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Gericht muss Verwirrspiel auflösen

Gerichtsverhandlung Gericht muss Verwirrspiel auflösen

Das Marburger Jugendschöffengericht muss klären, auf welche Weise eine Playstation den Besitzer wechselte. Ein heute 15-Jähriger soll dabei mit einer Schreckschusswaffe bedroht worden sein.

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Eine solche Spielekonsole, eine Playstation, steht im Mittelpunkt eines Gerichtsverfahrens. Angeklagt ist ein Fall der räuberischen Erpressung. Archivfoto

Quelle: Everett Kennedy Brown

Ostkreis. Noch am Tag vor der Verhandlung hatte die Familie des Angeklagten mit der Familie des Geschädigten Kontakt aufgenommen. Man habe sie dazu bewegen wollen die Anklage zurückzuziehen und die Auseinandersetzung außergerichtlich zu bereinigen. Schon aus rein rechtlichen Gründen wäre das nicht möglich gewesen. Dennoch räumte der Angeklagte auch während der Verhandlung mehrfach ein, dass er gerne alles dafür getan hätte, „es nicht so weit kommen zu lassen.“ Eine Gerichtsverhandlung hatte er vermeiden wollen.

Die im Zuschauerbereich sitzende Mutter des Geschädigten nahmen die Ereignisse so mit, dass sie während der Verhandlung aufstand und vor der Tür wimmernd zusammenbrach. Soweit der Hintergrund einer Verhandlung, bei der Aussage gegen Aussage stand und die das Gericht reichlich ratlos erscheinen ließ. Schon zu Beginn des Prozesses gegen einen 22-jährigen aus Stadtallendorf, angeklagt der räuberischen Erpressung, war man sich unsicher. Im Raum stand, den 15-jährigen Geschädigten als Nebenkläger zuzulassen. Dieser hatte ein ärztliches Gutachten eingereicht, aus dem hervorging, dass er sich nach der Tat in psychologische Behandlung hatte begeben müssen.

Das Gutachten war allerdings auf den Tag vor der Verhandlung datiert, obwohl die Tat schon ein halbes Jahr zurückliegt. Schließlich wurde er als Nebenkläger zugelassen. Dem 22-Jährigen aus dem Ostkreis wurde vorgeworfen, im Dezember vergangenen Jahres auf einem Lkw-Parkplatz bei Niederklein den damals 14-jährigen Geschädigten mit einer Schreckschusswaffe bedroht zu haben. Dabei soll er Drohungen ausgesprochen haben und so die Playstation erpresst haben. Nachdem der Geschädigte aus Angst vor dem Angeklagten zunächst geschwiegen hatte, vertraute er sich schließlich seiner Schwester an. Die erstattete etwa einen Monat nach der Tat Anzeige.

Der Angeklagte, der seit seinem Hauptschulabschluss als Kundenbetreuer bei einer Gebäudereinigungsfirma arbeitet, gab an, dass er bei der Tat zwar dabei gewesen sei, die Waffe aber von einem Freund, mit dem er an diesem Tag unterwegs gewesen war, auf den 14-jährigen gerichtet worden sei. Dieser dritte Beteiligte sei es auch gewesen, der die Playstation ausgehändigt bekommen habe. Er selbst hatte den 14-Jährigen an diesem Abend angerufen und ihn aufgefordert sich mit ihm zu treffen. Er hatte von ihm etwas über dessen Schwester erfahren wollen, mit der er eine längere Beziehung geführt hatte. Er habe noch versuchen wollten, seinen Freund daran zu hindern die Waffe auf den Bruder seiner Exfreundin zu richten, allerdings nur verbal. Wochen später habe er die erpresste Playstation dann seinem Freund abgenommen und dem Geschädigten zurückgebracht, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Der inzwischen 15-jährige Geschädigte bestätigte den Tatablauf, allerdings mit der Änderung, dass es der Exfreund seiner Schwester gewesen sei, der die Waffe auf ihn gerichtet habe.

Auch auf mehrmalige Nachfrage der Staatsanwältin die den Nebenkläger auch auf die Folgen einer Falschaussage hinwies, blieb dieser bei seinen Angaben. Ebenso wie der Angeklagte. So ging es eine Weile hin und her. Auch die sorgfältige Nachfrage seitens der Kammer ergab keine richtungweisenden Ergebnisse.

So beschloss das Gericht, den dritten Beteiligten sowie die Schwester, beziehungsweise Exfreundin, ebenfalls polizeilich vernehmen zu lassen. Richter Thomas Rohner bezweifelte allerdings den Erkenntnisgewinn, der daraus zu ziehen sei, da der Dritte dann als Angeklagter auftreten müsse und so von dem damit verbundenen Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen könne.

von Kristina Gerstenmaier

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