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Gemeinde zahlt teuer für alte Sünden

Brückensanierungen Gemeinde zahlt teuer für alte Sünden

Am Dienstagabend verabschiedete das Wohrataler Gemeindeparlament eine Prioritätenliste für die Sanierung mehrerer Brücken. Bei zwei Bauwerken drängt die Zeit besonders.

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Diese Wohraer Brücke über die Bentreff soll im nächsten Jahr saniert werden.

Quelle: Michael Rinde

Wohratal. Bei der kleinen Brücke über die Bentreff am Heimbacher Weg in Wohra prüft ein Ingenieur, ob ein Neubau nicht günstiger wäre. Mindestens 75.000 Euro muss die Gemeinde im nächsten Jahr für die ansonsten nötige dringende Sanierung aufbringen.

Wesentlich teurer zu stehen kommt die Gemeinde die Sanierung einer weiteren Brücke über die Bentreff. Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als sechs Tonnen dürfen die Brücke an der Gemündener Straße bereits nicht mehr überqueren, was besonders Schulbusse trifft. Eine Kostenschätzung geht von rund 166.000 Euro Baukosten aus, um die Brücke auf Dauer erhalten zu können. Ein neuer Fahrbahnbelag reicht nicht. Die Widerlager haben sich gespreizt, der Brückenkopf drückt auf die Steine.

Am Dienstagabend setzte das Gemeindeparlament Prioritäten. Jene beiden Brücken werden jetzt in jedem Falle im nächsten Jahr saniert. Weitere müssen Zug um Zug folgen. Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) sprach in der Parlamentssitzung denn auch von einem Sanierungsstau, der jetzt aufgelöst werden müsse. Im Jahr 2007 hatte die Gemeinde ihre sämtlichen Brückenbauwerke untersuchen lassen. Es war nicht die erste Untersuchung dieser Art. In den 80er Jahren hatte ein Fachmann die Brücken bereits schon einmal begutachtet. Doch diese Schadensmeldungen blieben ohne Konsequenz: es geschah nichts. „Das Gutachten landete seinerzeit in der Schublade“, bedauerte Klaus-Dieter Engel (SPD) rückblickend. Jetzt sind die Schäden an einigen Brücken weit größer, teilweise muss schnell gehandelt werden. In diesem Sommer kam es zu einer Brückenbegehung mit einem Ingenieur und den Mitgliedern des Bauausschusses. Daraus entstand die Prioritätenliste.

Insgesamt stehen im Haushaltsentwurf für das nächste Jahr 215.000 Euro für die Brückensanierung bereit. Damit fließt fast der gesamte Investitionshaushalt in Brückenarbeiten. Bürgermeister Hartmann hat zusammengerechnet lediglich 235.000 Euro für Investitionen vorgesehen.

Klar ist, dass auf Wohratal weitere hohe Ausgaben für Brückenarbeiten zukommen. Allein die auf der Prioritätenliste stehenden Brückenarbeiten machen zusammengerechnet 477 000 Euro aus. So steht zum Beispiel die Brücke über den Wadebach auf der Warteliste, deren Sanierung mindestens 33 000 Euro kosten soll. Weitere Untersuchungen folgen. Frühestens im nächsten Jahr will die Gemeinde den Überbau der alten Eisenbahnbrücke über dem Feldweg Richtung Heimbach abreißen lassen.

Die Eisenbahnbrücke über die Langendorfer Straße will die Gemeinde allerdings erhalten, was im Parlament nicht unumstritten war. Die Brücke ist als Industriedenkmal ausgewiesen, Bauausschuss-Vorsitzender Walter Reuter (SPD) warb aufgrund ihres historischen Werts für den Erhalt. Harald Homberger (Bündnis 90 / Die Grünen) empfahl mit Blick auf weitere Kosten jedoch, über den Abriss zumindest nachzudenken. Bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung sprach sich das Gemeindeparlament für eine Sanierung im nächsten Jahr aus, die etwa 19 000 Euro kosten wird. Klaus-Dieter Engel betonte, dass seine Fraktion durchaus kontrovers über die Ausgaben für die Brückensanierung diskutiert. „Doch wir haben gesehen, dass wir durch das Verschieben jetzt noch höhere Kosten haben“, sagte Engel.

von Michael Rinde

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