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Eine Stütze in schwierigen Zeiten

Gesundheit Eine Stütze in schwierigen Zeiten

Hildegard Sack und 
Lothar Klingelhöfer 
nutzten die Hilfe des Pflegestützpunktes in Stadtallendorf. Ihre Erfahrungen schilderten sie dem hessischen Gesundheitsminister Stefan Grüttner.

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Hausarzt Dr. Ortwin Schuchardt (von links), Hildegard Sack, Lothar Klingelhöfer, Minister Stefan Grüttner und die Beraterinnen Simone Kretschmar und Annika Bajraktari diskutierten.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Was tun, wenn ich Hilfe brauche, weil ich mit der Pflege meiner Angehörigen nicht mehr zurechtkomme? Ein zentraler Anlaufpunkt ist das Team des Pflegestützpunktes mit seinen Außenstellen in Stadtallendorf und im Hinterland. Die Stadtallendorferin Hildegard Sack hat das in den zurückliegenden Monaten erlebt. Sie pflegte ihren Mann mit. Doch inzwischen hat sie selbst Probleme dabei, sich zu bewegen. „Das war sehr schwer. Man muss sich neu organisieren“, bekennt sie.

Einer ihrer Zuhörer ist Gesundheitsminister Stefan Grüttner. Am Donnerstag Morgen war der Pflegestützpunkt erste Station einer Rundreise des Ministers unter dem Titel „Medizinische Versorgung im ländlichen Raum“. Wie sehr die Arbeit der Pflegestützpunkte mit ärztlicher Hilfe zusammenhängt, machte der Stadtallendorfer Hausarzt Dr. Ortwin Schuchardt deutlich: „Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist, der sich zuverlässig kümmert.“ Denn für die Hilfe der Ärzte gibt es naturgemäß Grenzen, etwa wenn es darum geht, sogenannte Entlastungshilfe zu organisieren. Also Hilfe unterhalb der Ebene von Pflege durch Fachkräfte.

Im Falle von Lothar Klingelhöfer ging es um Hilfe für eine Angehörige, die Pflege braucht. Auch dort galt es, zahlreiche Probleme zu lösen. Generell geht es bei der Arbeit der Pflegestützpunkte um Anträge, aber auch darum, zunächst einmal genau festzustellen, welche Hilfe nötig ist. Bei Hildegard Sack gab es einen Hausbesuch von Simone Kretschmar von der Stadtallendorfer Außenstelle. Sie half bereits beim Antrag bei der Pflegeversicherung des Ehemanns, war sogar beim Gutachtertermin mit dabei, um das Ehepaar zu unterstützen.

Neue Verordnung 
soll Hürde senken

Minister Grüttner hakte bei der Hilfe im Alltag ein. War es schwer, eine „Entlastungshilfe“ zu organisieren? „Es ist generell schwierig im Moment“, berichtet Kretschmar. Und das trotz umfassender ehrenamtlicher Hilfe, die sich im Ostkreis fortlaufend weiterentwickelt. Genannt werden die Bürgerhilfe Mardorf, das Soziale Netzwerk Kirchhain oder die Bürgerhilfe Stadtallendorf.

Minister Stefan Grüttner verspricht sich einiges von einer neuen Verordnung, die in einigen Wochen in Kraft treten soll. Vor allem soll sie laut Grüttner die Hürden für Menschen senken, die sich als Helfer im Haushalt engagieren wollen. Der Sachkundenachweis soll in Zukunft reichen.

Der Stadtallendorfer Hausarzt Ortwin Schuchardt begrüßt sehr, dass es für den Ostkreis eine eigene Außenstelle gibt. Das ist erst seit einigen Jahren der Fall. Zuvor seien es vielleicht „eine Handvoll Fälle gewesen, die vom Ostkreis nach Marburg verwiesen wurden“. Bürgermeister Christian Somogyi betonte den Wert des dezentralen Angebots.

„Das war ein Steinchen, das uns gefehlt hat“, so sein Fazit. Schuchardt macht sich dafür stark, dass niedergelassene Ärzte noch mehr auf die Angebote der Expertinnen zurückgreifen. „Dafür müssen natürlich alle davon wissen“, hebt er im Gespräch mit Grüttner hervor. Klar ist: Das Angebot wird sich weiterentwickeln. Zunächst wird es eine personelle Verstärkung geben.

Bedarf ist zuletzt stark gestiegen

Im Hinterland und im Ostkreis kommt jeweils eine halbe Stelle hinzu, wie die Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises, Dr. Birgit Wollenberg, berichtet. „Damit haben wir ein Etappenziel erreicht“, freut sie sich. Simone Kretschmar will sich dank der Verstärkung künftig wieder stärker der Öffentlichkeitsarbeit widmen. Die Leitung des Pflegestützpunktes Marburg-Biedenkopf liegt bei Martina Berkner.

Seit 2014 ist der Bedarf im Kreis an Hilfe und Beratung rasant gestiegen. Im Jahr 2014 waren es 548 Klienten, also Bürger, die anfragten und zum Teil später beraten wurden. Im vergangenen Jahr waren es 1507 an allen drei Standorten. Minister Stefan Grüttner lobt das Angebot im Kreis Marburg-Biedenkopf mit Nachdruck. Erst seit wenigen Wochen gebe es überhaupt in allen hessischen Landkreisen einen Pflegestützpunkt. Als letzter kam der Kreis Offenbach dazu.

Gerade auch zwischenmenschlich sind die Beraterinnen eine große Hilfe in der besonderen Situation. Das wurde bei Lothars Klingelhöfers Schlusswort am Donnerstag noch einmal deutlich. Er bedankte sich für die Zeit fürs aufmerksame Zuhören, die sich seine Beraterin Kretschmar seinerzeit genommen habe.

von Michael Rinde

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