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Dorf setzt sich für Männer in Not ein

Große Hilfe nach dem Brand Dorf setzt sich für Männer in Not ein

Unter dem Motto „Erfurtshausen - zusammenhalten - zusammen helfen“ richtete die Vereinsgemeinschaft einen Tag für Familie Schraub aus, die bei einem Feuer alles verloren hat.

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Die Erfurtshäuser Vereine – unter anderem der Musikverein – setzten sich für Eckhardt (rechts) und Jan-Eric Schraub ein.

Quelle: Klaus Böttcher

Erfurtshausen. Seit dem 1. September ist nichts mehr, wie es war: An diesem Tag war das Wohnhaus, in dem Eckhardt Schraub mit seinem Sohn Jan-Eric lebte, komplett abgebrannt. In der Brandnacht war noch der Bruder mit seiner Freundin aus München zu Gast. Sie alle hatten Glück im Unglück, denn die vier Personen blieben unverletzt.

Vater und Sohn erhielten schnelle Hilfe von vielen Seiten. Sie bekamen Kleidung, da sie nur ihre Schlafsachen anhatten und nichts mehr retten konnten. Der Vater wohnt beim Nachbarn, der Sohn fand bei einem Freund eine Bleibe. Nun steigerten die Erfurtshäuser ihre Hilfsaktion für die beiden noch einmal.

Am Wochenende fand ein Tag für die Familie Schraub statt - während dem Eckardt Schraub mit dieser Zeitung ganz offen über die schlimme Nacht und darüber, wie es weiterging, sprach.

"Ich bin heute schon mehrmals den Tränen nahe gewesen"

„Wir sind sehr, sehr dankbar für die große Hilfe, die wir hatten und noch haben. Das war schon immer so in Erfurtshausen, dass die Gemeinschaft zusammenhält, aber was für meinen Sohn und für mich auf die Beine gestellt worden ist, hat uns beide überwältigt“, betont er und freut sich über den Benefiztag der Vereinsgemeinschaft, der ihn sehr überrascht habe: „Ich bin heute schon mehrmals den Tränen nahe gewesen“, gibt er unumwunden zu.

Dann sprudelt es aber aus ihm heraus, wie es in der Nacht des Brandes war. Der Bruder sei in der Nacht aufgestanden und habe Brandgeruch wahrgenommen. „Er hat gedacht, ich hätte den Kachelofen angemacht, weil wir am Abend davon gesprochen haben.“ Doch der Ofen war kalt.

Um 4.15 Uhr weckte ihn sein Bruder dann: „Qualm war im Flur. Der kam aus dem Zimmer, wo wir für unseren verstorbenen Nachbarn eine Kerze angezündet hatten.“ Bis zu dessen Beerdigungstag hätten alle Nachbarn Kerzen ins Fenster gestellt. Seine Kerze habe in einem Glas gestanden. Schraub vermutet, dass das Glas geplatzt und der Brand dadurch entstanden sei. „Am Tag der Beerdigung des Nachbarn ist mir das Haus abgebrannt“, sagt er gefasst - aber es ist deutlich anzumerken, wie nahe ihm das geht.

Der Neubau ist geplant

Er erzählt voller Dankbarkeit von der sofortigen großen Hilfsbereitschaft im Dorf. „Es war nichts mehr aus dem Haus herauszuholen, wir brauchten alles neu“, erzählt er und ergänzt, dass es ja nicht nur die Kleidung sei, die fehlte, sondern Papiere jeglicher Art, Autoschlüssel und vieles andere. Alles habe neu beschafft werden müssen. „Das Haus musste abgerissen werden. Was das Feuer nicht geschafft hatte, schaffte das Löschwasser. Den Keller wollte ich stehen lassen, aber jetzt sind die Wände voller Schimmel.“

Er habe eine Gebäudeversicherung und eine Hausratsversicherung und gehe davon aus, dass bezahlt werde. „Ich bin guter Hoffnung, dass das Geld von der Versicherung reichen wird. Und wenn es nicht reicht, bauen wir eben kleiner“ erzählt er zuversichtlich.

Aufgebaut wird auf jeden Fall wieder, wenn der 26-jährige Sohn wegen seiner Arbeitsstelle auch nach Grünberg zieht. Jan-Eric möchte aber später wieder nach Erfurtshausen zurück - wegen der Freunde und des guten Miteinanders im Dorf.

Schraub ist "bekannt wie ein bunter Hund"

Eckhardt Schraub ist im Dorf und über die Grenzen hinaus bekannt und beliebt. „Er ist bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Ortsvorsteher Wolfgang Rhiel: Das liege an seinem Beruf als Fahrer bei Raiffeisen, aber auch am großen Engagement in den Ortsvereinen, besonders im Sportverein. „Seit Jahrzehnten ist er im Spielausschuss und bereitet die Presseberichte vor“, erklärt Rhiel.

Der Tag für die Familie Schraub begann schon am Vormittag mit dem Tag der offenen Tür der Nahwärmezentrale. Nachmittags unterhielt der Musikverein bei Kaffee und Kuchen im Zelt, und die Frauengemeinschaft hatte zur Pflanzenbörse eingeladen. Abends gab es Livemusik, Gegrilltes und Bier vom Fass. An den Aktionen haben sich alle Ortsvereine selbstlos eingebracht, und es gab außerdem etliche Sponsoren auch von außerhalb Erfurtshausens.

von Klaus Böttcher

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