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Gericht stellt Verfahren gegen Treckerfahrer ein

Prozess Gericht stellt Verfahren gegen Treckerfahrer ein

Mehr als eine Stunde diskutierten Staatsanwalt, Klägervertreter, Richter, Verteidigerin und zwei Sachverständige am Freitag über Zentimeter und Sekunden.

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Im Mai 2008 hatte sich der schwere Unfall ereignet, bei dem ein junger Gemündener schwer verletzt wurde.

Rauschenberg. „Wäre der Unfall vermeidbar gewesen oder nicht?“, lautete die entscheidende Frage, die es am Freitag während einer Verhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht zu klären galt. Im Mai des Jahres war ein Rentner aus Rauschenberg mit seinem Trecker samt Anhänger von einem Feldweg auf die Landstraße 3077 gefahren. Ein Gemündener kam mit seinem Motorrad aus einer Kurve und knallte seitlich in das landwirtschaftliche Fahrzeug. Er erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen an Schädel, Schulter, Arm und unteren Extremitäten und lag drei Wochen lang im Koma.

Am Freitag sagte ein Zeuge vor Gericht aus. Er sei aus Richtung Ernsthausen gekommen und habe den Trecker beim Auffahren auf die Landstraße passiert. Als er wenige Meter weiter in der Kurve war, sei ihm das Motorrad in Schräglage entgegengekommen und er habe sofort gewusst, dass ein Unfall unausweichlich war, berichtete der 34-Jährige. Im Spiegel beobachtete er den Zusammenstoß und verständigte sogleich die Rettungskräfte, ehe er selber Erste Hilfe leistete, berichtete der Stadtallendorfer.

Rund vier Sekunden habe sich der Motorradfahrer im Blickfeld des Rauschenbergers befunden, hieß es in den Gutachten von zwei Sachverständigen, die ebenfalls vor Gericht aussagten. Fortan war die Diskussion um Zahlen eröffnet: Laut Gutachtern hatte der Motorradfahrer eine Geschwindigkeit von mehr als 120 Stundenkilometern. Nach Analyse der Unfallstelle müsse er noch in der Rechtskurve angefangen haben zu bremsen. So sei er auf die Gegenfahrbahn gekommen, wo er den Schlepper – der mit seinem Anhänger zu diesem Zeitpunkt die 7,60 Meter breite Straße blockierte – kollidierte. Beim Aufprall war er scheinbar noch um die 60 Stundenkilometer schnell.

Da zum Zeitpunkt des Losfahrens die Gefahr nicht erkennbar gewesen sei, sei auch eine Fortsetzung der strafrechtlichen Verhandlung nicht sinnvoll – anders sehe dies zivilrechtlich aus.
Mit Einverständnis des Staatsanwaltes stellte Filmer die Verhandlung ein.

von Florian Lerchbacher

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