Volltextsuche über das Angebot:

32 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Ganz Schwabendorf ist eine Baustelle

2,64 Millionen Euro investiert Ganz Schwabendorf ist eine Baustelle

Seit dem 16. April leben die Schwabendorfer ohne Durchgangsverkehr. Dennoch ist es alles andere als ruhig in dem 325 Jahre alten Hugenotten- und Waldenser-Dorf.

Voriger Artikel
Ja zu schnellem Internet
Nächster Artikel
Durchhaltevermögen, Gemeinschaftssinn

Schwabendorf. Seit fünfeinhalb Monaten ist der Ort fest in der Hand der Bauarbeiter und der lärmenden Baumaschinen. Und bis Weihnachten wird dieser Zustand noch anhalten, schätzt Rauschenbergs Bürgermeister Manfred Barth. Dann soll die größte und teuerste Baustelle in der Geschichte Schwabendorfs selbst Geschichte sein.

2,64 Millionen Euro werden derzeit in dem Rauschenberger Stadtteil verbaut. Und das geschieht nicht nur entlang der 1,1 Kilometer langen Brachter Straße, die grundhaft erneuert und durch einen durchgehenden kombinierten Fuß- und Radweg von der Schönen Aussicht bis zum Abzweig zur Wolfskaute erweitert wird. Die Nahwärme-Genossenschaft Schwabendorf lässt gleichzeitig ihr großflächiges Nahwärmenetz bauen. Ergebnis: Die Bagger graben sich fast in allen Winkeln Schwabendorfs durch das Erdreich, der ganze Ort ist eine Baustelle.

Die Schwabendorfer haben sich längst an das Leben zwischen den Absperrbaken gewöhnt. Helmut Schmid, Vorstandsmitglied der Bioenergiedorf-Genossenschaft, rühmt die Duldsamkeit und Hilfsbereitschaft der Baustellen-Anwohner. Die Toleranz gegenüber dem Nahwärmenetz-Projekt sei groß, auch unter den Schwabendorfern, die ihre Häuser nicht an das Netz anschließen lassen, sagte Schmid der OP.

Nahwärme-Euphorieist ungebrochen

Die Genossenschaft hat mit 950000 Euro das dickste Päckchen des gesamten Investitionsvolumens zu tragen, wobei ihr die ungebrochene Euphorie für die Nahwärme im Dorf hilft, ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Seit dem Baubeginn sind weitere sechs Haushalte der Genossenschaft beigetreten, so dass diese jetzt 78 Genossen hat. Sie liegt damit deutlich über der Rentabilitätsgrenze. „Wir stehen finanziell sehr gut da, alles läuft nach Plan“, stellt Schmid zufrieden fest.

Rund 50 Prozent des Nahwärmenetzes, so schätzt Helmut Schmid, sind bereits unter der Erde verlegt. Größere Probleme habe es während der Bauphase noch nicht gegeben, sagte Schmid, der dies auch auf die umsichtige ehrenamtliche Bauleitung durch die Vorstandsvorsitzende Eva Hawig und deren „Gehilfen“ Dr. Thomas Wolf zurückführte. Zwei Hardware-Komponenten fehlen noch: Der mit Öl betriebene Spitzenlastkessel, der an sehr kalten Wintertagen dafür sorgen soll, dass im Dorf niemand frieren muss, wenn die Abwärme der Biogasanlage und der Wärmepufferspeicher nicht ausreichen. Der Spitzenlastkessel soll im Keller des Dorfgemeinschaftshauses eingebaut werden. Der Wärmepuffer, der mit nicht benötigter Wärme aus dem Generatorenhaus der Biogasanlage aufgeheizt wird, soll neben der Biogasanlage auf dem Areal der Schwabendorfer Landwirtsfamilie Müller errichtet werden.

Auch wenn die Bauarbeiten planmäßig verliefen, werde die Genossenschaft ihr ursprüngliches Ziel, das Dorf schon im November mit Biowärme zu versorgen, nicht erreichen. „Es wird wohl Dezember werden“, sagte Schmid, ohne sich auf einen Tag festlegen zu wollen. Ganz sicher ist er sich aber in einem ganz anderen Punkt: „Die Genossenschaft ist jetzt schon ein Gewinn für Schwabendorf. Sie schweißt die Dorfgemeinschaft zusammen.“

Die Bauarbeitenliegen im Zeitplan

Sehr zufrieden mit dem Ablauf der Bauarbeiten zeigt sich Bürgermeister Manfred Barth. Es sei in Sachen Koordination und Logistik durchaus anspruchsvoll, gleichzeitig Kanalrohre, Wasserleitungen, Nahwärme-Rohre und Glasfaserkabel für schnelles Internet zu verlegen. „Das hat uns manche spannende Baustellenbesprechung beschert“, sagte Barth der OP.

Die Arbeiten lägen nach verspätetem Beginn voll im Zeitplan, die Gewerke Kanalbau und Wasserleitungsbau seien vollständig abgearbeitet. „Das schöne Wetter bis in den Herbst hinein hat uns sehr geholfen“, sagte Barth, der den Planern und Baufirmen ein gutes Zeugnis ausstellte: „Die Stadt hat nur eine massive Beschwerde einer Anwohnerin bekommen. Das ist höchst ungewöhnlich für ein Bauvorhaben dieser Größenordnung“, stellte der Bürgermeister fest.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr