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Ostkreis Brachter Schule macht mal Pause
Landkreis Ostkreis Brachter Schule macht mal Pause
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20:01 28.04.2018
Das Brachter Schulhaus wird nach den Sommerferien für zwei Jahre leer stehen. Ab 2020 kann es voraussichtlich mit 28 Grundschülern wieder eröffnet werden.  Quelle: Matthias Mayer
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Bracht

Nach den Sommerferien werden die Brachter Grundschulkinder die Rauschenberger Schule besuchen. Der Grund: Die Schülerzahl geht dann von derzeit 28 auf 22 zurück. Diese Zahlen nannte gestern der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow gestern auf OP-Anfrage. Zugleich teilte er mit, dass die Schule 2020 mit dann 28 Schülern aus Bracht wieder geöffnet wird.

26 Schülerinnen und Schüler hätten es nach den Sommerferien für den Fortbestand der Brachter Schule sein müssen, denn nach dem hessischen Schulgesetz liegt die Mindestgröße pro Klasse bei 13 Kindern. In Bracht gibt es derzeit eine zweiklassige Grundschule. In einer Klasse lernen die Erst- und Zweitklässler zusammen. In der anderen Klasse werden die Dritt- und Viertklässler unterrichtet. Eine einklassige Zwergenschule als Problemlösung wurde sowohl von den Eltern als auch von der Schulverwaltung aus pädagogischen Gründen nicht befürwortet.

Überraschen kann die Entwicklung nicht. Sie hat sich anhand der Kinderzahlen in Bracht schon 2013 abgezeichnet. Die Schließung der Grundschule, die eine Außenstelle der Rauschenberger Schule ist, sollte bereits 2016 wegen zu geringer Schülerzahlen erfolgen. Anfang Dezember verkündete Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich, dass der
Bestand der Schule bis 2017 gesichert sei. Diese Prognose hat sich nun bewahrheitet.

Gleichwohl traf die Nachricht den Bürgermeister gestern früh völlig unvorbereitet. „Damit haben wir nicht gerechnet. Die Zahlen an der Brachter Schule hatten sich verbessert“, sagte er auf OP-Anfrage. Michael Emmerich hatte sich damals für den Erhalt der Schule stark gemacht. Die Stadt hatte eigens das Neubaugebiet Wolfsgarten ausgewiesen, in der Hoffnung, dass sich dort junge Familie mit Kindern ansiedeln. Die Erschließung des Baugebiets ist vor der Fertigstellung. Und es wird benötigt, da Bracht wegen seiner Nähe zu Marburg und seiner Lage am Rande des Burgwalds zu den Zuzugsorten gehört.

„Im Vorfeld gab es keine Kommunikation“

Verwundert stellte Michael Emmerich fest, dass die Stadt in keinster Weise in die Entscheidungsfindung eingebunden worden sei. Noch nicht einmal einen Fingerzeig auf die Entwicklung habe es gegeben: „Im Vorfeld gab es keinerlei Kommunkation. Das ärgert mich schon“, sagte der Bürgermeister, der den Schulstandort neben der Kita als zentralen Infrastruktur-Baustein für die Entwicklung Brachts ansieht.

Wie geht es weiter? Michael Emmerich sieht Redebedarf und hofft auf eine zeitnahe Zusammenkunft von Schule, Schulträger, Elternvertretern und Stadt. Dabei müsse es auch um die künftige Betreuung gehen. Eine Folge der Entscheidung aus seiner Sicht: Zu jeder vollen Stunde muss ein Bus zwischen Rauschenberg und Bracht verkehren, damit die Brachter Kinder nach Unterrichtsschluss zur Betreuung in die Brachter Kita gefahren werden können.

Die städtische Kita in dem Stadtteil könne eine ganz andere Betreuungsqualität anbieten. Die Schulkinder würden hier voll in den Kita-Betrieb integriert, bekämen eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und könnten die Bibliothek nutzen.

Emmerich beklagte zugleich die Ortsbezogenheit der Grundschulen. Schwabendorfer Eltern sei es nicht möglich, ihre Kinder in Bracht zur Schule zu schicken. Bei den Kitas gebe es dagegen überörtliche Wahlfreiheit. Die gesetzliche Vorgabe sei Unsinn und müsse abgeschafft werden.

Nach den Festlegungen des Schulentwicklungsplans hätte der Schulstandort Bracht schon 2016 ganz aufgegeben werden sollen. Schuldezernent Marian Zachow machte sich nicht nur erfolgreich für die Abweichung des Schulentwicklungsplans stark, sondern auch für einen dauerhaften Bestand der Einrichtung. Bei einem Informationsabend zur Grundschule sagte er Ende November 2014: Kluge Bildungspolitik dürfe sich nicht nur an Zahlen orientieren, sondern müsse auch auf das pädagogische Konzept schauen. Und das Konzept in Bracht sei überzeugend und zukunftsweisend. Der Landkreis sei auch für unorthodoxe Lösungen bei Unterschreitung der Sollzahl bereit, hatte der Christdemokrat damals gesagt.

„Das Schulamt hatte keine andere Chance“

„Wir hatten gehofft, einen Wert von eins unter der Sollzahl zu kommen. Diese wird leider deutlich unterschritten. Deshalb hatte das Staatliche Schulamt keine andere Chance, als die Schule nach den Sommerferien auf Zeit zu schließen – auch wenn mir persönlich das sehr weh tut“, sagte Marian Zachow der OP. In den folgenden drei Schuljahren werden aus Bracht diese Grundschüler-Zahlen erwartet: 2018/2019: 22 Schüler. 2019/2020: 23 Schüler: 2020/2021: 28 Schüler. Die letztgenannte Zahl sei sicher.

Es gebe die klare Zusage des Schulamtes und den politischen Willen, die Schule zum Schuljahr 2020/2012 wieder zu eröffnen, sagte Marian Zachow, der von der Entwicklung kurzfristig überrascht wurde.

Zeitnahe Gespräche mit den Eltern

Zachow kündigte zeitnahe Gespräche mit den betroffenen Eltern an. Dabei gehe es auch darum, die Brachter Eltern trotz des dann erforderlichen Schulwechsels auf den Standort Bracht einzuschwören. Schulfreundschaften ließen sich wegen der kurzen Entfernung weiter pflegen.

Außerdem bildeten Rauschenberg und Bracht eine Schule. „Wenn das irgendwo klappt, dann in Bracht“, gab sich der Schuldezernent zuverlässig und versprach: „Unser Projekt, den Schulstandort Bracht zu retten, geht weiter.“

von Matthias Mayer

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