP.

von Michael Rinde

Mehr lesen Sie am Feitag in der Printausgabe der OP.

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In einem Brief an die Schulgemeinde hat der Leiter der Stiftsschule einen sexuellen Übergriff eines früheren Sportlehrers aus dem Jahr 1995 öffentlich gemacht.

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