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Ostkreis Großes Interesse, viele Fragen
Landkreis Ostkreis Großes Interesse, viele Fragen
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18:58 08.03.2015
Volles Haus! Bei der Bürgerversammlung zum Thema im Stausebacher Feuerwehrhaus wurde am Freitagabend der Sauerstoffknapp. Foto: Matthias Mayer
Stausebach

Die Besucher drängelten sich im Feuerwehrhaus, wie sonst nur die Kirchgänger am Heiligen Abend. Schon zehn Minuten vor der Eröffnung durch Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis war der Saal „ausverkauft“. Die Nachzügler mussten in den Thekenraum ausweichen.

Bürgermeister Jochen Kirchner und Willibald Preis zeigten sich gleichermaßen erfreut, dass die Bürgerversammlung ebenso gut besucht war, wie die vorherige in Stausbach 2009.

Damals sei es um den Ausbau der ehemaligen Kompostierungsanlage durch die Eon Mitte Natur zum Biomassezentrum Stausebach mit einer großen Biogasanlage gegangen, erinnerte Jochen Kirchner. Dabei habe es zwei Schwerpunktthemen gegeben: Die Entschärfung der Verkehrssituation bei Stausebach und die Nahwärmeversorgung Stausebachs durch das Biomassezentrum.

Die Verhandlungen mit Hessen Mobil hätten dazu geführt, dass die gefährliche Stausebacher Kreuzung ab Juni durch den Bau eines Kreisverkehrs entschärft werde. Dagegen sei es in Sachen Nahwärme mit der Eon noch nicht einmal zu Verhandlungen gekommen. Er sei froh, dass die EAM Natur als Nachfolge-Unternehmen dazu heute bereit sei, sagte der Bürgermeister.

„Damals musste ich sagen: Nein. Weil das nicht gewollt war. Die Eon hatte Nahwärme nicht als Leistung im Programm“, bekannte Martin Severin, damals Geschäftsführer der Eon Mitte Natur und heute in dieser Funktion für die EAM Natur tätig. Für das rekommunalisierte Unternehmen, das heute Landkreisen und Städten gehöre, gebe es nun eine andere Ausrichtung. „Heute können wir das tun. Wir wollen die Nahwärme für Stausebach auf den Weg bringen“, versprach Severin.

Auf die Frage nach dem Wie gab es eine erste Antwort. Die EAM betreibt in Stausebach zwar die mit Abstand größte Biogasanlage der Region, aber deren Gas wird nicht Wärme bringend verstromt, sondern gereinigt und in das Erdgasnetz eingespeist. Deshalb favorisiert die EAM einen Biomasse-Kessel als Wärmequelle, der mit Gehölz- und Heckenschnitt betrieben werden könnte. Diese Wärme wird - so die Idee - in ein Nahwärmenetz eingespeist. Dieses Netz zu bauen, zu finanzieren und zu betreiben wäre Aufgabe einer von Bürgern zu gründenden Nahwärmegenossenschaft, wobei sich nach Schwabendorfer und Erfurtshäuser Vorbild die Chance bietet, auch noch ein Glasfaser-Kabelnetz für superschnelles Internet bis in die Häuser hinein zu verlegen.

Spannende Frage: Wiehoch ist der Wärmepreis?

Obwohl der Anstoß für die EAM-Initiative von Stausebacher Bürgern kamen, sparten diese nicht mit zum Teil von Skepsis getragenen Fragen. Auf die zentrale Frage nach dem Nahwärmepreis pro Kilowattstunde in Stausebach konnte am Freitagabend noch keine Antwort gegeben werden, was leichte Unruhe auslöste.

Dr. Norbert Clement vom Fachbereich Erneuerbare Energien des Landkreises kennt diese Situation aus mehreren Veranstaltungen dieser Art. Er verwies darauf, dass zunächst eine Machbarkeitsstudie durch ein Planungsbüro erstellt werden müsse, die eine echte erste Hürde sei. Die Kosten in Höhe von 7000 bis 8000 Euro müssten aus dem Dorf oder vielleicht über ein Leader-Programm ausgebracht werden.

Die Daten für diese Studie müssten ebenfalls aus dem Dorf über eine Fragebogenaktion geliefert werden. Wer ist grundsätzlich bereit, mitzumachen? Wo befindet das Grundstück. Wie hoch ist der jährliche Wärmebedarf? Aus diesen Daten würden dann mehrere Szenarien mit unterschiedlichen Wärmepreisen errechnet. Es sei Aufgabe der Genossenschaft zu entscheiden, ob sie eher ein kleineres Netz mit hoher Anschlussdichte kostengünstig bauen, oder sich an ein flächendeckendes großes Netz für heranwage, erklärte Clement.

Eine Sorge nahm der Fachmann den Stausebachern: Der EAM werde für das Stausebacher Nahwärmenetz nie der Brennstoff ausgehen.

Wie geht es weiter? Einige Multiplikatoren aus dem Ort werden sich in die bereits vorliegenden Fragebögen einarbeiten und den Bürgern bei Bedarf beim Ausfüllen behilflich sein. Der Rücklauf der Fragebögen ist - das hat sich bei allen bestehenden Bioenergiedörfern des Kreises gezeigt - ein ganz wichtiger Indikator für die Erfolgschancen des Projekts: Jetzt sich die Stausebacher gefragt.

von Matthias Mayer

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