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16:37 11.05.2012
Benjamin Donath ist in der Außenstelle Neustadt des Staatsarchivs Marburg für die Digitalisierung der hessischen Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden zuständig.Fotos: Florian Lerchbacher
Neustadt

Unter einer extrem leistungsstarken 50-Megapixel-Kamera legt Benjamin Donath einen Band mit Geburtsurkunden zurecht, richtet ihn an verschiedenen Markierungen aus und wenige Sekunden später ist wieder eine Doppelseite aus dem Register digitalisiert. „Die alten Bücher liegen gut. Die neuen Bände mit steiferen Einband sind etwas widerspenstiger“, erklärt Donath, der mit zwei Kollegen täglich bis zu 7500 dieser Doppelseiten mit Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden abfotografiert. Auftraggeber sind das Staatsarchiv in Marburg sowie „Family Search“ - die größte Ahnenforschungs-Organisation der Welt.

Mit der Digitalisierung der Zweitschriften - die nach Ablauf bestimmter Fristen von den Kommunen an die Archive weitergegeben werden - sind die Marburger beziehungsweise die Neustädter Vorreiter in Deutschland. Ziel ist es, dass Bürger im Staatsarchiv Marburg und später im Internet hessenweit und vor allem weitaus einfacher als bisher recherchieren können: „Ein gemeinsamer Standort ist sinnvoll. In diesem Fall ist es natürlich auch gut für die Universität“, betont Christian Reinhardt, der beim Staatsarchiv für das Digitalisierungsprojekt zuständig ist.

21000 Bände aus elf Beständen haben die Mitarbeiter abgelichtet und so eine Datenmenge von bisher rund 47 Terabyte geschaffen. Wöchentlich schicken sie eine mit einem Terabyte gefüllt Festplatte nach Marburg. Am Ende des Projektes wird das gesamte Datenvolumen rund 300 Terabyte groß sein.

Während der Umsetzung des Projektes stießen Reinhardt und seine Mitarbeiter aber natürlich auch auf Probleme, vor allem datenschutzrechtlicher Natur: Auf einigen Heirats- und Sterbeurkunden gibt es Randvermerke mit personenbezogenen Daten, zum Beispiel zur Adoption eines Kindes: „Das dürfte dort eigentlich nicht stehen - tut es aber leider manchmal doch“, sagt Reinhardt und ergänzt: „Diese Informationen dürfen wir auf keinen Fall ins Netz stellen.“ Gemäß den Schutzfristen der Archivgesetze dürften die Informationen erst 100 Jahre nach der Geburt oder 10 Jahre nach dem Tod der betreffenden Person freigegeben werden - entsprechend muss in Neustadt mit Schwärzungen gearbeitet werden. „Wir arbeiten in enger Kooperation mit dem hessischen Datenschutzbeauftragten, um auf Nummer sicher zu gehen“, betont der Archivrat.

Wenn Benjamin Donath und seine Kollegen alle Urkunden abfotografiert haben, will Family Search gemeinsam mit Freiwilligen die einzelnen Einträge indizieren, also die Nutzbarkeit der Bände erheblich verbessern: Wird bisher bei der Suche nach Personen noch die Herkunftskommune benötigt, so kann später auch schlicht nach Namen gesucht werden. „Noch gibt es keine Finessen“, sagt Reinhardt und gibt zu: „Es muss alles noch viel besser, toller und schicker werden.“ Allerdings sei dieser Prozess bereits im Gange: Die Arbeiten zur Verbesserung der entsprechenden Datenbank „Hadis“ schreiten voran, ergänzt er.

Wie in einem Buch können die Nutzer später im Internet in den Seiten der Register blättern - wobei wieder die leistungsstarke Kamera ins Spiel kommt: Dank der großen Auflösung der digitalisierten Dokumente sind auch Ausschnitte noch gestochen scharf betrachtbar.

Noch in diesem Jahr soll das hessische Personenstandsregister mit den Daten ab 1874 online gehen, genauere Angaben kann Reinhardt zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. „Ein ganzes Bundesland zu digitalisieren - das hat noch keiner gemacht, freut er sich über das außergewöhnliche Projekt, das natürlich auch sehr spannend für die Nutzer sei, die nach der Umsetzung weitaus einfacher recherchieren könnten. Besonders hoch frequentiert wurde die im Februar 2011 eröffneten Außenstelle des Marburger Staatsarchivs schließlich nicht: Im vergangenen Monat verzeichneten die Neustädter 10 Nutzer, die auf insgesamt 817 Register zugriffen.

von Florian Lerchbacher

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