Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Große Enttäuschung statt großer Liebe

Aus dem Gericht Große Enttäuschung statt großer Liebe

Sie hoffte auf die große Liebe, doch er wollte nur ihr Geld - es war geradezu ein klassischer Fall von Heirats- oder Beziehungsschwindel, der gestern vor dem Kirchhainer Amtsgericht verhandelt wurde.

Voriger Artikel
Zwei Platzvarianten, viele Meinungen
Nächster Artikel
Ein Erfolg trotz roter Zahlen

Wer im Internet Kontakt sucht, findet dazu mehrere Millionen Angebote. Eine Frau aus dem Ostkreis geriet dabei an den „Falschen“. Screenshot: Mayer

Kirchhain. Zumindest ein bisschen wurde verhandelt, denn der Angeklagte war nicht erschienen. Und dies bereits zum vierten Mal! Dreimal hatte der Mann aus Reiskirchen mittels Attest sein Fernbleiben begründet, gestern ließ er dem unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagendem Gericht durch seinen Rechtsanwalt mitteilen, dass er mit einer Verurteilung in Abwesenheit durch einen Strafbefehl einverstanden sein.

Die Beweisaufnahme war schnell abgeschlossen. Der Angeklagte hatte sein aus dem Ostkreis stammenden Opfer im Internet kennengelernt, sich dort mit falschem Namen, falscher Adresse, aber richtiger Telefonnummer vorgestellt. Einen wesentlichen Bestandteil seiner Vita behielt der Mann jedoch für sich: Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Dem Mann gelang es, das Vertrauen seiner Internet-Bekanntschaft zu gewinnen, und von diesem Zeitpunkt an war es nur noch ein kurzer Schritt vom Herzen zum Konto der Frau. Er bestellte für sich auf ihre Kosten zunächst eine Waschmaschine und ließ sich dann noch eine Kfz-Reparatur von ihr bezahlen.

Nach Zahlungseingang tauchte der Mann ab, meldete sich nicht mehr. Das Opfer kostete diese traurige Erfahrung 1240 Euro, die die Frau für die nächste Heizölrechnung zurückgelegt hatte.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten in Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die sie auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Zur Bewährungsauflage gehört: Der Mann muss das erschwindelte Geld zurückzahlen - inklusive Zinsen 1300 Euro. "Der räumt mir das ganze Konto leer", befürchtete die Frau weiteres Unheil, als das Gericht sie um ihre Bankverbindung zur Begleichung der Schuld bat. Erst der Hinweis, dass dazu die PIN benötigt werde, beruhigte das inzwischen misstrauische Opfer.

n Mit einem Freispruch endete gestern das Verfahren gegen einen Stadtallendorfer, dem die Staatsanwaltschaft Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen hatte. Gegen den Mann war im Zuge eines größeren Verfahrens gegen zwei bereits verurteilte Haupttäter ermittelt worden. Der Mann soll bei einer Drogenbeschaffungsfahrt dabei gewesen sein und einmal Drogen zum Eigenbedarf gekauft haben. Am ersten Verhandlungstag hatte sich ein möglicher Belastungszeuge auf Erinnerungslücken berufen. Der gestern geladenene Zeuge berief sich auf sein Aussageverweigerungsrecht, weil er sich durch eine Aussage selbst hätte belasten können. Wegen fehlender Beweismittel beantragte die Anklagevertreterin Freispruch. "Sie sind beim zweiten Mal davon gekommen. Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass es beim dritten Mal wieder so für Sie läuft", ermahnte Joachim Fil-mer den einschlägig vorbestraften Mann nach dem Freispruch.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr