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Ostkreis Für die Postbank lohnt die Filiale nicht
Landkreis Ostkreis Für die Postbank lohnt die Filiale nicht
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19:21 26.06.2018
Das Postgebäude gehört bereits seit dem Jahr 2006 der Stadt Stadtallendorf. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Bürgermeister­ Christian Somogyi bekam die Nachricht über die Entscheidung der Postbank durch die OP. Allerdings hatte auch er am Montag von kursierenden Schließungsgerüchten gehört. „Ich bin tief enttäuscht von den Gesprächspartnern bei Postbank und Post“, betonte ein ­wütender Bürgermeister. Das sei für Stadtallendorf als Mittelzentrum eine ganz schlimme Nachricht.

Erst vor drei Wochen habe die Immobiliengesellschaft der Post erklärt, dass es keine Schließungspläne für Stadtallendorf gebe. Jetzt will Somogyi mit den Unternehmen erneut Kontakt aufnehmen. „Hoffentlich lässt man uns wenigstens bei der Konzeption der zukünftigen­ ­Lösung für die Postdienstleistungen mitreden“, meint Somogyi mit leichtem Sarkasmus in der Stimme.

Mit Postshoplösungen gibt es auch in Stadtallendorf schon ­Erfahrungen. Einen solchen Postshop gibt es bereits seit sechs Jahren in der Niederkleiner Straße, betrieben von der Firma Emil Segendorf, der durchgehend ab 7.30 Uhr geöffnet ist. Er bietet alle klassischen Postdienstleistungen an, allerdings keine Bankdienstleistungen für die Postbank.

Stadt ist Eigentümerin der Immobilie

Die Stadt ist doppelt betroffen von der neuen Entwicklung. Schließlich ist sie auch Eigentümer der Immobilie. Der Mietvertrag mit der Post läuft unbefristet, ist aber zum Ende eines Monats kündbar und hat dann noch eine Laufzeit von zwölf Monaten.

Im Jahr 2006 hatte die Stadt das Gebäude von der Post gekauft. Das geschah vor allem, um den Kauf durch einen Immobilienfonds zu stoppen und um die Post langfristig an diesem Standort zu halten. Inzwischen tritt die Postbank als Mieter auf und kooperiert mit der Post AG bei den üblichen Brief- und Paketdienstleistungen. ­

Seinerzeit hatte Stadtallendorf 938 000 Euro für die Immobilie bezahlt, die weiterhin abgeschrieben werden muss. Formal gehört sie dem Eigenbetrieb Dienstleistungen und Immobilien der Stadt. Aktuell hat das Gebäude noch einen Restbuchwert von 879 000 Euro.

Paketzusteller hat eigenen Vertrag

Der vom Paketzusteller DHL gemietete hintere Teil des Gebäudes ist von der Entwicklung rund um die Filiale nach bisherigem Kenntnisstand nicht betroffen. Für ihn gilt ein eigener Mietvertrag.

Was geschieht in naher ­Zukunft mit den Mitarbeitern? Bürgermeister Somogyi wollte­ gestern selbst die Filiale­ aufsuchen, um sich bei den ­Betroffenen einen Einblick zu verschaffen.

Laut Postbank-Sprecherin Iris Laduch-Reichelt soll es jetzt ­Gespräche der Vorgesetzten mit den betroffenen Postbank-Mitarbeitern geben. „Es wird niemand entlassen. Wir haben an anderer Stelle Bedarf an Mitarbeitern“, so die Sprecherin. Für die Mitarbeiter der Post AG dürfte es Versetzungen geben.

Es soll direkten Übergang geben

Die Entscheidung für die Schließung ist erst wenige Tage alt und war offenbar das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. „Bei den Bankdienstleistungen stimmt der Deckungsbeitrag nicht. Wir können die Filiale in Stadtallendorf nicht auf Dauer wirtschaftlich betreiben“, fasst es Sprecherin Laduch-Reichelt zusammen.

Sobald es einen Schließungstermin gibt und eine Lösung für die Postkunden, will sie das ­Unternehmen mitteilen. Ziel sei es, dass es einen direkten Übergang von der Filiale auf die neue Lösung gebe.

Was mit der Marburger Postbank-Filiale geschieht, ist gegenwärtig noch unklar. Im Mai hatte das Unternehmen eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für den Marburger Standort angekündigt. Ergebnisse der Prüfung sind aber noch nicht bekannt geworden.

von Michael Rinde